Meinardus, Wilh.: Gerhard Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans. 65
Bei der Neubearbeitung hat sich der Verfasser nicht darauf beschränkt, seine
Darstellung nach dem neuesten Stand der Forschung zu verbessern und zu
ergänzen, sondern er hat durch eine zusammenfassende synthetische Behandlung
des Stoffes versucht, die natürlichen Regionen des Ozeans mit ihren charakte-
ristischen Merkmalen herauszuarbeiten, so wie er es in seiner Geographie des
Indischen und Stillen Ozeans bereits getan hat. Dadurch wird den geogra-
phischen Gesichtspunkten in ähnlicher Weise Rechnung getragen, wie es bei
länderkundlichen Werken üblich zu sein pflegt. — Die Anordnung der Kapitel ist
ähnlich wie in den vorigen Auflagen, Die zahlreichen Tafeln sind aber jetzt am
Schluß des Werkes zusammengeheftet, was ihre Benutzung - und Vergleichung
erleichtert. Die Literaturangaben folgen den einzelnen Abschnitten des Textes.
Zu beachten sind die Bemerkungen über die wissenschaftlichen Grundlagen der
Karten und Textfiguren im Anhang.
Die ersten Kapitel sind der Erforschungs- und Entdeckungsgeschichte des
Atlantischen Ozeans gewidmet. Dabei werden die zahlreichen Expeditionen nach
dem Weltkrieg in ihrem Verlauf auf einer Übersichtskarte vor Augen geführt.
Auch die stark geförderte Erforschung der höheren Luftschichten wird gewürdigt.
Dem Kapitel über Name und Begrenzung des Ozeans, von dem das Nord-
polarmeer und die europäischen Meere aus der näheren Betrachtung ausge.
schieden oder nur kurz behandelt werden, folgt ein Kapitel über die geologischen
Verhältnisse, worin die verschiedenen Theorien über die Entstehungsgeschichte
des Ozeans mit Hinweisen auf die gesicherten Tatsachen kritisch gegeneinander
abgewogen werden. .
Die: Tiefenverhältnisse des Ozeans sind von Schott auf einer buntfarbigen
Karte in 1:30 Mill. im wesentlichen nach der von Th. Stocks im „Meteor“ Werk,
Band III, veröffentlichten Karte in 1:20 Mill. zur Darstellung gebracht und im
Text auch durch einige Echolotprofile erläutert. Hierbei wird vor Überschätzung
der Böschungswinkel gewarnt, da aus Raumrücksichten eine 100fache Über-
höhung der Profile geboten war. Es folgt eine von Süden nach Norden fort-
schreitende Beschreibung der Tiefenverhältnisse der einzelnen Meeresräume mit
einigen Spezialkarten, von denen die der Azorengegend nach den neuesten Auf-
nahmen und der Karte von G. Wüst wiedergegeben ist (vgl. Ann. d. Hydr. 1940,
August-Beiheft). Auch die kürzlich durch die „Meteor“-Fahrten näher erforschten
Tiefenverhältnisse südwestlich von Island (Reykjanes-Rücken) und die Gestalt
des Wyville-Thomson-Rückens finden besondere Beachtung, Als größte Tiefe
des Atlantischen Ozeans wird in der Puerto-Rico-Rinne 8742 m angegeben, statt
bisher 8525 m.
Die Bodenbedeckung des Atlantischen Ozeans ist weit ausführlicher als
früher durch Dr. Wolfgang Schott, den Sohn des Verfassers, behandelt worden.
Nicht weniger als 25700 Grundproben konnten von ihm für die Übersichtskarte
berücksichtigt und durch Signaturen kenntlich gemacht werden. So ließen sich
jetzt die Verbreitungsgebiete der Hauptbodenarten besser .darstellen als jemals
zuvor. Hervorzuheben ist u, a. das nahe Zusammenfallen der Grenze des Globi:
gerinen- und Diatomeenschlamms mit der subantarktischen Konvergenzlinie. Die
weite Verbreitung des roten Tiefseetons in der Tiefsee des westlichen Atlan-
tischen Ozeans hängt offenbar mit der kalkauflösenden Wirkung des hier weit
nordwärts vordringenden antarktischen Tiefenstroms zusammen, der andrerseits
den östlichen Teil des Ozeans nur durch die Romanche-Tiefe unter dem Äquator
erreichen kann. Die durch Schlammröhrenstiche festgestellte örtliche Überlagerung
des roten Tiefseetons und des Diatomeenschlamms durch Globigerinenschlamm
ist zweifellos auf die Erwärmung der Wassermassen seit der Diluvialzeit zurück-
zuführen, wie schon E, Philippi im Anschluß an die „Gauß“-Expedition ver-
mutete und nun W. Schott durch die Untersuchung der „Meteor“-Bodenproben
eingehender begründen konnte, .
Es folgen in zwei Kapiteln allgemeine. Betrachtungen über die Haupt-
eigenschaften der Atmosphäre und dann des ozeanischen Wassers, Hierzu
gehört der größte Teil der angehängten Tafeln, auf denen die einzelnen klima-
tischen Elemente einerseits und Farbe, Temperatur, Salzgehalt und Dichte des