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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Jensen, Chr,: Neutrale Punkte der atmosphärischen Polarisation in Windhuk. 57 
Die Korrelationen liegen zwar alle im erwarteten Sinne, sind aber zum Teil 
recht gering bzw. sogar schlecht, wenn auch der unter‘ 3. angegebene Wert 
recht befriedigend erscheint. Man darf wohl sagen, daß die Bindung zwischen dem 
Arago-Abstand bei positiven Sonnenhöhen und der Differenz zwischen dem 
Arago- und dem Babinet-Abstand bei kleinen negativen Sonnenhöhen im allge- 
meinen keine enge ist, Wir sahen aber jedenfalls beim Vergleich verschiedener Orte 
miteinander, daß A-Ba zweifellos um so größer ist, je reiner die Luft ist. Gewisse 
Unstimmigkeiten lernten wir aber beim Vergleich der am nämlichen Ort für ver- 
schiedene Zeiten geltenden Werte kennen. Merkwürdig und bis jetzt unerklärt 
waren die unter normalen Verhältnissen gefundenen auffällig geringen Abstands- 
differenzen in Davos und in Ilmenau, Im Gegensatz zu der für normale Zeiten in 
geringer Meereshöhe in geringerem oder höherem Grade bestehenden Tendenz 
wurden zu Zeiten starker Sonnentätigkeit besonders große gegenseitige Abstände 
bei negativen Sonnenhöhen gefunden, wobei allerdings zu bemerken war, daß sich 
dies nach Dorno vor allem erst ab —2.5° Sonnenhöhe bemerkbar macht. Beim 
Versuch, die vorhandenen Diskrepanzen zu erklären, muß man jedenfalls auch 
bedenken, daß offenbar die Größe der Abstandswerte kein so sicheres Kriterium 
für den atmosphärischen Reinheitsgrad gibt wie die Amplitude. Wir müssen 
aber unter allen Umständen nach anderen Erklärungsmöglichkeiten Umschau 
halten. „Ganz abgesehen von der Art und der Größe der trübenden Partikel hat 
offenbar die Höhenlage der trübenden Schicht einen nicht zu vernachlässigenden 
Einfluß auf den Gang der neutralen Punkte, Auch erscheint es durchaus möglich, 
daß der Arago-Punkt von einer bestimmten Trübungsart anders beeinflußt wird 
wie der Babinet-Punkt. So sahen wir die starke Hebung des Ba-Abstandes in- 
folge von Dunstschichten in geringeren Höhen, Ich habe schon mehrfach darauf 
hingewiesen, daß es so scheine, als ob die Abhängigkeit von der Jahreszeit. für 
den A-Punkt größer sei als 1ür den Ba-Punkt*), Im ähnlichen Sinne hat sich auch 
Süring*) geäußert, wenn er allerdings mit einem gewissen Vorbehalt meinte, 
daß ein Unterschied zwischen kalter und warmer Jahreszeit für den Ba-Punkt 
nicht erkennbar sei, wohingegen für den Arago-Punkt eine Tendenz zur Ver- 
ringerung der Arago- Abstände im Winter klar hervortrete, wenigstens solange 
die Sonne überm. Horizont stehe, Jedenfalls hat sich für Hamburg — zunächst 
für die ungestörten Jahre 1909, 1910 und 1911 — ein deutlicher jahreszeitlicher 
Unterschied gezeigt, und zwar sowohl bei Berücksichtigung der Abstandsdifferenz 
zwischen Sommer und Winter als auch bei derjenigen der Lage des A-Minimums 
sowie der Größe der Amplituden. Dorno konnte sich hinsichtlich Davos meiner 
Meinung nicht bedingungslos anschließen, kam aber doch später der Ansicht 
mehr und mehr entgegen. Das legte weiter den Gedanken nahe, daß sich die 
für den A-Punkt in Frage kommenden Vorgänge in gewissen, nicht zu niedrigen 
Höhen der Atmosphäre abspielen, die auch vor allem für die rein meteorologischen 
Vorgänge in Frage kommen, In ähnlichem Sinne dürfte vielleicht ein Resultat 
Neubergers*) aufzufassen sein, das er in folgende Worte kleidet: „Die Tatsache, 
daß die Beziehung zwischen dem Aragoschen Punkt auf der einen und der 
Intensität der Sonnenstrahlung und dem Himmelsblau auf der andern Seite viel 
enger ist als die zwischen dem Aragoschen Punkt und der Sicht, zeigt klar, daß der 
Aragosche Punkt von einem weit größeren Gebiet- der Atmosphäre beeinflußt 
ist als die horizontale Sicht, welche hauptsächlich von der Transparenz der 
untersten Schichten abhängt.“ Ich erinnere in diesem Zusammenhang nochmals 
an die starke Beeinflussung des Babinet-Abstandes’ durch die unteren Dunst- 
schichten, Einen anderen Fall der Abhängigkeit der Erscheinungen der neutralen 
Punkte von der Höhe der Trübungsschichten zeigten die Davoser Beobachtungen 
in den Jahren 1916 und 1917 und, wie es scheint, einen anderen die Störungen 
im Jahre 1907 und im Mai— Juni 1919. Wenn ich meinte, daß es sich bei den 
letztgenannten Phänomen um verwandte Erscheinungen handelt, so möchte ich 
*) Car, Jensen im Kap. Himmelsstrahlung d. Handb. d. Phys, XIX, 1928, 128-129 und 
Geklinoheft Bd. X4 (L cit. 1928), 25 u. 26. — ?) R. Süring, Schwankungen der Lage der neutralen 
Polarisationspunkte in Potsdam 1909 bis 1913, Veröff, Königl. Preuß. Met, Inst. No. 240, 1911. 
X bis XXIV. — *, H. Neuberger, |}. cit. 1940, 21.
	        
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