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Full text: 71, 1943

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1943. 
Wendepunkte. Es gibt aber noch einen weiteren und sehr schwerwiegenden Grund, 
die Amplitude gegenüber dem Abstand zu bevorzugen, auf den ich bereits im Jahre 
1937 hinwies, Man wird unter Berücksichtigung der Möglichkeit eines falschen Null- 
punkts bzw. der Verbiegung der Visiernadel beim angewandten Pendelquadranten 
zugeben müssen, daß beim Vergleich der zu verschiedenen Zeiten ausgeführten 
Messungen des nämlichen Beobachters bzw. beim Vergleich der Beobachtungen 
verschiedener Beobachter leichter Fehler vorkommen, wenn man die Abstandswerte, 
als wenn man die Amplituden miteinander vergleicht. Es muß aber davor gewarnt 
werden, auf Anraten von Dorno?) zwecks Zeitersparung den Ausgangspunkt für die 
Amplitudenbestimmung auf eine wesentlich kleinere Sonnenhöhe — Dorno schlägt 
etwa +1.,5° vor — zu verlegen. Er beruft sich dabei darauf, daß nach seinem 
Befund die Amplituden bei verschiedenem Ausgangspunkt (Sonnenhöhe) stets an- 
nähernd proportional gehen beim Wechsel der Jahreszeiten und des Reinheitsgrades, 
Einmal erscheint mir dies nicht genügend allgemein gesichert und zum andern 
— und das scheint mir das Wichtigste zu sein — ist zu bedenken, daß — wie wir 
gleich sehen werden — die mittleren Schwankungen der Abstandswerte in zu 
großer Nähe der Sonnenhöhe von 0° gar zu klein werden, Wie gesagt, dürfte 
aber im allgemeinen ein zwischen +5.5° und 43.5° liegender Ausgangspunkt 
völlig genügen. Will man allerdings auch das sekundäre Arago-Maximum er- 
fassen, so muß man, wie wir hernach sehen werden, die Messungen jedenfalls 
bei Beobachtungen auf dem Lande auf erheblich größere positive Sonnenhöhen 
verlegen, An der vorhin genannten Stelle äußert sich Dorno weiter dahin, daß 
vermutlich der Gang der Babinet- Amplitude noch deutlicher sprechen würde, 
wenn er festgestellt worden wäre. Ich könnte dem höchstens dann zustimmen, 
wenn diese Amplitude durchweg größer wäre als die Arago-Amplitude, Für 
starke atmosphärische Trübungen tellurischen Ursprungs ist das offenbar, solange 
man im Bezirk positiver Sonnenhöhen ist bzw. diese nur eben überschritten hat, 
meist der Fall. Daß aber ein solcher eindeutiger Unterschied in normalen Zeiten 
vorhanden ist, scheint jedenfalls aus den bisherigen Untersuchungen nicht hervor- 
zugehen. Zur Erläuterung seien die für die Differenz der Sonnenhöhen zwischen 
-+5.5° und —0.5° Sonnenhöhe für Hamburg für den Arago- und den Babinet- 
Punkt geltenden Werte!) der Reihe nach für die Jahre 1909, 1910 und 1911 genannt ?®), 
und zwar für ersteren 2.6°, 2.8° und 2.4°, für den Ba-Punkt 2.4°, 2.8° und 1.8°. Die 
für den Jahresdurchschnitt der Jahre 1889, 1905, 1909, 1910, 1911, 1915 und 1918 
für Arnsberg zwischen den Sonnenhöhen +-4,5° und —0.5° Sonnenhöhe geltenden 
A-Amplituden?) belaufen sich auf 1,8°; 1,8°; 1.9°; 2.3°; 1.4°; 1.6° und 1,6°; 
die entsprechenden Werte für den B-Punkt sind 1,5°; 33°; 22°; 2.1°; 2.1°; 
2.2° und 0.9°, Die erstgenannten Jahre und das Jahr 1918 können als normale 
Jahre gelten; das Jahr 1915 war sogar — abgesehen von vereinzelten mit der 
bereits verstärkten Sonnentätigkeit zusammenhängenden kleineren Störungen — 
wohl mindestens so rein wie das Jahr 1911. Von einem eindeutigen Übergewicht 
der Ba- gegenüber der Ar-Amplitude kann also jedenfalls hiernach nicht die 
Rede sein, Will man aber die Punktabstände zur Beurteilung des atmosphärisch- 
optischen Reinheitsgrades benutzen, so muß man bedenken, daß die Empfindlich- 
keit der Abstände bei verschiedenen Sonnenhöhen verschieden ist. So konnte 
ich bereits im Jahre 1925 darauf hinweisen, daß Busch für seine Untersuchungen 
über die Beziehungen der Abstände des Aragoschen und Babinetschen Punktes 
zur Sonnenfleckenperiode offenbar besser eine größere positive Sonnenhöhe ge- 
nommen hätte als die in unmittelbarer Nähe von 0° liegende. Ich hatte die 
aus der mittleren Schwankungsgröße zu ersehende Beweglichkeit für beide 
Punkte für verschiedene Orte zwischen —0.5° und +5.5° Sonnenhöhe unter- 
sucht und dabei gefunden, daß die Schwankungsgröße mit abnehmender Sonnen- 
höhe sinkt. Hernach ging ich dazu über, diese Verhältnisse bis zu -—5.5° Sonnen- 
höhe zu prüfen. Tabelle 2 zeigt die ersten Ergebnisse, 
‘) Chr. Jensen, }. cit. 1916, 28 u, 20, — % Errechnet aus Chr. Jensen, Die Verfolgung der 
neutralen Punkte der atmosphärischen Polarisation in Arnsberg i, W. während eines Zeitraums von 
19 Jahren. Met, Z. 1937, 90—97 (8, S. 911).
	        
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