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Full text: 71, 1943

Jensen, Chr.;: Neutrale Punkte der atmosphärischen Polarisation in Windhuk. 41 
das auf genauere Auswertung wartet, Übrigens konnte Verfasser zeigen!), daß 
man möglicherweise mit der Ausplanimetrierung kleinerer Teilbezirke der 
Lemniskate auskommt. Schließlich sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß man 
wohl von vornherein hätte vermuten können, daß die zu beiden Seiten der Sonne 
bzw. der Gegensonne liegenden Kurvenäste einander entsprechen, d.h. daß sie 
gleichzeitig eine Vergrößerung oder aber eine Verkleinerung aufweisen, Es zeigte 
sich jedoch sowohl für Davos wie für Bremen, daß dies nicht der Fall ist, indem 
sich vielmehr die in gegenüberliegenden Quadranten liegenden. Kurvenäste in 
dieser Hinsicht entsprechen. 
Wir kommen nun zu den neutralen Punkten, die wir uns etwas gründ- 
licher ansehen müssen. Es gibt hier eine ganze Reihe von Kriterien, die sich 
mehr oder weniger zur Beurteilung des atmosphärischen Reinheitsgrades ver- 
wenden lassen. Man kann wohl sagen, daß sie im Prinzip ebensosehr in 
Frage kommen in normalen Zeiten, wo die Veränderungen des Reinheitsgrades 
durch lokale bzw. meteorologische Geschehnisse — s. auch den jahreszeit- 
lichen Einfluß — bedingt sind, wie in Zeiten besonderer Trübung, wobei ich 
jedenfalls vor allem an die Auswirkungen starker Vulkanausbrüche denke. Auf 
einige dieser Kriterien wurde man zunächst geradezu gestoßen durch die Folge- 
erscheinungen der Ausbrüche der Westindischen Vulkane in den Jahren 1902 
und 1903%. Im Herbst 1902 trat in Arnsberg gleichzeitig mit der Steigerung 
des Glanzes der Dämmerungsfarben eine Störung der atmosphärischen Polarisation 
{gemeint sind die neutralen Punkte) ein, Busch machte darauf aufmerksam, daß 
etwa ab 10. Dezember 1902 beide neutrale Punkte (Arago und Babinet) bei der 
Horizontstellung der Sonne auf eine Höhe getrieben wurde, die er in der langen 
Zeit der Beobachtung von 1886 bis 1902 niemals wahrgenommen habe. Er be- 
merkt dabei, daß er nur Beobachtungen bei absolut wolkenlosem Himmel im 
Auge habe. Die Messungen Sacks begannen Ende September 1903. Vor allem 
wichtig ist der von Busch i J. 1905 gegebene Bericht. Nach diesem waren 
sowohl nach ihm wie nach Sack zunächst die positiven Sonnenhöhen größer als 
in normalen Jahren, Das war besonders auffällig beim Babinet-Punkt, wo die 
Abstände bei einer Sonnenhöhe von + 3.5° um 26.5° höher waren als im Jahre 
1889. Die Differenz erwies -sich für den Arago-Abstand erheblich geringer; sie 
belief sich auf etwa 10°%. Bei beiden Punktabständen trat aber insofern eine 
Umkehr ein, als sie bei negativen Sonnenhöhen sogar kleiner waren als in 
weniger getrübten Jahren, Diese Verringerung trat beim Babinet-Punkt ab 
— 2.5°, beim Arago-Punkt bereits ab — 0,5° bzw. — 1.5° Sonnenhöhe ein. Busch 
deutete das Ergebnis dahin, daß im Jahre der stärksten Störung die negative 
Polarisation vor Sonnenuntergang — er beobachtete nur abends, wohingegen 
Sack auch Morgenbeobachtungen durchführte — stark zugenommen hatte, daß 
aber kurz nach Sonnenuntergang ein Zeitpunkt eintrat, von welchem ab sie 
geringer war als in den übrigen Jahren. Er deutete die ganzen Ergebnisse 
dahin, daß im Jahre der stärksten Störung die negative Polarisation vor Sonnen- 
untergang zugenommen hatte, daß sie aber kurz nach demselben sogar geringer 
war. Diesen Satz kann man wohl auch nach dem heutigen Stand unseres Wissens 
als Beschreibung durchaus gelten lassen, er stellt aber ebensowenig eine rest- 
lose Erklärung dar wie die Erkenntnis, daß es sich wesentlich um eine Änderung 
im Verhältnis der Stärke der primären Diffusion zu der des sekundär diffun- 
dierten Lichtes handelt. Mit ganz ähnlichen Verhältnissen hatte man es offen- 
bar zur Zeit der schwersten Katmaistörung im Jahre 1912 zu tun. Als besonders 
charakteristische Erscheinung dieser Trübung kommt meines Erachtens die ganz 
besonders tiefe Lage der Arago-Kurve bei negativen Sonnenhöhen in Frage’. 
‘Chr. Jensen, Ann, Hydr. usw, vom Juli 1933. — 2%) Fr. Busch, Beobachtungen über die 
gegenwärtig vorliegende Störung der atmosphärischen Polarisation, Met. Z. 1903, 317—319, G. Sack, 
Beobachtungen über die Polarisation des Himmelslichtes zur Zeit der Dämmerung, Met, Z. 1904, 
105—112. Fr. Busch, Beobachtungen über die Wanderung der neutralen Punkte von Babinet und 
Arago während der atmosphärisch-optischen Störung der Jahre 1903 und 1904, Met, Z, 1905, 
248—254. — % Chr. Jensen, Die neutralen Punkte von Arago und Babinet in Hamburg und an 
einigen anderen Orten, Jahrb. d. Hamb. Wiss, Anst. XXX (3. Beih. aus dem Physik. Staatslabora- 
torium), Hamburg 1916, S, 40 und 78.
	        
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