accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 71, 1943

Jensen, Chr.: Neutrale Punkte der atmosphärischen Polarisation in Windhuk. 87 
daß es sich um die Auswirkung eines Vulkanausbruchs gehandelt habe, hat sich 
als irrig erwiesen. Der Staub bestand zum großen Teil — es wurden 764% 
angegeben — aus feinkörnigem Quarzsand. Über die Herkunft desselben gehen 
die Ansichten allerdings auseinander!), .Die Durchmesser der angegebenen Korn- 
größen liegen zwischen 0.005 und 0.015 mm. Wie lange sich bei besonderen. Er- 
eignissen folgende Fremdteilchen in der Luft halten können, hängt natürlich 
wesentlich von der Größe und Dichte derselben ab. Die Fallzeiten berechnet man 
nach dem Stokes-Cunninghamschen Gesetz, Die nach dem Krakatau-Ausbruch 
i, J. 1912 für die atmosphärische Trübung in Frage kommende Partikelgröße be- 
rechnete u. a, Pernter — Kugelgestalt vorausgesetzt -— aus den Dimensionen 
des Bishopschen Ringes im Mittel zu 18.57* cm. Für den mittleren Durchmesser 
eines Kondensationskerns nimmt man im Durchschnitt etwa 1.07% cm an, für die 
Wasserdampfmolekel 2.7 - 1078, für die Wolkenelemente 1, 1.07% bis 5. 107% em, für 
Regentropfen 0.2 bis 7-10-%cm an. Galle gelang es einmal, die Dicke eines 
Eisplättchens zu 0.1 mm zu bestimmen, Als geringste Dicke der unterm Mikroskop 
gemessenen und photographierten Eiskristalle fand H. Köhler 0.026 mm; in 
andern Fällen fand er für den Durchmesser annähernd 0.05 mm®*). Man sieht, 
wie verschieden die Größe des atmosphärischen Aerosols sein kann. — Wie ge- 
waltig die Zahl der Suspensionen durch große Vulkanausbrüche gesteigert werden 
kann, ersieht man beispielsweise, wenn man erfährt, daß nach Penck die Menge 
der Auswurfstoffe beim Krakatauausbruch auf 18 cebkm und die des Tumbara 
i. J. 1815 sogar auf 103 cbkm geschätzt wurde, 
Was die Kerne betrifft, so hatten wir bisher jedenfalls wesentlich nur die für 
wässerige Kondensation dienenden ins Auge gefaßt. Schon i..J. 1911 wies nun 
A. Wegener*) darauf hin, daß man ebenso wie für die Tropfenbildung auch solche 
für die Entstehung der Eiskondensation annehmen müsse, Das sei, meinte er, um 
so nötiger, wenn man bedenke, daß sich in Kristallen die Molekeln in einem Zustand 
erheblich komplizierter Ordnung befänden wie im Wassertröpfchen. Er ging dabei 
von wahrscheinlichkeitstheoretischen Gesichtspunkten aus, indem er zeigte, daß 
bei der erheblich komplizierteren Anordnung der Molekeln im Kristall gegen- 
über dem Wassertröpfchen die Chance für die Kristallbildung so gering sei, daß 
in erhöhtem Maße Hilfskräfte benötigt würden, In erster Linie erblickte er in 
der Oberflächenbeschaffenheit der etwa in Frage kommenden Substanz den Aus- 
schlag gebenden Faktor für die Kristallbildung. So gelangte er zur Ansicht, daß 
vor allem Quarz, welches ebenso wie Eis im hexagonalen System kristallisiert, 
wirksame Kerne für die feste Kondensation (Sublimation) bilden wird. Auf diesen 
Gedankengängen fußend, hat neuerdings Findeisen‘} bei seinen bemerkenswerten 
Untersuchungen über die kolloidchemischen Vorgänge®) bei der Niederschlags- 
bildung weiter aufgebaut. — Die große Mannigfaltigkeit hinsichtlich der in der 
Atmosphäre schwebenden Fremdpartikel wird noch erhöht durch Teilchen, die 
aus dem Kosmos stammen. An der von Linke®) gezogenen Schlußfolgerung, daß 
i.J, 1910 in größeren Höhen, und zwar bis hinunter zur isothermen Schicht in 
rund 11 km Höhe Kometenmaterial eingedrungen ist, das allmählich zur Erde 
fiel, dürfte kaum zu zweifeln sein. 
Wir wollen jetzt dazu übergehen, eine Übersicht über die verschiedenen 
Methoden zu geben, die mehr oder weniger zur Beurteilung des atmosphärisch- 
optischen Reinheitsgrades dienen können. Am nächsten liegt wohl der Gedanke, 
aus der horizontalen Sichtweite bei Tag und der Tragweite bei Nacht®) bzw, der 
Schrägsicht?) [Vertikalsicht®)] Schlüsse auf den Grad der Luftsichtigkeit zu ziehen. 
*) 8. A, Stenz, Der große Staubfall vom 28, bis 29. April 1925 in Südosteuropa, Zschr, f, 
Geophysik VI, 1930, 443—458; siehe auch M. Rodewald, Ann, d. Hydr. vn. Mar. Met. 55, H, 1, 1930, 
— 2% 8. R. Meyer, Die Haloerseheinungen, Probl. d. Kosm. Phys., Bd, XII, 49—50, 1929, — 
*) A. Wegener, Thermodynamik der Atmosphäre, Leipzig, bei J. A. Barth 1911, 91—98, (Eine spätere 
Auflage ist meines Wissens unverändert.) — *) W. Findeisen, Die kolloidmetecrologischen Vorgänge 
bei der Niederschlagsbildung, Met. Zschr, 1938, 121—133. — %, Fr. Linke, Jahrb. d. Phys. Ver, zu 
Frankfurt a, M. 1909/1910, 10—35; siehe dazu auch Chr. Jensen, Gerl. Beitr. z, Geophys, 35, 
337—373, 1939 (siehe vor allem ab 3661), —*) L. Foitzig, Met. Zschr 1932, 134-139. — 7) Fr. Bielich: 
Veröff. geophys. Inst, Leipzig 8, H. 2, 1933. — *%) A. Wigand und K, Genthe, Phys, Zschr. 253, 
212—223. 1924. 
Ann. d. Hydr. ausw. 1943. Heft IL.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.