132 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1943,
Himmelsbläue bei weitem nicht so groß ist wie bei H. Landsberg und
H. Israel-Köhler (siehe Tab, 29).
Es muß zu. dieser Tabelle bemerkt werden, daß nur solche U.V.E.-Werte
genommen wurden, bei denen die Dosimeter-Temperaturen nicht die Grenzen 10°
Tabelle 29 und 20° überschritten, Ferner wurden nur Messungen
Himmelsblau und U.V.E.- 4m wahren Mittag benutzt. — Der geringe Umfang
Strahlung. dieser Änderungen erscheint immerhin ziemlich bedenk-
u - A ]ich, zumal er sehr nahe der Fehlergrenze des Dosi-
Blaugrad | UV. E, in meters gelegen ist. H. Israel-Köhler hält diese
Beziehung überhaupt für fraglich; sie könnte sehr
wohl durch die starke Temperaturabhängigkeit der
Testflüssigkeit vorgetäuscht sein. Grundsätzlich sollte
nach Israel-Köhler erwartet werden, daß die Inten-
sität der U. V.E.-Strahlung von Sonne + Himmel
[+ Boden] mit abnehmender Trübung unverändert
bleibt oder nach irgendeiner Funktion langsam ansteigt, wobei dem Verfasser
das erstere als wahrscheinlicher erscheint,
X. Allgemeines,
Zum Abschluß sei noch auf folgendes hingewiesen:
1. Es ist in jedem Beobachtungsbericht die genaue Bezeichnung der Teilung
und des Anschaffungs- [bzw. Herstellungs-] Jahres der jeweils benutzten Himmels-
blauskala erforderlich. Es muß daran gedacht werden, daß F, Linke (1) in seiner
ersten Skala die acht vorhandenen Farbstufen mit 3 [Weiß] bis 10 [Ultramarin]}
bezeichnet hat, F. Loewe (2) setzte Weiß = 0 ein. Später wurden die Stufen
nur mit geraden arabischen Ziffern von 0 bzw. 2 bis 14 benannt. Zwischen der
alten a und der neuen Linkeschen Benennung n besteht die Beziehung:
a = 2a-—06 (6). Die neuere Form der Blauskala, wie sie heute geliefert wird,
enthält die Stufen 2 bis 16 [Weiß = 0], Es kann durch Nichtbeachtung dieses
Umstandes bei der Bearbeitung von Beobachtungen sehr leicht zu Unklarheiten
und Mißverständnissen kommen.
[Der Unterschied zwischen den drei Typen der Blauskala ist nach den
Untersuchungen von W. Kramer (st) zum Teil recht groß; er weist
darauf hin, daß die Angabe von Helligkeiten in Prozenten von Normal-
barytweiß für die Auswertung von Meßresultaten als Eichung gelten
kann und daß es möglich ist, dadurch Resultate von verschiedenen Skalen
aufeinander abzustimmen. Nach Kramers Photometrierungen beträgt
der Helligkeitsumfang von Typ I [1926] 1:1.7, der von II [14stufig] 1 :1,5
und der von IIE [16stufig] 1:3.5. Auch die mittlere Stufendifferenz in
Prozenten der vorhergehenden Stufe ist recht unterschiedlich: bei
I = 159%, bei II = 6,9% und bei II = 8.44%.)
Die Forderung nach einer genauen Bezeichnung der benutzten Blauskala
ist daher verständlich.
2, Weiterhin herrscht über die Benennung extrem großer Himmelsbläue
teilweise keine Übereinstimmung. Einmal wird. mit „tiefer Bläue“ eine besonders
reine Atmosphäre, also extrem großer Blaugehalt bezeichnet — entsprechend
dem normalen Sprachgebrauch. In diesem Sinne wird auch der Begriff „tiefblau“
in der Literatur zumeist gebraucht. Andererseits kommt aber auch mehrfach
vor, daß mit „tief“ in unserem Falle sehr geringe Blaugrade bezeichnet werden
sollen, B. Hrudika (ss) spricht z. B. einmal davon, daß der Himmel am Yor-
mittage tiefer blau ist als am Nachmittag [nach dem Sinn und den Zahlen-
beispielen soll mit „tief“ ein besonders hoher Blaugrad bezeichnet werden]; da-
gegen schreibt er aber auch, daß Einbrüche maritimer Luftmassen im Sommer
einen tieferen Blaugrad bringen, im Winter einen größeren [„tief“ hier im anderen
Sinn]. Durch eine solche doppelte Verwendung des Wortes „tief“ können sehr
wohl Unstimmigkeiten entstehen. Es wäre daher vielleicht das Beste, das Wort
„tiefblau“ nur zur Bezeichnung extrem großer Blaugrade zu verwenden oder es
ganz zu vermeiden durch Verwendung anderer, vielleicht noch eindeutigerer
Begrilfe wie „großer Blaugrad“ usw.