Spangenberg, W. W.: Über einige Ergebnisse von Schätzungen der Himmelsfarbe usw. 4927
Nach den Aufzeichnungen des Verfassers läßt sich vielleicht eine ähnliche
Beziehung erkennen, dergestalt, daß die Blaugrade einige Zeit nach Nieder-
schlägen vielleicht etwas größer sein können als sonst, Allerdings ist der Unter-
schied nur sehr gering im Vergleich zu den Beobachtungen von J, F. Hand,
Hieraus ergibt sich [wenn man überhaupt von einem Unterschied reden
kann!], daß die Bläue an den Tagen mit Niederschlag geringer ist als ein oder
zwei Tage danach. Das würde ja auch mit dem Ergebnis zusammenpassen, daß
die Bläue an Tagen mit stärkerer Bewölkung [und das ist an Tagen mit Nieder-
schlag häufig der Fall] eher etwas geringer ist als bei kleiner Bewölkung,
Im übrigen erscheint diese Beziehung ziemlich fraglich, da nach vorliegenden
Beobachtungen die Unterschiede der Fehlergrenze zu nahe liegen. Zudem ist
auch von keinem weiteren Beobachter als J. F, Hand auf einen derartigen Zu-
sammenhang hingewiesen worden.
VYIIL Periodische oder quasiperiodische Änderungen der Bläue.
1. Der Jahresgang.
Infolge des ziemlich engen Zusammenhanges zwischen Himmelsblau und
atmosphärischem Reinheitsgrad mag einmal der Gedanke naheliegen, zu unter-
suchen, wie weit sich die wohlbekannte jährliche [und tägliche] Änderung des
Reinheitsgrades auch im Blau des heiteren Himmels nachweisen läßt. Da die
atmosphärische Trübung durch den vermehrten Staub- und Wasserdampfgehalt
in der warmen Jahreszeit wesentlich größer ist als in der kalten, .müßte man
auch erwarten, daß die Himmelsbläue im Sommer spürbar geringer ist als im
Winter. Daß dies auch tatsächlich in sehr vielen Fällen erfüllt ist, haben ver-
schiedene Beobachter deutlich gezeigt. Schon Crova (47) ermittelte 1889 in
Montpellier eine Jahresperiode der Himmelsbläue mit einem ausgesprochenen
Minimum im Sommer,
Bei den Beobachtungen mit der Linkeschen Himmelsblauskala ergaben sich
jedoch teilweise erheblich widersprechende Befunde, wobei aber auch zum großen
Teil die stark veränderliche und oft nicht ganz ausreichende Skalenbeleuchtung
mitspielt, [Über die unzulängliche Skalenbeleuchtung bei teilweise verdeckter
Sonne wurde bereits berichtet!]
Eine schöne Zusammenstellung von Beobachtungen an 15 verschiedenen
Orten in Österreich gibt B. Hrudicka (se), Er stellte dabei fest, daß hier das
sommerliche Minimum der Bläue nur in größeren Höhenlagen zu finden wäre,
während die niederen Höhen die größte Bläue durchweg im Sommer zeigten,
Letzteres würde also einem Jahresgang entsprechen, der dem der atmosphäri-
schen Trübung gerade entgegengesetzt und dem Gang der Sonnenhöhen parallel
wäre; und das gibt zu denken, Zu einem gleichen Ergebnis gelangt auch
H. Grimm (ss). Anders scheint die Sache aber bei den Beobachtungen von
H,. Loßnitzer (9) zu liegen, wo die Winterwerte deutlich über denen des Früh-
jahres liegen [Januar } Mai}, Auch aus den Schätzungen Tabelle 23
von H, Voigts (19) resultiert ein deutlicher Jahresgang *
mit sommerlichen Tiefstwerten, was auch der Verfasser Jah Sehne 11057 010 1042)
aus den Beobachtungen in Schwerin feststellte (ss),
I. Weiß (ss) erhielt in Bad Warmbrunn das Jahres-
maximum im April und das Minimum im September,
Wesentlich unklarer liegen die Dinge nach J. S, Farqu-
harson (27) für die englischen Orte Croydon und
Cranvell mit sehr tiefen Winterwerten, während in
Cattewater das Maximum im Frühjahr auftritt, obwohl
der Jahrestiefstwert in den Winter fällt, G. Schindler
erhielt sogar zwei Minima, im Sommer und im
Winter (28), ;
Eine Auszählung des gesamten Schweriner Beob-
achtungsmateriales der Jahre 1937 bis 1942 einschließ-
lich ergibt einen deutlichen Jahresgang mit einem
sommerlichen Minimum, wie aus Tab. 23 hervorgeht
an