Ann. d. Hydr. usw., LXXI. Jahrg. (1943), Heft 11.
de
Neutrale Punkte der atmosphärischen Polarisation in Windhuk.
Von + Chr, Jensen (Hamburg).
(Hierzu Tafeln 4 bis 6 mit Tabellen 19 bis 22.)
Auf meine Anregung hin beobachtete Professor Hoffmeister von der Sonne-
berger Sternwarte zwischen dem Mai 1937 und dem Februar 1938 in Windhuk
auf der astronomischen Station (4 == 17° 38' öst]l. Greenwich und = 22° 35’;
Meereshöhe = 1683 m) die neutralen Punkte. Es handelt sich wesentlich um die
Bestimmung der Höhe des Aragoschen und des Babinetschen Punktes (A-—P
und Ba—P); es konnten aber auch einige Bestimmungen der Höhe des Brewster-
schen Punktes (Br—P) durchgeführt werden, Im allgemeinen ist der A-Punkt
am leichtesten und der Br-Punkt am schwersten zu beobachten, Es gibt aber
auch bemerkenswerte Ausnahmen, wobei vor allem auf die Messungen von
F. Schwab in Ilmenau’) und von Chase in Philadelphia hingewiesen sei?).” Abb. 1
zeigt nach Messungen in Ilmenau für eine
Sonnenhöhe von etwa 20° den Ba- und Br-
Punkt in Abständen von der Sonne bzw.
von der Gegensonne von etwa 12, 14 und
24°. — Der späteren Bitte von Prof, Hoff-
meister, das Beobachtungsmaterial ver-
arbeiten zu wollen, bin ich gern nmach-
gekommen; verlockend war mir vor allem
auch der Gedanke, daß nach allem, was
ich erfahren hatte, der atmosphärische
Reinheitsgrad von Windhuk besonders groß
ist. Es liegen hierüber verschiedene Ver-
öffentlichungen vor; bekannt geworden
sind mir die Arbeiten von Hoffmeister,
Sandig, Schönberg und Skoberla®).
Für die überraschende Durchsichtigkeit
der Luft in Südafrika zeugt nach Sko-
berla u.a, daß bei 10 Tage altem Mond
die Milchstraße und das Zodiakallicht 80-
wie das Erdlicht am Mond bei seinem
Aufgang gut zu sehen sind. Das Erdlicht
konnte sogar bei hochstehendem Mond bis
zu einem Mondalter von 81, Tagen erkannt werden, Ausnahmen bilden nur die
durch Staubwolken getrübten Tage, die aber, wie bereits Schönberg bemerkt
hatte, selten sind. Von Sandig wurden im Jahre 1935 14, im Jahre 1936
11 solche Tage registriert. Es soll aber die Sichtigkeit nach einem solchen
Tage bald wiederkehren. Skoberla macht noch besonders auf die durch
die äußerst langsamen und stetigen Änderungen des Luftdrucks und der Tempe-
ratur bedingte Stetigkeit des Klimas aufmerksam, Sandig weist darauf hin, daß
erfahrungsmäßig die Staubentwicklung mit fortschreitender Dauer der trockenen
und kühlen Jahreszeit (Mai bis Oktober) zunimmt und daß sich demgemäß der
Durechsichtigkeitsgrad der Atmosphäre verkleinert. Dem entsprechend zeigen
auch die Extinktionskoeffizienten einen deutlichen Gang. Sowohl Schönberg
u Siehe hierzu Chr. Jensen, Atmosphärisch-optische Messungen in Ilmenau, Gerl, Beitr, z.
Geophys, 35, 166—188, 1935, — %) Siehe Chase, Phil, Mag., 4. Ser., Bd. 33, und dazu Fr. Busch
und Chr. Jensen, Tatsachen und Theorien d, atmosphär. Polarisation usw. Aus dem Jahrb. d, Ham-
burg. Wiss. Anst. XXVILIL 1910, Hamburg 1911, S. 197/198. Diese Arb,.wird Interessenten gegen
Erstattung der Versandkosten von der Direktion des Hamb, Physikal Universitätsinstituts abgesxeben. —
2 C. Hoffmeister, Beobachtungen der Leuchtstreifen in Südwestafrika, Kl. Veröff. d, Universitäte-
sternwarte zu Berlin Babelsberg Nr. 23, Berlin 1940, — H. U. Sandig, Über Extinkrion und Himmels-
helligkeit in Windhuk, Südwestafrika, Abdr. aus d. Astron, Nachr. Nr. 6308, Bd. 263, Sept, 1987, 78
(siehe auch Veröff, d, Sternw, Breslau Nr. 9%. — E, Schönberg, Astronomische Arbeiten in Süd-
westafrika, Abdr. aus den Astron, Nachr. Nr. 6157, Bd. 257, v. Nov. 1935, 3, 5. (siehe auch Veröff,
d. Sternw. Breslau Nr. 8), — P., Skoberla; Über die astron, Beobachtungsbeding ungen in Windhuk
i.d. J. 1935—1938, Abdr. a. d. Astr, Nachr, Nr, 6295, Bd, 263, v. Juli 1937 (siehe auch Veröff, d. Sternw.
in Breslau).
Ann. d. HrJr. usw. 1943. Heft IL