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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1943,
Gang der Abweichungen, daß der theoretische Ansatz für die Mündungskorrektion hier
nicht vollständig der physikalischen Wirklichkeit entsprechen kann. Bei größeren Becken-
Jängen 1, liegen die beobachteten Werte zwischen den mit der Mündungskorrektion ver-
besserten und den unkorrigierten Eigenperioden, wie sie auf Grund der einfachen Definition
der Leitfähigkeit a =". berechnet worden sind.
Die Abhängigkeit der Eigenperioden von der Größe der Durchflußöffnung ist für ver-
schiedene Parameter ]; in Abb. 8 dargestellt. Als Abszissenwerte sind die Tiefen h der
Durchflußöffnung aufgetragen. Der Rechnung liegen die Beckenverhältnisse der Versuchs-
reihe a) zugrunde, Die beobachteten Werte gruppieren sich gut um die theoretisch berech-
neten Kurven für 1, == 5, 10, 20, 30 und 40 cm Länge,
Bei kleinen Beckenlängen (kl; = 5 bis 10 em) ist die Eigenperiode des Schwingungs-
systems nahezu unabhängig von der Größe der Durchflußöffnung. Dies zeigen in guter
Übereinstimmung sowohl die beobachteten als auch die berechneten Werte, Theoretisch ist
hierfür das Glied cotg zz - in der Formel (6) verantwortlich, da für T/T-—+1 cotg z T/T
gegen co geht, während die rechte Seite der Gleichung (6) in dem in Betracht kommenden
Funktionsbereich in großer Annäherung eine schwach geneigte Geradenschar darstellt.
(Über den Verlauf der Funktionen
y= cotgxT/T und 1-5) Ss. Abb. 9)
ea T T3 " TA
4. Anwendung der Theorie auf die Ostsee,
Das Schwingungssystem Ostsee—Darßer Schwelle— Mecklenburger und Kieler Bucht
stellt eine natürliche Beckenkombination der in den vorangegangenen Abschnitten behan-
delten Art dar. Die Wasserstandsregistrierungen in der westlichen Ostsee zeigen, daß ein
freies Durchschwingen der stehenden Welle aus der Ostsee nur bis zur Darßer Schwelle
möglich ist. Bei der Grundschwingung nehmen die Hubhöhen von der Knotenlinie, die auf
der Linie Libau—Landsort liegt, nach Westen bis etwa Gjedser zu. Westlich der Darßer
Schwelle sind die Hubhöhen kleiner oder höchstens ebenso groß wie bei Gjedser und
bleiben in der Mecklenburger und Kieler Bucht konstant. Die Darßer Schwelle stellt also
eine erste starke Abriegelung des Ostseebeckens nach Westen dar. An dieser schmalen und
flachen Stelle des Ostseebeckens bildet sich zunächst ein Schwingungsknoten der stehenden
Welle und die Wasserstandsschwankungen in der Mecklenburger und Kieler Bucht kommen
nur durch einfaches Voll- und Leerlaufen dieser Becken im Rhythmus der Eigenschwin-
gungen der Ostsee zustande (1).
Wie groß der Einfluß der Darßer Schwelle auf die gesamte Ozeanographie der Ostsee
ist, ist allgemein bekannt. Es sei hier nur daran erinnert, daß sich beim Überschreiten der
Darßer Schwelle auch der Gezeitencharakter dieses Nebenmeeres völlig verändert, Wäh-
rend im Großen Belt typische Halbtagstiden herrschen und in der Mecklenburger Bucht
der Anteil an Halbtagstiden noch sehr groß ist, ist Östlich der Darßer Schwelle der Ein-
tagstypus der Gezeiten vertreten. Die eintägigen Gezeiten der Ostsee sind als eine Resonanz-
erscheinung des abgestimmten Wasserbeckens zu deuten.
In einer früheren Untersuchung (1) wurde der Einfluß der Beltsee auf die Eigenperiode
der Ostsee abzuschätzen versucht. Es wurde dabei am unvollständig geschlossenen Ende
als Grenzbedingung bei der Rechnung nach der Restmethode von Defant der Durchfluß
einer Wassermenge eingeführt, die sich aus dem Ansteigen des Wasserspiegels westlich der
Darßer Schwelle ergab. Die Überlegungen führten zu dem Ergebnis
T = 27.5 Stunden,
Die Darßer Schwelle wird durch die Querschnitte 3 und 4 (s. „Aus dem Archiv der
Deutschen Seewarte‘“ usw., Bd. 61, Nr. 4, Seite 31), die etwa bei Darß und Warnemünde
liegen, nach Osten und Westen begrenzt. Unter Benutzung der Werte der früher vorge-
nommenen Ausmessung (1) des Ostseebeckens einschließlich der Buchten westlich der
Darßer Schwelle erhalten wir folgende Zahlen:
1. Ostsee. h; = 60.7 m, b, = 206.8 10° m,
S,=12.56 10° m’.
Die Grundperiode der Ostsee bei vollständig gedachtem Abschluß an der Darßer Schwelle
(Querschnitt 4) wurde unter Berücksichtigung der wechselnden Breiten- und Tiefenverhält-
nisse nach der Defantschen Restmethode berechnet: T = 26.9 Stunden.