Becker, R.: Die Verteilung der Luftdichte auf dem Nordatlantischen Ozean. 393
über der Meeresoberfläche überall ungefähr 85% betrage und danach die virtuelle
Temperaturdifferenz ermittelt.
Die beiden Karten zeigen die so erhaltenen Linien gleicher mittlerer Luft-
dichte in Meeresnähe von 0.02 zu 0.02 kg/cbm für die Monate Januar und Juli.
Der Verlauf dieser Isopyknen entspricht weitgehend der Verteilung der mittleren
Lufttemperatur, Der Januar zeigt als auffälligste Erscheinung eine schnelle Zu-
nahme der Luftdichte im Nordwesten des Nordatlantischen Ozeans nach Nord-
westen hin, in Übereinstimmung mit dem starken winterlichen Temperaturgefälle
vom Atlantischen Ozean nach dem Nordosten des nordamerikanischen Kontinents.
Auf der Julikarte erkennt man in einer Zone nördlich des Äquators, über den
Westindischen Inseln, dem Karibischen Meer und dem Golf von Mexiko ein
Gebiet besonders geringer Luftdichte. Dies entspricht dem Isothermenverlauf
und der sommerlichen Lage des thermischen Äquators,
Der entscheidende Einfluß der Lufttemperatur auf-die Luftdichte wird durch
eine kurze Überschlagsrechnung leicht verständlich. Der Temperaturunterschied
zwischen Äquator und Neufundland beträgt im Winter rund 30°, im Sommer 15°,
Er geht also in den Nenner des Ausdruckes für die Dichte mit etwa 10% bis
5% dieses Nenners ein. Der Unterschied des mittleren Luftdruckes etwa zwischen
Azorenhoch und äquatorialer Tiefdruckmulde oder dem Gebiet nördlich Neu-
fundland hat die Größenordnung von 10 mb, also nur ungefähr 1% des Zählers
der Dichteformel,
Will man sich ein anschauliches Bild der in den Karten zutage tretenden
Dichteunterschiede machen, so zieht man zum Vergleich am zweckmäßigsten die
Dichteabnahme mit der Höhe heran, In einer isothermen Atmosphäre von 0°
und einem Druck von 1000 mb am Boden ist der Unterschied der Luftdichte
zwischen Boden und 800 bis 900 m Höhe ungefähr ebenso groß, wie der durch-
schnittliche Unterschied der Luftdichte in Meeresnähe im Januar etwa zwischen
den Räumen südlich Neufundland und der äquatorialen Tiefdruckmulde.
Schwach- und extremtemperierte Sommer und Winter in Dresden
(1828 bis 1942).
Von Otto Meißner, Potsdam,
1. Das Material ist entnommen der Monographie von Herrn Nägler)).
Die Methode der Bearbeitung ist im wesentlichen die gleiche wie bei meinen
früheren Arbeiten über dasselbe Thema an anderen Stationen?)
. 2, Sommer, Als geringtemperierte Sommer wurden diejenigen ausgewählt,
bei denen der Temperaturunterschied zwischen dem wärmsten und kühlsten
Sommermonat höchstens einen Grad betrug; es ergaben sich zwölf derartig
„schwachtemperierte Sommer“, nämlich die der Jahre 1849, 1855, 1856, 1860,
1861, 1864, 1877, 1878, 1888, 1913, 1922, 1937, Die mittlere Epoche ist 1872 + 30,
während die der ganzen Reihe 1885 ist, Sie sind also, was man ja auch direkt
sieht, in den letzten Jahrzehnten seltener geworden, was, wie ich auch bereits
in meinen früheren ähnlichen Arbeiten erwähnt habe, nicht gerade auf eine zu-
nehmende Maritimität des Klimas schließen läßt (vgl. aber später die Winter).
1913 unterschieden sich die drei Sommermonate nur um 0.1°, also einen bei An-
wendung des 3-Termine-Mittels für einen Monat nicht als reell verbürgbaren
Wert: man kann sagen, sie waren völlig gleich warm! Das ist freilich in
115 Beobachtungsjahren nur einmal eingetreten.
Für die extremtemperierten Sommer war eine untere Grenze von 4.0° beab-
sichtigt. Um aber gleich viele Sommer wie bei der anderen Art zu erhalten,
wurde noch der Sommer 1921 mit einem Unterschied von 3.9° mit hinzugenommen,
4) a der Lufttemperatur in Dresden, Ber, der math.-phys, Klasse der Sächs, Ak. der
Wiss, XCV. Band (18, Januar 1943), — % Wiener Temperaturabnormitäten, Zschr. f. angew. Met, 59
(1942), Heft 2, 8. 49ff, Gleichmäßig und ungleichmäßig temperierte Sommer der Prager Temperatur-
reihe. Ebenda, Heft 4/5, S. 1504f, ;