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Full text: 71, 1943

Sticker, B.: Der Einfluß der Seitenrefraktion bei Zeitbestimmungen. 389 
2, Es entsteht nun die Frage, ob und von welcher Größenordnung (Neigung 
und Mächtigkeit) Schichtenneigungen in der freien Atmosphäre auftreten können 
und wodurch sie hervorgerufen werden. Wünschmanns (7) Untersuchung be- 
ruht auf den bis 1930 bekanntgewordenen aerologischen Daten. Sie kann auch 
hier für die mittlere Schichtung der Troposphäre und Stratosphäre zugrunde 
gelegt werden, vielleicht mit Ausnahme der höheren Schichten über 20 km, in 
welchen die Massenverteilung auch heute noch nicht genügend bekannt ist, um 
sichere Aussagen zu erlauben. 
a) In einer Bodenschicht von maximal einigen hundert Metern Dieke ist vor- 
wiegend bei antizyklonalen Wetterlagen mit Strahlungsinversionen zu rechnen, 
welche eine Neigung der optischen Schichten bis zu ?!/,°, in seltenen Fällen bis 
zu 1° hervorrufen können. 
b) In der freien Atmosphäre verlaufen die Flächen gleicher Brechungsindices 
über Mitteleuropa im Jahresmittel gegen NE ansteigend. Die Neigung klingt 
mit wachsender Höhe ab und erreicht durchschnittlich 1‘, bei besonderen oro- 
graphischen Verhältnissen (Alpen) bis zu 2‘. Die in dieser Höhe auftretenden 
Inversionen gehen ebenfalls nicht über 1’ hinaus. Mit Frontalstörungen ver- 
bundene Grenzflächen zwischen Luftmassen verschiedener Herkunft können nach 
den zahlreichen veröffentlichten Luftmassenschnitten bei Warmfronten Neigungen 
bis zu */,°, bei Kaltfronten bis zu 1° erreichen. Im Einzelfall können vornehmlich 
bei Kaltfronten örtlich beschränkt größere Diskontinuitäten auftreten, die hier 
jedoch außer acht gelassen werden können, da sie durch ihre Begleitumstände 
astronomische Beobachtungen ausschließen, 
c) In der Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre erreicht der 
vom Pol bis zum Äquator gerichtete Anstieg der Tropopause Neigungen bis zu 
etwa 1’ in 13 km Höhe. 
d) Die Verhältnisse in den höheren Atmosphärenschichten sind, wie schon 
gesagt, nicht hinreichend bekannt, Stärkere Diskontinuitäten, die über einige 
Bogenminuten hinausgehende Neigungen hervorrufen könnten, sind jedoch kaum 
zu erwarten, 
Man erkennt aus diesen Angaben, daß überhaupt nur bei stärkeren Strah- 
lungsinversionen und bei Frontalstörungen merkliche Seitenrefraktionen erwartet 
werden können. Selbst bei einer Neigung der Inversionsfläche von 1° und 
einer Ausgleichshöhe von 500 m hleibt jedoch nach dem Täfelchen auf S. 388 
R, unter 0.02” entspr. 0.001%; bei Frontalstörungen mit Neigungen der Grenz- 
flächen bis zu 1° und einer reichlich hochgegriffenen Ausgleichshöhe von 2000 m 
erreicht R, erst 0.08” entspr. 0.005%° Im allgemeinen wird jedoch der Einfluß 
der Frontalstörungen wesentlich geringer sein und ein Tausendstel Zeitsekunde 
nicht überschreiten, ein Betrag, der zur Zeit noch weit unter dem mittleren 
Fehler einer auf 10 Sternen beruhenden Zeitbestimmung liegt. Zu beachten ist 
dabei auch, daß bei einer nicht genau von E nach W gerichteten Neigung der 
optischen Flächen sich die angegebenen Beträge noch vermindern. 
Ist A das Azimut und I, die Zenitdistanz des Schnittpunktes der Normale 
auf der optischen Fläche an der Sphäre, so kann der bei der Berechnung der 
Seitenrefraktion zu berücksichtigende „effektive“ Neigungswinkel der brechenden 
Fläche I aus der Beziehung 
tx Im tg Tasin A 
berechnet werden, d.h, die Schichtneigung geht mit vollem Betrage nur ein, 
wenn die Normale in den ersten Vertikal fällt. Für A = 45° gehen die angegebenen 
Beträge auf etwa ?%/, zurück. 
3. Es bleibt somit als einzige wirksame Fehlerquelle das Auftreten lokaler 
Schichtneigungen in der unmittelbaren Umgebung des Instrumentes, wie sie von 
Freiesleben und Lange (s) vermutet wurden. Sie können zum Unterschied 
von den Einflüssen der freien Atmosphäre weitgehend vermieden werden, wenn 
man bei der Wahl des Beobachtungsortes und der Aufstellung des Instrumentes
	        
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