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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1913.
Das erste Kärtchen links, durch Jan.-Dez. bezeichnet, lehrt uns, daß die
Barometerstände während eines Jahres ganz im Norden über dem Golfstromende
sowie weit im Osten über Südrußland die bedeutendsten Änderungen erfahren;
der mittlere Betrag der letzteren steigt auf 8 mm. Die Orte mit den kleinsten
Luftdruckschwankungen liegen ungefähr auf einer Geraden, welche von Marseille
nach Riga zieht; den allergeringsten Wechsel von etwa 3,5 mm haben die Punkte
im Südwesten, nördlich der Balearen. Von den fünf aneinandergereihten Kärtchen
unserer Tafel geben die drei mittleren ein Bild von den absoluten Änderungen
der Barometerstände im Zusammenhang mit den drei verschiedenen Mondum-
läufen. Aus der letzten Figur der betrachteten Reihe ist zu ersehen, wie sich
diese Änderungen gestalten müßten bei der günstigsten Übereinanderlagerung
der Einzelwirkungen. In diesem Falle würden die stärksten Schwankungen im
Nordwesten Europas statthaben, ganz wie die während eines Jahres, Bedeutungs-
voll an diesem fünften Kärtchen erscheint das vollständige Fehlen großer Schwan-
kungen in dem Gebiet nördlich vom Schwarzen Meer, Dieser Umstand entzieht
dem Einwurf, es könne sich bei den ermittelten monatlichen Barometerstands-
änderungen um unausgeglichene Reste des jährlichen Wechsels der Luftdruck-
verteilung handeln, völlig den Boden, Die beste Übereinstimmung mit dem in
Rede stehenden Kärtchen zeigen die vom tropischen und vom anomalistischen
Monat, Eine weniger regelmäßige Verteilung der Druckänderung ist an den
Kurven für den synodischen Umlauf wahrzunehmen,
Ganz neue eigenartige Tiefblicke in die einschlägigen Verhältnisse ge-
währen nun die vier letzten Kärtchen auf der Tafel 19. Sie geben eine Vor-
stellung davon, wie groß der Einfluß des Mondes im Vergleich zu dem der Sonne
an den verschiedenen Punkten Mitteleuropas werden kann. Ihre Kurven verbinden
diejenigen Stellen der Erdoberfläche, an welchen die monatlichen Druck-
schwankungen gleich viele Bruchteile der ‚Jahresänderungen umfassen. Die an
den Linien angeschriebenen Zahlen bedeuten Prozente des jährlichen Luftdruck-
wechsels.
Wir sehen: Die relativ höchsten Schwankungen hat der tropische Umlauf
aufzuweisen, und zwar über dem Atlantischen Ozean südwestlich von Irland so-
wie über der Ostsee südöstlich von Schweden. Ähnlich gelagert, jedoch etwas
mehr nach Norden verschoben sind die Stellen der Höchstschwankungen inner-
halb des anomalistischen Monats. Demgegenüber treten die auffallendsten Luft-
druckänderungen während des synodischen Mondumlaufs im südwestlichen Europa
ein. Die Mittellinie durch dieses stärker beeinflußte Gebiet fällt nahezu mit der
Geraden schwächster jährlicher Anderung zusammen; sie verläuft eiwa von der
Rhonemündung nach Helsingfors in Finnland.
Sehr interessant ist das letzte Kärtchen. Es beweist, daß der Luftdruck
über einem großen Teil Europas durch günstigste Übereinanderlagerung der
Einzelwirkungen des Mondes von diesem während vier Wochen stärker geändert
werden kann wie von der Sonne im Verlauf eines ganzen Jahres. Das vorzugs-
weise vom Trabanten der Erde beherrschte Feld ist durch Strichelung gekenn-
zeichnet. Es umfaßt das die Ostsee umlagernde Ländergebiet und erstreckt sich,
nach Südwesten hin breiter werdend, über den westlichen Teil Europas und des
Mittelmeeres bis zum Atlantischen Ozean hinaus. Hier lassen sich Stellen finden,
an welchen der Mond die Sonne um ein Drittel ihrer eigenen Wirkung zu über-
flügeln vermag.
Die Tatsache, daß von uns die Möglichkeit einer so starken Mondwirkung
im Vergleich zum Sonneneinfluß dargetan werden konnte, redet ein gewaltiges
Wort zugunsten der Realität einer recht merklichen Beeinflussung unserer Atmo-
sphäre von seiten des Mondes. Der mögliche Einwand, das Ergebnis sei ein durch
Rechnung bedingtes und hätte für die Gebiete mit geringer jährlicher Anderung
des Barometerstandes im voraus erwartet werden dürfen, läßt sich nicht aufrecht
erhalten, denn eine Vergleichung des ersten und des letzten Kärtchens der unteren
Figurengruppe auf Tafel 19 zeigt, daß trotz der unbedeutenden Jahresschwankung
auf der Apenninen- und Balkanhalbinsel sich daselbst doch ein auffallend geringer
relativer Mondeinfluß geltend macht. Der weite Bereich stärkster Luftdruckände-