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Full text: 71, 1943

Spangenberg, W.: Über einige Ergebnisse von Schätzungen der Himmelsfarbe usw. 361 
allerdings. praktisch außerordentlich schwer ist und viel Übung erfordert, aber 
doch wohl nicht als ganz unmöglich anzusehen ist, ohne daß man etwa farben- 
blind wäre. 
[Man müßte sich rein theoretisch z. B. bei besonders großem Rotgehalt, 
also bei einem Gesamteindruck Purpur (= Mischung aus Rot + Blau) 
unter Umständen dadurch etwas helfen können, daß man extrafoveal 
beobachtet, d, h.: daß man einige Grad seitlich an der Skala vorbeisieht. 
Wie nämlich Purkinje gezeigt hat, überwiegt in den peripheren Teilen 
des Gesichtsfeldes bei einem Gesamteindruck Purpur eindeutig der Ein- 
äruck Blau. Purkinje [zitiert nach H, von Helmholtz I] betonte, 
daß Purpur immer roter erscheint, je weiter man zum Mittelpunkt des 
Gesichtsfeldes kommt, während am Rande desselben nur die Blauempfin- 
dung besteht. Diese Erscheinung rührt daher, daß die scheinbaren 
Gesichtsfelder des Auges für verschiedene monochromatische Strahlen 
auch verschieden groß sind, worauf der Verfasser (45) ausführlicher ein- 
gegangen ist. Die Netzhaut wird zum Rande hin zunehmend farbenblind, 
wobei zuerst Grün- und Rotblindheit eintreten. 
Bei einiger Übung scheint nun: — nach verschiedenen Versuchen zu 
urteilen — auf diese Weise die Ermittlung der Himmelsbläue tatsäch- 
lich ein wenig erleichtert zu sein, während aber bei anderen Versuchs- 
personen keinerlei Einfluß vorhanden zu sein scheint. Nach vorliegenden 
Versuchen hatten ungeübte Beobachter die größten Schwierigkeiten bei 
Anwesenheit stärkerer Rotbeimengungen.] 
Weiter muß noch auf folgenden Punkt verwiesen werden: Es ist eine gut 
bekannte physiologische Erscheinung, daß die Empfindung bei konstanter Er- 
regung der Netzhaut durch ein und denselben Eindruck erheblich abnimmt. 
Daraus ergibt sich für das betrachtete Problem die Forderung, daß die Schätzungen 
nach der Himmelsblauskala möglichst rasch durchgeführt werden sollten. Denn 
— falls deutliche Farbunterschiede bestehen -— werden diese scheinbar etwas 
vertieft, wenn man gemäß der Vorschrift von F. Linke (4) erst den Himmel 
30 Sekunden lang fest ansieht und dann auf die Skala blickt, Man sollte besser 
stets Skala und Himmel zugleich betrachten und das Auge zwischen beiden hin- 
und herbewegen, um eine einseitige Ermüdung zu verhindern, Die ganze Schätzung 
sollte deshalb überhaupt nach Möglichkeit nicht länger als 10 bis 15 Sekunden 
dauern. Es kommt eben bei der Schätzung ganz besonders auf den 
ersten Eindruck an. Auf diese Art und Weise kann man den Einfluß der 
sehr gefährlichen farbigen Nachbilder im Auge verhindern, die in unserm Falle 
bestimmt nicht ohne Bedeutung sind. Man kann sich leicht davon überzeugen, 
daß eine endgültige Beurteilung um so schwerer wird, je länger die Schätzung 
dauert, auch dann, wenn beim ersten Eindruck eine scheinbar gute Farbgleich- 
heit bestand. 
Um einen Anhalt für die Stärke der jeweiligen Farbunterschiede zu erhalten, 
schätzte H. Loßnitzer (%) das Blau auch noch durch ein Optochrom-Gelbfilter, 
Die Ergebnisse waren aber, wie auch zu erwarten war, nicht einheitlich. Der 
Verfasser führte 1937 gleichartige Versuche mit Rot- und Blaufiltern durch, wo- 
durch sich aber auch brauchbare Werte nicht erzielen ließen. Gelb- und Grün- 
filter waren vollkommen unbrauchbar, da dadurch derartig große Unterschiede 
von Skalen- und Himmelsblau eintraten, daß ein einigermaßen sicherer Vergleich 
praktisch nicht ausgeführt werden konnte. Dies ist aber auch individuell} 
verschieden. 
1924: 
1927: 
1928: 
1929: 
1930: 
Literatur, 
ı. ©” Linke, Meteorol, Zeitschr. 41, 5. 42—46. 
2, Y. Loewe, Mitteil. d. aeronaut, Observ. Lindenberg, Mai, S. 98—101. 
4. W. Ostwald u, F. Linke, Meteorol, Zeitschr. 45, S. 367—370. 
S. 77. Lettau, Zeitschr. ang. Met. [Wetter] 46, S. 336—344. 
2, M. Loßnitzer, Zeitschr, ang. Met. [Wetter] 47, S. 18—28, 
12, H, Loßnitzer. Zeitschr. angew. Met, [Wetter] 47, S. 317—318, 
Siebe Literaturhinweis (IIN auf 8. 355. 
AL)
	        
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