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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1943, 
II. Beschreibung der Skala, 
Die als „Himmelsblauskala“ bezeichnete Farbleiter ist ein kleines Büchlein, 
welches aus acht Blättern von steifem Karton im Format 80113 mm besteht. 
Auf diesen Blättern sind die verschiedenen von W. Ostwald («) ausgesuchten 
Farben so angebracht, daß man beim Aufschlagen auf jeder der beiden gleich- 
zeitig sichtbaren Seiten die gleiche Farbstufe hat. Die Farben sind durch 
Mischung aus Ultramarin und Litoponweiß hergestellt. Die Weißgehalte sind 
(für die 14stufige Skala?): 0.56; 0.35; 0.22; 0,14; 0.089; 0.056 und 0.035. Als 
Bindemittel diente flüssiger Leim (7%). Versuche, die einzelnen Farborte der 
Skala im Farbendreieck zu ermitteln, wurden z. B. von L. W. Pollak und W. Paime 
unternommen (3ı) (ss). 
Um ein Abscheuern der Farben von der Pappunterlage zu verhindern, ist 
am Rande der einen Seite ein kleiner Papprahmen als Berührungsschutz ange- 
bracht worden, 
An eine solche Farbskala muß man eine Reihe von Forderungen stellen, 
die eigentlich ganz erfüllt sein müßten, W,Kramer faßte sie folgendermaßen 
zusammen (s7): 
1. Es muß für einen ausreichenden Umfang der Skala gesorgt werden, 
2. An das spektrale Reflexionsvermögen muß man gewisse Forde- 
rungen stellen können. 
Die Abstufung der Helligkeiten sollte nach dem Fechnerschen Gesetz 
erfolgen (Anmerkung B!). 
Das Lambertsche Cosinusgesetz muß bei der Betrachtung erfüllt sein. 
Weiter muß man Lichtechtheit, Haltbarkeit und Reproduzier- 
barkeit verlangen können, 
Wie weit nun diese Punkte nach W. Kramer (s7) im einzelnen erfüllt sind 
oder nicht, sowie alles Nähere muß aus der betreffenden Arbeit ersehen werden. 
Eine Darstellung dieser Fragen soll hier unterbleiben. 
B. Ergebnisse. 
I. Vergleichbarkeit verschiedener Beobachtungsreihen und Frage der Einübung. 
Daß zu einer erfolgreichen Benutzung der Linkeschen Himmelsblauskala 
eine längere Einübungszeit und eine gewisse praktische Erfahrung nötig oder 
doch wenigstens wünschenswert sind, wurde von den meisten Beobachtern zur 
Genüge erkannt. H. Loßnitzer (s) (12) bemerkte, daß die ersten Schätzungen 
bei ungeübten Beobachtern, wenigstens in Gebirgslagen, um 2 bis $ Skalenteile 
zu hoch ausfallen, d, h.: der Himmel wird als zu dunkelblau eingeschätzt. Das 
ist natürlich ein bedenklich großer Fehler, Auch H, Voigts (1) bestätigte eine 
erhebliche Fehlschätzung im Anfang. Der Verfasser (4) gab aus den Versuchen 
mit drei verschiedenen Personen, die in dieser Hinsicht gänzlich ungeschult 
waren, in zwei Fällen ganz erhebliche Überschätzungen, die etwa der von 
H, Loßnitzer gegebenen Größenordnung gerade noch entsprechen könnten. Bei 
der dritten Versuchsperson herrschte — jedenfalls für den Anfang — eine leid- 
liche Übereinstimmung der Werte mit denen des Verfassers. Diese Versuche 
wurden im Frühjahr 1943 mit 16 weiteren Versuchspersonen weitergeführt, wo- 
bei sich einige bemerkenswerte Punkte ergaben. In die Tab. 1 sind die erwähnten 
drei früheren Personen sowie noch zwei Farbenuntüchtige mit einbezogen worden. 
Tabelle 1, Fehlschätzung bei fehlender Übung [21 Personen]. 
Art der Fehlschätzung Anzahl der Personen 
Keine erhebliche Abweichung ...... 
Deutliche Überschätzung .......... 
Deutliche Unterschätzung ‚........ 
Keine Schätzung möglich ......... 
Es zeigte sich somit, daß fast die Hälfte aller ungeübten Versuchspersonen 
anfangs im Mittel einen deutlich höheren Blaugrad mit der Linkeschen Skala 
erhielten als der Verfasser unabhängig davon zur gleichen Zeit, 
Anmerkung B: Fechners psycho-physisches Gesetz besagt, daß die Stärke der Empfindung 
nicht wie die absolute Stärke der Reize anwächst, sondern wie die Logarithmen der Reizgrößen. 
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