352 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1943.
lichsten dargestellt durch den negativen Unterschied zwischen beobachtetem und
vorausberechnetem Tidenhub, Dieser war 1939/40 größer als 1940/41 und 1941/42,
Betrachtet man die Dämpfung bei den Hochwassern und den Niedrigwassern
gesondert, so ergibt sich, daß die Dämpfung bei den Hochwassern oft stärker
war als bei den Niedrigwassern, Es kamen aber auch umgekehrte Fälle vor.
Der Winter 1941/42 weist von den drei betrachteten Wintern den längsten
Zeitraum der Gezeitendämpfung durch das Eis auf, Während 1939/40 die Tiden-
hubdämpfung 49 Tage, 1940/41 33 Tage gedauert hatte, wurden im Winter 1941/42
56 Tage mit Tidenhubdämpfung gezählt.
In den ermittelten und in den Abb. 1 bis 3 graphisch dargestellten Unter-
schieden zwischen beobachteten und vorausberechneten Tidenhüben ist an be-
stimmten Tagen der Einfluß des Windstaus enthalten. Zur Klärung der Frage
über die Größe dieses Einflusses wurden aus den Vorausberechnungen der
Gezeitentafeln für die Eisperioden der Winter 1939/40 und 1940/41 Tidenhübe
unter Berücksichtigung des nach den Wetterlagen zu erwartenden Windstaus
berechnet. Letzterer wurde sorgfältig nach den im Wasserstandsdienst gebräuch-
lichen Verfahren festgestellt, Zur Vereinfachung sollen im folgenden die aus
den Vorausberechnungen errechneten Tidenhübe „vorausberechnete“ und die
unter Berücksichtigung des Windstaus errechneten „berechnete“ Tidenhübe ge-
nannt werden. Ein Vergleich der Unterschiede zwischen beobachteten und vor-
ausberechneten mit den Unterschieden zwischen beobachteten und berechneten
Tidenhüben ergab folgendes: Bei schnell ändernden Wetterlagen oder ungleich
stark aus angenähert derselben Richtung wehenden Winden wird das Hochwasser
oft anders beeinflußt als das Niedrigwasser und der unter Berücksichtigung des
Windstaus berechnete Tidenhub kann größer oder auch kleiner werden als der
vorausberechnete, So können die am Anfang und am Ende der behandelten
Eisperioden, als eine Wirkung des Eises noch nicht oder nicht mehr bemerkbar
war, bei unbeständigen Wetterlagen auftretenden Unterschiede zwischen beob-
achteten und vorausberechneten Tidenhüben als durch die Wetterlage verur-
sacht zwanglos erklärt werden.
Bei beständigen Wetterlagen — bei gleichmäßig aus angenähert derselben
Richtung wehenden Winden -— beeinflußt der Winddruck das Hochwasser in
angenähert demselben Maße wie das Niedrigwasser und der vorausberechnete
Tidenhub als Mittel aus Tidenstieg und Tidenfall hat angenähert denselben Wert
wie der berechnete. Bei gleichbleibendem Winde hat somit der Windstau auf
den Tidenhub keinen oder nur geringen Einfluß, So wehten während der Zeit
starker Tidenhubdämpfung durch das Eis meistens ziemlich beständige Winde
aus östlichen Richtungen, und vorausberechnete sowie berechnete Tidenhübe
fallen mit wenigen Ausnahmen annähernd zusammen, so daB die Unterschiede
zwischen beobachteten und vorausberechneten Tidenhüben während der Zeit
der Tidenhubdämpfung durch das Eis die Größe der Dämpfung mit ziemlicher
Sicherheit ergeben. Kine stärker auffallende Ausnahme bilden die Tage vom
19. bis 21. 1. 1941. In diesen Tagen wurden bei starkem Ostwind die Hoch-
wasser zeitweise stärker erniedrigt als die herumliegenden Niedrigwasser und der
Unterschied zwischen beobachtetem und vorausberechnetem Tidenhub erreichte
am 21. 1. — 1.20 m, während er unter Berücksichtigung des Windstaus nur etwa
— 0.70 m aufwies.
Auffallend ist bei jeder Tidenhubdämpfungsperiode eine Zwischenzeit von
einigen Tagen mit ansteigenden beobachteten Tidenhüben, Sie ist wohl auf nach-
lassende Eisbildung bei ansteigenden Lufttemperaturen zurückzuführen. Im
Winter 1939/40 ist sie am 23. und 24, 1. erkennbar, An diesen Tagen steigen
die beobachteten Tidenhübe an und die Unterschiede zwischen beobachteten und
vorausberechneten Tidenhüben erreichen nur noch Werte von — 0.40 bis — 0.20 m.
Im Winter 1940/41 tritt die Zwischenzeit vom 7. bis 11. 2. ein; die beobachteten
Tidenhübe sind angenähert gleich den vorausberechneten und die Tidenhub-
dämpfung demnach gleich Null. Im Winter 1941/42 waren vom 22. bis 25. 2,
die beobachteten Tidenhübe den vorausberechneten fast gleich und die Tiden-
hubdämpfung durch das Eis fast Null.