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Full text: 71, 1943

340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1943, 
16. September eine sogar mit dem bloßen Auge sichtbare Fleckengruppe erzeugte, 
kann wohl mitgewirkt haben. In der Nacht zum 28. fiel das Barometer dann 
in 14 Stunden um 14 Millimeter (19 millibar), und es erfolgte der erste Schnee- 
fall des Jahres, dem im Oktober noch zwei weitere folgten. An einem Tag blieb 
der Schnee sogar längere Zeit, bis zum nächsten Morgen, liegen, was für den Oktober 
immerhin kein alltägliches, man sollte vielmehr sagen: alljährliches, Ereignis ist, 
7. Die an sich nur sehr kleine Mondfin sternis am 5, September erfreute 
sich außerordentlich klarer Luft und konnte daher trotz ihrer Geringfügigkeit 
aufs deutlichste beobachtet werden. „Links unten“ fehlte ein Stück. 
8. Eine geradezu prachtvolle Zirrokumulus-Abendröte war am Abend 
des 12. Oktober zu sehen. Ein riesiges Feld mit ziemlich kleinen Einzelbällchen 
am Westhimmel zog langsam nach Nordnord west um 18 Uhr (Sommerzeit) und 
wurde blutigrot. Der objektiv denkende Forscher sagt: die Farbe war (etwa) 
30 der hundertteiligen Ostwald-Skala und infolge fehlenden Weißgehaltes der 
Farbe besonders klar, — Auf dies Phänomen folgte, dem bekannten Volksspruch 
zum Trotz, Regen am folgenden Tag, und zwar obwohl das Barometer noch 
etwas gestiegen war! Immerhin, ich las in einem alten Buch, daß auch die 
Volksmeinung in „einem den ganzen Himmel überziehenden Abendrot ein An- 
zeichen besonders schlechten Wetters“ sähe. — Die Farbe der untergehenden 
Sonne war an jenem Tage auch besonders intensiv rot. 
9. Sonnenringe oder vielmehr Halos beobachtete ich im Juli 4, im August 6, 
im September und Oktober je einen; ich vermute, daß in Wirklichkeit noch 
einige mehr sichtbar waren. Es handelte sich in allen Fällen um den kleinen 
Halos, der ja auch sonst weitaus am häufigsten auftritt. Spuren von Licht- 
säulen wurden mehrfach notiert, aber eben nur ganz undeutliche Spuren, 
10. Ein ganz besonders schönes Abendrot war am 28. Dezember 1941 
zu sehen, an einem der sehr wenigen schönen Tage dieses Monats, der volle 
20 sonnenlose Tage zählte. Er war fast völlig windstill; in etwas höheren 
Schichten wehte leiser Zug aus West. Anfangs war er wolkenlos, was zur Folge 
hatte, daß sich die Temperaturen zwischen — 10° und — 5° bewegten, was bei 
einem Spaziergang im Freien sehr angenehm anmutete; nur etwas bläßlich war 
das Blau; kamen allmählich, im Westen beginnend, immer mehr Zirren auf, die 
sich gegen Abend zu riesigen, fast den halben Himmel umspannenden Polar- 
banden mit einem Radiationspunkt im SW entwickelten. Gegen 17 Uhr (Sommer- 
zeit), als eben die Sonne als goldgelber Ball untergegangen war, entwickelten 
sich außerordentlich schöne Farbtöne, Am Südwesthimmel waren die Wolken 
schwefelgelb, im Norden dagegen violett. Der blasse, gerade im 1, Viertel 
stehende Mond erschien infolge Kontrastwirkung in einem wunderbar zarten 
Hellgrün, wie ich es noch nie gesehen habe (etwa 83-85-05 der hundertteiligen 
Ostwald-Skala, also genau um 50 — eine Hälfte des Farbenkreises vom Violett 
verschieden, wie es bei einer, Goethe würde sagen: „geforderten“ Farbe sein 
muß). Das Schwefelgelb des Südwesthimmels ging dann in ein sattes Orange 
{Farbton von 00 zu 15 übergehend) über, während das Violett am Gegenpunkt 
allmählich verblaßte, Zuletzt wurde aus dem Orange ein wunderbares Purpur- 
rot; von einem eigentlichen Purpurlicht im Sinne der Meteorologen kann man 
jedoch wohl nicht sprechen, da es sich ja nicht um eine Färbung des Himmels, 
sondern der Wolken handelte. — °%, Stunden nachher war die Pracht ver- 
schwunden, der Mond aber hatte einen riesigen Hof (keinen Halos), und ver- 
schiedene große Planeten leuchteten mit dem ihnen eigenen ruhigen Licht. Daß 
sie das bekannte Funkeln der Fixsterne nicht zeigen, liegt, wie man weiß, an 
ihrer größeren scheinbaren Ausdehnung, wenn auch nur sehr scharfe unbe- 
waffnete Augen die Venus bei starker Phase als Sichel erkennen dürften; aber 
immerhin trifft bei Luftunruhe, die ja immer mehr oder weniger vorhanden ist, 
immer das Licht eines großen Planeten dasselbe Netzhautelement. 
Schon die Nacht brachte bei starkem Barometerfall auffrischenden Südwest- 
wind, und am nächsten Vormittag fegte der Wind den bei fast — 10° trockenen 
Schnee von den Hausdächern, Also war auch diese Abendröte der Vorbote 
schlechten Wetters gewesen! Otto Meißner, Potsdam.
	        
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