30
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1943.
Liebe und Sorgfalt von Sprungs Mitarbeitern und Nachfolgern hat dazu geführt, daß eine große
Zahl wichtiger Untersuchungen gerade Potsdamer Beobachtungen oder Registrierungen zur Grund-
lage haben.
6 Sprungs instrumentelles Geschick bewies sich schließlich und nicht zum geringsten in seiner
Konstruktion des „Wolkenautomaten“: Zwei photographische Kameras mit vertikal gerichteter Achse,
in 1300 m Entfernung aufgestellt und mit elektrisch gekoppeltem Verschluß versehen, gestatteten die
photogrammetrische Vermessung von Wolkenhöhen, Weit über 2000 Aufnahmen wurden mit diesem
Gerät gemacht und die erzielten Ergebnisse, u. a. aus dem „Internationalen Wolkenjahr“ 1896/97
gaben erstmalig ASt Angaben über die Wolkenhöhen und deren jahreszeitliche Veränderungen,
‚Bei diesen Untersuchungen arbeitete mit ihm bereits der Mann zusammen, der nach mehr-
jähriger Tätigkeit am Zentralinstitut 1909 sein Nachfolger als Leiter der meteorologischen Abteilung
und später als Direktor des Observatoriums wurde: Reinhard Süring (* 1866). Dieser ist bis auf
den heutigen Tag seiner Liebe zu den Wolken treu geblieben, Aber wie es sO oft geht: Die Arbeiten
des Observatoriums nahmen unter seiner Leitung eine ganz andere Richtung: das Observatorium
wurde die deutsche Hauptstation für atmosphärische Strahlungsmessungen. In jahrelangen Messungen
wurden Normalwerte der Sonnenstrahlung in absolutem Maß beschafft, später erfolgten auch Energie-
messungen mit Filtern für einzelne Spektralbereiche, und schließlich begann eine erste fortlaufende
Registrierung der Sonnen- und Himmelssirahlung und der Ausstrahlung der Erde. — In diese Zeit
Fällt auch der Ausbau der luftelektrischen Messungen, In erster Linie wurde das vertikale Span-
nungsgefälle in der Luft fortlaufend registriert, später auch die Leitfähigkeit gemessen, und es hat
nicht an Versuchen gefehlt, die Raumladung zu registrieren,
Nachdem Geheimrat Süring 1932 in den Ruhestand getreten und das Observatorium kurze
Zeit mit im wesentlichen unveränderter Arbeitsrichtung durch Prof, Kühl geführt worden war, über-
nahm 1935 Otto Hoelper, bis dahin Direktor des Öbservatoriums in Aachen, die Leitung. Seine
Aufgabe war es zunächst, das Meteorologische Observatorium im Rahmen des Reichsamts für Wetter-
dienst in die neu geschaffene, dem Reichsluftfahrtministerium unterstellte Organisation des Reichs-
wetterdienstes zu überführen. Die folgenden Jahre brachten eine weite Ausdehnung der Strah-
Jungsregistrierungen, und zwar für die Strahlung der Sonne und des Himmels, wobei beide noch mit
Filtern in mehrere Spektralbereiche unterteilt wurden. Die Registrierungen der Sonnenstrahlung
werden spektrometrisch ins Ultrarot ausgedehnt und im Ultravioletten wenigstens laufende Messungen
ausgeführt, Dabei dienen die Messungen im Ultravioletten der Bestimmung des für den Aufbau der
hohen Stratosphäre wichtigen Ozons, während die Infrarotmessungen den Wassergehalt der Tropo-
sphäre erfassen, der für die Wettervorhersage von Wichtigkeit ist. Während bisher nur Augenblicks-
werte (Kalorien pro Quadratzentimeter und Minute) gemessen oder registriert wurden, erfolgten jetzt
gleichzeitig auch Registrierungen der in einer Stunde oder einem Tage eingestrahlten Wärmesummen.
Es versteht sich, daß diese Strahlungssummen für die Landwirtschaft, Heilkunde und Meteorologie
sine gewaltige Rolle spielen und ihre Bestimmung einen Eckpfeiler in der Frage des Wärmehaus-
haltes der Erdoberfläche und der unteren Luftschicht bildet, der nun auch zum Gegenstand ein-
gehender Studien gemacht wurde. Damit in Zusammenhang wurde die Wärmebewegung im Erd-
Boden, die bisher durch Einzelmessungen ermittelt war, ebenfalls durch Registrierungen studiert, sö
daß nunmehr ein ganz gutes Bild über den Wärmehaushalt der Erdoberfläche gewonnen ist,
Auch die luftelektrischen Arbeiten werden fortgesetzt und richteten sich mehr und mehr auf
das Studium des Gewitters, Die atmosphärischen Störungen, die vom Rundfunk her bekannt sind,
waren — schon bald nach dem Weltkrieg — in das Arbeitsprogramm aufgenommen worden. Ihr
Studium hat in den letzten Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht und wertvolle Ergebnisse gezeitigt,
Der große Krieg, in dem wir stehen, hat manche Arbeiten des Observatoriums in den Hinter-
grund treten Jassen, während andere jetzt seiner Tätigkeit den Stempel aufdrücken. In Zusammenhang
mit den Kriegserfordernissen trat O0. Hoelper 1942 in das R-ichsamt für Wetterdienst über,
Von der Arbeit des Observatoriums konnte in diesem Rahmen nur ein Ausschnitt dargestellt
werden, Schalluntersuchungen, Bestimmungen der radioaktiven Bodenemanation, Turbulenz-For-
schungen und vieles andere haben hier eine weitgeheode Förderung‘ gefunden, ganz abgesehen von
den erdmagnetischen Arbeiten und den Forschungen über die Höhenstrahlung, die beide am Institut
begannen, ım Laufe der Jahre aber selbständige Forschungsstätten gefunden Saben, ‘Auch an zahl-
reichen Sonnenfinsternisexpeditionen war das Observatorium beteiligt, so 1905 nach Spanien, 1927
nach Lappland, 1929 nach Sumatra, Viel größer aber als die Befruchtung von außen war das, was
das Observatorium an Erfahrungen und Ergebnissen in diesen 50 Jahren nach außen abgegeben hat.
Möge es ihm vergönnt sein, in würdiger und den veränderten Anforderungen angemessener Gestalt
in den nächsten 50 Jahren ebenso erfolgreich zum Ansehen deutscher Wissenschaft in der Welt bei-
zutragen wie in dem jetzt vergangenen halben Jahrhundert.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben,
E. Wahl, Untersuchungen über den jährlichen ‘ einem größeren, vor allem zeitlich längeren Beob-
Luftdruckgang. Veröff, d, Met, Inst. d. Univ, achtungsmaterial die Analysen wiederholt, die
Berhn, Band 1V, Heft 4, 1942. Ekhart für die hrs uud Reuter für die
Verf. hat sich in dankenswerter Weise der halbjährige Luftdruckwelle bereits durchgeführt
Aufgabe unterzogen, die Luftdruckmonatsmitte]l hatten; außerdem hat er die dritteljährige Kompo-
von 385 über die ganze Erde verteilten Stationen nente hinzugefügt,
der harmonischen Analyse mit dem Jahr als Pe- Die Bedeutung der Wahlschen Arbeit liegt
riodeninterrall zu unterwerfen, Er hat damit an weniger in den Ergebnissen, die nicht viel Neues