Meißner, 0O.: Vergleichende Betrachtungen der Mitteltemperaturen von Berlin usw. 27
werden müßten: dabei verringerten sich die Streuungen der Einzeljahre auf
eine der Streuung der Jahrzehnte angemessenen Größe.
Übrigens sind die Zahlenwerte der Streuungen für die vier Stationen recht
gleichmäßig: von einer Zunahme etwa mit fortschreitender Entfernung vom
Meer ist nichts zu bemerken. Dagegen ist eine Abnahme im Laufe der Zeit
festzustellen, worauf auch: schon die stark negativen „zeitlichen“ Kff. deuten,
was allerdings für die letzten 50 Jahre, wo die Streuungen am kleinsten sind,
nicht mehr zutrifft, Das heißt, ihr Tiefpunkt fällt schon in diesen Zeitraum
hinein: wieder eins der vielen Anzeichen, daß wir uns einer Periode mit stärkeren
Schwankungen nähern, wie das die Witterung der jüngsten Zeit ja so eindringlich
gezeigt hat. Diese Erscheinung würde ganz unbeachtet geblieben sein, wenn
man sich auf die Gesamtmittel beschränkt hätte; erst bei der Teilung des
Materials in 50jahresmittel tritt sie hervor. Zugleich zeigt dies, daß ein Mittel
über einen sehr langen Zeitraum nicht von so hoher Bedeutung ist, wie man
etwa nach den Zufallsgesetzen annehmen müßte (wonach eine viermal so lange
Reihe doppelt so sicher wäre wie die einfache), Es kommt eben ein „säkularer
Gang“ hinzu,
8. Die Korrelation der Stationen. Die Korrelationen der Stationen untereinander,
nach den Abweichungen der Einzeljahre vom zugehörigen Jahrzehntemittel be-
rechnet, sind recht hoch, unterschreiten den Wert von 0.80 nur einmal (Wien
gegen Leipzig 1911/20): von Jahr zu Jahr sind also innerhalb eines Jahrzehntes
keine wesentlichen Unterschiede im Gang vorhanden, — Dies gilt allerdings nur
für das Jahr; für die einzelnen Monate stellt sich die Korrelation als viel
geringer heraus: die bekannte Verwischung der Unterschiede bei Anwendung
von dJahresmitteln; in dieser Abhandlung soll aber darauf noch nicht ein-
gegangen werden (die Kff. für Prag in bezug auf die anderen Stationen sind
hier aus äußeren Gründen weggeblieben). .
7. Die Differenzen der Stationen. Schon ein oberflächlicher Blick auf sie
zeigt einen enormen systematischen Gang der Differenzen Berlin-Wien. In der
Tab. 2 sind die sechs Differenzen der vier Stationen nebst den absoluten
Temperaturwerten übersichtlich zusammengestellt.
Tabelle 2. .
Unterschiede der Jahresmitteltemneraturen von Berlin, Leipzig, Prag und Wien für verschiedene Zeiträume“).
Stations- | B.__lL. ‘ P.—B
paar " i
Zeitraum
W. —B.
1831—1900 | 1781—1900
1781—1900
P.—L
1831— 1900
P. — W.
WW. L
3781— 1900
1831-1900
| P.—W.
' 1781—1930
T, + Str,
T, + Str.
4 + Str.y
(88),
Qıt<4
kit)+z
[65].
Str.
Qo
9.39° + 0.38°
9,33 +0,30
0.06 +0,17 |
0.3072 |
1.97 +0,28 |
-0.15 +0,23
) B. = Berlin, L. = Leipzig, P. = Prag, W = Wien; T, = Temp.-Mittel der jeweils 1., T., das der jeweils 2, Station ;
Str. = Streuung, x = mittlere Fehler, 4 = Unterschicd ; [e8]. Str. [12 Quadratsumme der Abw, der Jahrzehntemittel vom
Gesamtmittel; k{(t)= zeitlicher Korrelationsfaktor; Q = Quotient des Abbe-Helmert-Kriteriums; Indizes 1 ohne, Z mit
Berücksichtigung eines linearen Zeitgliedes.
9.10° + 0,20*
8,52 +0,23
58 +0,31
0.5952
0.95 +0,38
„0.09 +0,34
7a. Der Unterschied Berlin-Leipzig, der sich auf nur 7 Jahrzehnte
gründet, zeigt zunächst einmal keinen erheblichen systematischen Gang. Der
positive „zeitliche Kf.“ deutet zwar einen solchen an (darauf deutet auch der
Quotient Q, des Abbe-Helmertschen Kriteriums). Bei Berücksichtigung eines
Zeitgliedes der Differenzen wird die Quadratsumme der Abweichungen immerhin
geringer, aber nur so wenig — der Betrag fällt von +0.33° auf +0.31° —, daß
man trotz der Größe des zeitlichen Kf. von !/, ihm keine Bedeutung zu-
schreiben kann.
7b, Ganz anders verhält es sich mit den Differenzen zwischen Berlin einer-
seits, Prag und Wien andererseits, Daher sollen zunächst die Differenzen von