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Full text: 71, 1943

Spangenberg, W. W.: Bemerkungen über die Bestimmung der Himmelsfarbe usw. 303 
Wesentlich ist aber, daß die Stufe 8 „mittelmäßig blau“ in beiden Beob- 
achtungsreihen mit fast gleichgroßen Blaugraden der Linkeschen Skala belegt 
wurde, Dieser Wert ist nun aber keineswegs identisch mit dem Jahresdurch- 
schnittswert der Himmelsbläue nach den Beobachtungen mit der Linkeschen 
Skala, worauf bereits hingewiesen wurde. Dieser Wert liegt um etwa eine Stufe 
dieser Skala höher®). Hieraus ergibt sich, daß die Bezeichnung „mittelmäßig 
blau“ lediglich eine willkürlich festgelegte Marke ist, von der aus die Gedächt- 
nisskala aufgebaut wurde. 
Die Intervalle der Gedächtnisskala betragen im Durchschnitt nach Stufen 
der Linkeschen Skala beurteilt etwa 33% der jeweils vorangehenden Stufe und 
sind verhältnismäßig geringen Schwankungen unterworfen. 
Um ein Urteil über die Gleichwertigkeit dieser Beobachtungen zu erhalten, 
sollen im folgenden einmal die Abweichungen der einzelnen Werte vom zuge- 
hörenden Mittel dargestellt werden, In der nachstehenden Tab, 2 findet man die 
mittleren Schwankungsverhältnisse absolut (d. h.: in Stufeneinheiten der Linke- 
schen Skala) und relativ (d, h.: bezogen auf die zugehörenden Mittelwerte nach 
Tab. 1), Aus verständlichen Gründen wurden die Beobachtungen von 1937 und 
1942 getrennt dargestellt. 
Tabelle 2. 
Durchschnittliche Abweichungen der Beobachtungen vom Mittelwert. 
Tinkesche Skala 
1942 
absolut | relativ 
1 = bläulich-weiß 0.70 20.6% 0.50 15.2% 
2 == hellblau 0.58 11,8 0.53 11.2 
3 = mittelmäßig blau | 0.66 | 10.6 0.51 81 | 
4 = dunkelbau 0.99 11.4 0.50 64 
5 = tiefblau 1.34 11,6 0.50 5.3 
Mittel „.........00... 1 0,85 | 2382 | 051 | 92 
Aus dieser Übersicht zeigt sich, daß die Schwankungsbreite der I. Serie von 1937 
wesentlich größer ist als die der II, von 1942. Die Ursache für diese Erschei- 
nung wird wohl in der zunehmenden Sicherheit und der allmählich genauer 
werdenden Stufenbewertung bei der Gedächtnisskala zu suchen sein, die (worauf 
ja eingangs hingewiesen wurde) weitgehendst von der Erfahrung und Übung des 
Beobachters abhängig sind. Die absoluten Schwankungen der Beobachtungen 
von 1937 und von 1942 verhalten sich wie 1.7:1. Es ist also ein recht beacht- 
licher Unterschied vorhanden, der bei einer einfachen Betrachtung der Mittel- 
werte nicht so sehr zum Ausdruck kam. Infolge der Konstanz der absoluten 
Schwankungen nimmt bei den 1942-Beobachtungen die relative Schwankung 
mit zunehmender Bläue ab. Zu bemerken ist noch, daß den beiden Reihen 
eine annähernd gleiche Anzahl von Einzelbeobachtungen — etwa 200 — zu- 
grunde liegt. 
Nach diesen Ausführungen würde sich nun ja ergeben, daß solche Schätzungen 
der Himmelsfarbe nach einer Gedächtnisskala scheinbar durchaus sicher und 
einwandfrei sind. Das wäre aber auch wohl so, wenn eben keine störenden 
Einflüsse von außen her vorliegen würden. Nach dem, was vorhin über einen 
möglichen Einfluß des simultanen und sukzessiven Kontrastes gesagt wurde, 
müßte sich hier nachweisen lassen, daß bei Anwesenheit hellerer und optisch 
dichterer Wolken geringere Blaustufen nach der Linkeschen Skala einem etwas 
höheren Wert der Gedächtnisskala zugeordnet werden, als nach der Tab. 1 an- 
zunehmen wäre. Wie sich das nun tatsächlich verhält, zeigt eine in Tab. 3 
(s. S. 304) mitgeteilte Auszählung des Beobachtungsmaterials unter diesen Ge- 
sichtspunkten; es lagen aber nur einige wenige Schätzungen vor, etwa 30 Fälle 
deuten das verhältnismäßig gut an (vgl. Abb. 1). 
"23 
Vgl. Anmerkung 18 auf 8. 299,
	        
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