300 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1943,
sehr wohl annehmen, daß die häufig konstatierte mangelhafte Übereinstimmung
verschiedener Beobachter auch zum Teil mit durch diese Umstände bedingt
sein könnte %),
C. Aufbau einer Gedächtmisskala,
Eine Gedächtnisskala kann sich natürlich jeder Beobachter seinen eigenen
Bedürfnissen und Ansprüchen entsprechend zusammenstellen. Es muß dabei aber
auf folgende Punkte hingewiesen werden, die zweckmäßigerweise beachtet werden:
1. Es muß über den Wert und die Definition jeder einzelnen Stufe unbe-
dingte Klarheit herrschen. Anderenfalls ist eine einigermaßen zuver-
lässige und brauchbare Reproduktion der Beobachtungswerte nicht
gut möglich,
Die Skala sollte möglichst gleichwertige Stufenintervalle enthalten.
Die Skala soll nicht zu umfangreich und möglichst klar und einfach
aufgebaut sein, Langatmige und gefühlsvolle Umschreibungen sind
unter allen Umständen zu vermeiden.
Die einfachste und daher sicherste Form einer Gedächtnisskala ist vielleicht
folgende:
Schema I:
Gruppe A: Unter Durchschnitt (sehr schwach, schlecht usw.).
Gruppe B: Im Durchschnitt (mittelmäßig).
Gruppe C: Über Durchschnitt (sehr stark, deutlich, gut usw.).
Hierzu ist noch zu bemerken, daß mit dem Begriff „Durchschnitt“ nicht ein
arithmetischer Mittelwert im üblichen Sinne gemeint ist, der aus einer Reihe
von Einzelwerten ermittelt wird. Es wird unter „Durchschnitt“ vielmehr alles
das zusammengefaßt, was sich in der vorstehenden Skala entweder nicht als
„sehr stark, überaus deutlich“ usw, oder nicht als „sehr schwach, sehr schlecht,
undeutlich“ usw. unterbringen läßt. Die Bezeichnung „Durchschnitt“ ist deshalb
vielleicht etwas ungeeignet. Über die Definition des Begriffes „Durchschnitt“
wird man auch ohne größere Übung wohl ins Reine kommen; liegen erst längere
Beobachtungsreihen vor, so werden sich darüber schon leichter genauere Angaben
machen lassen, wie es im Abschnitt D geschehen soll.
Nun wird dieses Schema I bei den meisten Beobachtungen keineswegs aus-
reichen. Es ist daher angebracht, hierzu noch eine Anzahl von Untergruppen
einzufügen. Es ergibt sich alsdann das folgende Schema II:
Schema II:
Bezeichnung oder Bewertung
erheblich unter Durchschnitt
noch gut unter Durchschnitt
im Durchschnitt
noch gut über Durchschnitt
erheblich über Durehsehnitt.
Gruppe Stufe
Der Verfasser stellte sich nach diesem Schema II für die Schätzung des Himmels-
blaus folgende Reihe zusammen, die den praktischen Bedürfnissen angepaßt noch
um die Stufen 0 und 6 erweitert worden ist.
Stufe 0 =
Stufe 1 =
Stufe 2 ="
Stufe 3 =
Stufe 4 =.
Stufe 5 =
Stufe 6 =
immel) erscheint grau-weiß-bläulich getönt?).
immel erscheint bläulich-weiß ®),
Yimmel erscheint hellblau 24),
Timmel erscheint mittelmäßig blau.
‘immel erscheint dunkelbau.
ilimmel erscheint tiefblau.
ATimmel erscheint schwarz-violett-blau.
Diese Stufenreihe erwies sich für. den Verfasser als die bequemste und günstigste,
womit aber keinesfalls behauptet werden soll, daß dies auch für andere Beob-
achter zutrifft, Eine im Prinzip ähnliche Folge von Stufenbezeichnungen findet
3%) Die Prüfung der Farbentüchtigkeit erfolgt durch die Pseudo-isochromatischen Tafeln von
Stilling oder durch die Punktproben von Nagel. — %) Schmutzige Töne beigemischt. — 23) Sehr
aufgehellt, — %) Lichtes Blau.