Flohn, H.: Witterungs-Singularitäten im Monsunklima Indiens,
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(a +2b-+ce):4], so springt auf den ersten Blick der Beginn des Sommer-
monsuns Anfang Juni ins Auge, der die mittlere Bewölkung (4) binnen knapp
20 Tagen von 38% auf beinahe 70% ansteigen läßt, während die mittlere Tempe-
ratur nur ganz geringfügig (um 1.4° F) zurückgeht. Auch hier ist also die Tempe-
ratur nicht als Witterungsanzeiger geeignet. Die Zahl der Regentage steigt eben-
falls ruckartig an; das beschränkt sich jedoch — aus den angeführten orographi-
schen Gründen — auf schwache Schauer, da weder die Niederschlagsmenge, noch
die Zahl der Starkregentage
mit mindestens 10.0 mm Regen
entsprechend ansteigt, Als ein
schwaches Äquivalent des „klei-
nen Monsuns“ darf offenbar der
geringe Rückgang der heiteren
Tage nach dem 15. April be-
trachtet werden, der sich in den
übrigen Elementen nur eben an-
gedeutet wiederfindet, Recht
auffällig ist eine Häufung von
Regentagen sowie ein ent-
sprechendes Minimum heiterer
Tage um den 19. März, ein Zei:
chen, daß auch die lokalen zy-
klonalen Störungen gewisse ka-
lendermäßige Bindungen zeigen,
deren Überzufälligkeit allerdings
noch geprüft werden müßte. Von
Anfang September bis 10. Ok-
tober (dem mittleren Termin
des „Monsunwechsels“) kommt es
zu lebhaften parallelen Schwan- a
kungen aller Elemente, die (ähn- ufigkeit des Monsunwechsel
lich wie in Mitteleuropa) eine
Folge von mehr heiteren (um
den 10. und 26. September sowie
8. Oktober: letztere Äquivalent ni ae Aurtrlitnd kA LA
der Monsunpause) und mehr “a 3 MICke % #
trüben, regnerischen Perioden Abb. 2. Monsunwechsel in Madras,
{um den 17. September und
1. Oktober) anzeigen, Von verblüffender Schärfe ist (vgl. Abb. 2) der Durchgang
der Konvergenzzone des „Monsunwechsels“ in der Windrichtung selbst aus-
geprägt. In der mittleren Windrichtung (berechnet ohne Berücksichtigung
der Geschwindigkeit) vollzieht sich binnen $ bis 5 Tagen eine Drehung um
volle 120°, wobei allerdings die Beständigkeit in diesen Tagen naturgemäß nur
gering ist. In der Häufigkeit der‘ (in Nordnordost- und Südsüdwesthälfte ge-
teilten) Windrichtungen erkennen wir genau dieselbe rasche Drehung wieder, die
also kein Effekt der Mittelwerte ist. In der Hauptregenzeit des Monsunrückzugs
Oktober/November ist die Gesamtbewölkung schon merklich geringer (54 bis 63 %)
als zu Zeiten des Südwestmonsuns, Die Niederschlagswahrscheinlichkeit unter-
scheidet sich mit 40 bis 60% kaum von der des mitteleuropäischen Sommers. Im
Laufe des Dezembers sinken Bewölkung und Regenhäufigkeit rasch ab, wenn
auch längst nicht so ruckartig, wie beim Einbruch des Sommermonsuns.
Die mittlere Niederschlagsmenge einer 80jährigen Periode (s) wurde nur zu
Vergleichszwecken mit angeführt (Abb. 1, unten). Es kann ihr — auch abgesehen
von der Verschiedenheit der Periode — keine allzu große Bedeutung beigemessen
werden, wenn man bedenkt, daß in diesem tropischen Klima (Madras liegt unter
13° Nord!) ganz exzessive Niederschlagsmengen von bis über 500 mm in 24 Stunden
herniedergehen können, die ein 80jähriges Mittel immer noch um mehr als 6 mın
erhöhen. Eine mittlere tägliche Niederschlagsmenge von maximal 0.93 Zoll