Ann. d. Hydr. usw., LXXI. Jahrg. (1943), Heft VII
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Witterungs-Singularitäten im Monsunklima Indiens.
Von Hermann Flohn (Bad Elster),
Zusammenfassung: Nach einer kurzen Übersicht über den Ablauf des indischen Monsuns
werden die Singularitäten einer Beobachtungsreihe von Madras im einzelnen besprochen und mit
anderen Statistiken TEA Während die Regelmäßigkeit (Präzision) des Monsuneintritts außer-
ordentlich groß ist, darf seine kalendermäßige Pünktlichkeit nicht überschätzt werden. Die. mittleren
Abweichungen der einzelnen Termine betragen mindestens 5 bis 7 Tage, z.T. bis zu 26 Tagen; und
selbst extreme Abweichungen von mehreren Monaten kommen vor.
Es ist ein eigenartiger Umstand, daß die Erforschung der Feingliederung
des Witterungsablaufs, der Witterungs-Singularitäten nach dem Vorgang von
A. Schmauß, sich bisher nahezu ausschließlich mit den europäischen Verhält-
nissen beschäftigt hat, wo diese mehr oder minder regelmäßigen, kalender-
gebundenen Wetterlagen eben doch nur so wenig präzise eintreten, daß sie der
Aufmerksamkeit lange entgehen konnten. Während diese Witterungs-Singulari-
täten in Mittel- und Westeuropa jetzt schon als einigermaßen bekannt gelten
können, existieren für außereuropäische Gebiete (Vereinigte Staaten von Nord-
amerika, Australien, Sibirien, Rom; vgl. die von Schmau$ß (1) kürzlich gegebenen
Literaturzusammenstellungen) nur sehr wenige Arbeiten mit entsprechender Ziel-
setzung, die sämtlich wieder der Zone der gemäßigten Breiten entstammen, in
der durch die Eigenart der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation mit ihren
wandernden oder quasistationären Störungen von einer wirklichen Regelmäßig-
keit des Witterungsablaufs kaum gesprochen werden kann. Hingegen fehlt es
(wenigstens in den beiden letzten Jahrzehnten) völlig an Arbeiten für die
tropisch-subtropische Zone, der man so lange fälschlicherweise die Identität
von Klima und Wetter nachgesagt hat. So ist die Regelmäßigkeit, die Präzision
im kalendermäßigen Eintreffen der als bekannt vorauszusetzenden Witterungs-
Singularitäten, wie etwa Beginn und Ende der Regenzeit in der äquatorialen
Kalmenzone, Ausbruch und Ende des Monsuns in Südostasien, bisher anscheinend
noch kaum untersucht worden, Die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung
wurde erst kürzlich bei einem zusammenfassenden Überblick über die kalender-
mäßige Bindung des Witterungsablaufs (2) betont. Das Fehlen von Singularitäten-
arbeiten in den Tropen ist um so mehr zu bedauern, als dadurch ein objektiver
Vergleichsmaßstab für die (verschiedentlich umstrittene) Präzision der Witterungs-
Singularitäten unserer Breiten fehlte. Auch für die außertropischen Monsunklimate
Ost- und Innerasiens ist wohl des öfteren auf das recht präzise Eintreten der
Singularitäten hingewiesen worden (Haude), ohne daß dies jedoch an längeren
Beobachtungsreihen geprüft worden wäre.
Um nun einen solchen Vergleichsmaßstab zu gewinnen, soll hier eine 30 Beob-
achtungsjahre (1861 bis 1890) umfassende, bequem erreichbare Extensoveröffent-
lichung von Madras (s) in der gleichen Weise ausgewertet werden, wie das bei
zahlreichen Beobachtungsreihen unserer Breiten geschehen ist. Zwar existiert
im Anschluß an diese Veröffentlichung bereits eine Zusammenstellung täglicher
Mittelwerte (4), die jedoch für unsere speziellen Vergleichszwecke überwiegend
wenig brauchbar erscheinen. Denn sie sind aus Pentadenmitteln durch graphische
Ausgleichung und Interpolation gewonnen, verdecken also manche der uns inter-
essierenden Einzelheiten, Nur für die Niederschlagsmenge sind 80jährige
Originalmittel 1813 bis 1892 für jeden Tag mitgeteilt, die zum Vergleich mit
herangezogen werden sollen. Aus den in extenso veröffentlichten Tagesmitteln
(deren Berechnung nicht immer ganz klar ist) wurde die Anzahl der Tage mit
mindestens 0.01 bzw. 0.40 Zoll (= 0.25 bzw. 10.0 mm) Niederschlag sowie die der
Tage mit einer mittleren Bewölkung von höchstens 30% (heitere Tage) bzw.
mindestens 70% (trübe Tage) ausgezogen. Für die Zeit des Monsunwechsels im
Herbst wurde auch die Windrichtung ausgezogen.
Bevor wir jedoch auf die Betrachtung dieser Ergebnisse im einzelnen ein-
gehen, muß zum besseren Verständnis kurz noch einmal der Ablauf des
indischen Monsuns im großen geschildert werden.” Denn Madras gehört mit
Ann. d. Hyör. usw. 1943, Heft VII.