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Full text: 71, 1943

Meißner, O.: Vergleichende Betrachtungen der Mitteltemperaturen von Berlin usw. 
a. 
Vergleichende Betrachtungen der Mitteltemperaturen 
von Berlin, Leipzig, Prag und Wien. 
Von Otto Meißner, Potsdam. 
EL Teil. Jahrzehntemittel der Jahrestemperaturen und Vergleichung 
der Unterschiede der Stationen, 
1. Einleitung. Nachdem neuerdings langjährige und nach den Angaben der 
Herausgeber, an denen zu zweifeln kein Grund vorliegt, zuverlässige Beob- 
achtungsreihen der Temperatur von Prag und Wien!) der Öffentlichkeit zu- 
gänglich gemacht sind, lohnt es sich wohl, diese mit der langen Berliner Reihe 
und der von Leipzig*) zu vergleichen, Es sollen in dieser 1. Mitteilung nur die 
Jahresmittel der Temperatur verglichen werden. Um es hier gleich vorweg zu 
sagen, so stellt sich bei den Differenzen mehrfach ein Gang heraus, der un- 
möglich auf noch vorhandene Fehlerreste, etwa durch Verlegung der Station, 
zurückzuführen ist; eine mögliche Annahme über die Ursache soll am Schluß 
dieser Mitteilung gegeben werden, 
2. Jahrzehntemittel der Stationen. Zunächst müssen hier wohl die Werte der 
Jahrestemperaturen selbst gegeben werden; da es.in extenso weder möglich noch 
nötig ist, gebe ich Jahrzehntemittel nebst den unumgänglich nötigen Streuungen; 
ferner für Berlin, Wien und Leipzig die Differenzen der Jahrzehntemittel nebst 
den Streuungen (eben derenwegen) und die Korrelationsfaktoren für die Einzel- 
jahre innerhalb jedes Jahrzehntes. Außer dem Gesamtmittel jeder Reihe, das 
nur bei Prag und Wien sämtliche Jahrzehnte von 1781—1930 umfaßt, sind noch 
50jährige Mittel angegeben, wo.das Material es zuließ. 
Die Tab. 1 (siehe S. 26) bildet also die Grundlage für die Untersuchungen 
dieser Mitteilung. 
8. Allgemeine Bemerkungen zu Tab. 1. Die Gesamtwerte jeder Reihe sind, 
weil auf verschieden langen Beobachtungszeiten beruhend, nicht streng ver- 
gleichbar. Darüber nachher; aber auch die 50jährigen Mittel zeigen, daß sich 
die Stationen für diese Zeiten nicht völlig gleichartig verhalten. Das kommt 
sowohl in den „zeitlichen Korrelationsfaktoren“ (abgekürzt: Kff.) zum Ausdruck 
wie auch in den Stationsdifferenzen, Das kann nun nicht auf Fehlern einer 
Station beruhen (Anderung der Lage, der. Ablesetermine, etwaige Beobachter- 
fehler). Denn sonst könnten die Kff. der Jahrzehntemittel nicht so hohe Werte 
zeigen. Es müssen also langsam verlaufende Änderungen sein; Sprünge in 
einzelnen Jahren, die hier nicht wiedergegeben werden können, sind auch nur 
sehr selten, da sonst die Kff. ebenfalls kleiner sein müßten. 
4. Die Temperaturwerte selbst. Die Mittel der Jahrestemperaturen zeigen, 
daß die Temperaturerhöhung in den letzten Jahren doch nicht so unerhört war, 
wie gelegentlich angenommen wird, denn wenigstens in Prag und Wien ist das 
erste 50jährige Mittel, von 1781—1830, höher als das letzte von 1881—1930, 
Allerdings zeigt der große „zeitliche Kf.“ beider Stationen für dies letztere 
Mittel einen Anstieg innerhalb des Zeitintervalles an! Bei Berlin ist er schon 
im mittleren Zeitraum groß; Näheres weiter unten. ; 
5. Die Streuungen, Was die Streuungen betrifft, so müßten zunächst die in 
der Mittelwerispalte neben den Werten stehenden Streuungen, weil auf die 
Einzeljahre zurückgehend, außer in den Spalten 5 bis 7, dreimal größer sein 
als die unter ihnen stehenden. Sie sind aber bei dem Gesamtmittel nur etwa 
halb so groß. Die einzelnen Jahrzehntemittel weichen also stärker als zu 
erwarten voneinander ab. Das deutet auf Schwankungen von längerer als 
10jähriger Dauer, Aber bei der Größe des „zeitlichen Kf,“ sind sie nicht der 
völlig wahre Ausdruck für die Veränderlichkeit. Vielmehr müßte ein, zunächst 
lineares, Zeitglied eingeführt werden, mit dem die einzelnen Jahre reduziert 
*) V. Hlayä?, Die 165jährige Prager Temperaturreihe, Met. Zsch, 1940, S, 267 ff, — Jahrbuch 
der Zentralanstalt f. Met 1938, Anhang A (3. Folge, Bd. 1), Wien 1940. — % Nägler, Statistik der 
ne A Si lt ss von Leipzig (1831—1935); Berichte Sächs, Akad, d. Wiss, LXXXVI. Band 
(Leipzig 1936).
	        
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