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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1943, 
Verschiebung zwischen zwei ebenfalls sehr ungleich langen und aufeinander- 
folgenden Fleckenperioden ließ sich in dem zweiten Zeitabschnitt einführen. Die 
so gewonnenen Werte sind in den Tab. 3 und 4 in den beiden letzten Reihen 
wiedergegeben. Die dann noch klarer werdenden Wellen (mit der großen 
Amplitude von 2?/,° und sehr gleichmäßigem Gang!) würden also bedeuten, daß 
der Temperaturgang sich strenger an eine elfjährige Periode hält als der 
Fleckengang, und das könnte etwa so gedeutet werden, daß gar nicht die 
Sonnenflecken die Ursachen des Temperaturganges sind, sondern beide Er- 
scheinungen etwa durch irgendeine dritte bedingt sind. Portig macht auf 
anderem Wege eine Unabhängigkeit von Sonnenflecken- und elfjähriger Tempe- 
ratur-Periode wahrscheinlich. 
Bei Prag scheint mir nun das so gegensätzliche Verhalten verschiedener 
Zeitabschnitte eine einleuchtende Erklärung zuzulassen, wobei ich an meine 
Untersuchung von 1918 anknüpfen kann, Sie führte damals zu dem Ergebnis, daß 
der Schwankungssinn in der elfjährigen Periode einen regionalen Gegensatz 
zeigt zwischen dem östlichen und inneren Teil des außertropischen Amerika und 
der vom Golfstrom beherrschten Flanke Nordwesteuropas, daß in Amerika die 
Flecken -Maximalepochen, in Europa aber die -Minimalepochen kältere Winter 
im Gefolge haben, und daß sich auch Erscheinungen des Meeres dem Bilde ein- 
fügen. Unter den hieran anknüpfenden Untersuchungen anderer Autoren wurde 
dann am wichtigsten die Feststellung von B. Droste‘), daß auch andere größere 
Regionen der nördlichen Halbkugel sich gegensätzlich verhalten, und daß die 
großen Aktionszentren dafür maßgebend sind, ob die Reaktion auf die Flecken- 
periode im Sinne der Golfstromflanke Europas (wir wollen es kurz bezeichnen 
als maritim) oder im Sinne der amerikanischen Polarseite (kontinental) erfolgt. 
Droste hat dies auch in einer Karte der Nordhalbkugel niedergelegt. Wenn 
man jetzt darin die Lage von Prag mustert, so ergibt sich zwar eine Zuge- 
hörigkeit zum maritimen Regime, aber zugleich eine nahe Nachbarschaft zum 
kontinentalen, also eine Grenzlage, Es erscheint demnach möglich, daß hier 
gleichsam die beiden Herrschaftsbereiche miteinander im Kampf liegen und daß 
auf diese Weise durch eine Reihe von Fleckenperioden einmal die mari- 
time Reaktion standhält, um dann wieder unvermittelt oder nach 
regellosem Übergang der kontinentalen Platz zu machen und umge. 
kehrt. Im ersten Abschnitt (1775—1825) reagierte also Prag im maritimen Sinn, 
danach bis 1845 kontinental, dann unregelmäßig, danach wieder kontinental. Was 
sich als regionaler Gegensatz zwischen den verschiedenen Aktionszentren 
äußert, scheint in einer Grenzlage zwischen ihnen zu einem zeitlich wech- 
selnden Verhalten zu führen, das aber nicht auf völlige Regellosigkeit hinaus- 
läuft, sondern eben auf zeitlich begrenzte klare Einfügung in das eine oder 
andere Regime, 
Auffällig ist übrigens betreffs des Zeitraumes von 1845 bis 1866, daß auch 
bei meiner Untersuchung des Eises der Davisstraße, und ebenso im Bereich der 
atlantischen Zirkulation bei den Orkney-Inseln, sich für die 50er und 60er Jahre 
eine gewisse Unregelmäßigkeit ergab. Ferner sei noch auf folgenden Zusammen- 
hang mit der weit entfernten Davisstraße hingewiesen, ohne daß zuerst eine Er- 
klärung gegeben werden kann. Durch die von mir seinerzeit gegebene Kurve 
der Eisstärke in der Davisstraße (Ann. d. Hydr. 1939, Tafel 3) läßt sich eine 
Wellenlinie ziehen, die den hier beigefügten Verlauf hat. Sie zeigt einen kleinen 
und einen großen Wellenberg, und zwar fast genau in den beiden Zeiträumen 
kontinentaler Reaktion von Prag, dem kurzen von 1825 bis 1845 und dem längeren 
von 1866 bis 1911. 
1) B. Droste, ‘Die elfjährige Sonnenfleckenperiode und die Temperaturschwankungen auf der 
nön lichen Ep tökugel in jahreszeitlicher und regionaler Differenzierung. Meteorol. Zischr. 1924,
	        
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