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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1943,
nomen, da so nahen, besonders wichtigen Welt-
körpers und wird sicher neben diesen auch allen
denen, die von einem anderen Wissenschaftszweige
her Berührung mit der kosmischen Physik haben
oder suchen, gute Dienste leisten, obwohl — wie
ausdrücklich im Vorwort des Verfassers erwähnt —
die terrestrischen Wirkungen der solaren Vorgänge
in ihm nicht besonders behandelt werden, Es mag
erstrebenswert erscheinen, daß bei einer späteren
Neuauflage auch diese Übergangsgebiete wenigsteus
kurz behandelt werden, oder daß die schöne
Sammlung der „Probleme der kosmischen
Physik“, durch die sich der leider kürzlich ver-
storbene Herausgeber Christian Jensen ein
bleibendes Verdienst erworben hat, diesen Zu
sammenhängen mit den terrestrischen Erschei-
nungen einen besonderen Band widmen würde,
[m Sinne des Herausgebers, der noch verschiedene
Bände geplant und zum Teil sehon vorbereitet hat,
würde dies sicher liegen, wie der Unterzeichnete
aus langjähriger Zusammenarbeit mit ihm zu ver-
sichern imstande ist, Da der Verlag, der auch
dieses Werk wieder in mustergültig guter tech:
nischer Ausstattung herausgebracht hat, beab-
sichtigt, die Sammlung der „Probleme der
Kosmischen Physik“ im Geiste des bi-herigen Her.
ausgebers fortführen zu lassen, würde hıerzu Ge:
legenheit gegeben sein. A. Schwaßmann.
Praktische Orkankunde, Manövrieren in Stürmen.
Von Kapitän L. Schubart, Oberregierungsrat
und Abteilungsvorstand der Deutschen Seewarte
a. D., Leiter der Sammelstelle für Fahrtergeb-
nisse der Schiffbauversuchsanstalt, Zweite, neu-
bearbeitete Auflage. Verlag E. S. Mittler & Sohn,
Berlin 1942, Preis gebunden 12,— RM. 156 8.
117 Abbildungen,
Der Verf, hat das Buch in der neuen Auf-
lage verbessert durch Anpassung an die neuesten
Forschungsergebnisse der Meteorologen; er hat es
bereichert durch Hinzufügung von neuen Bei-
spielen und durch Aufnahme eines Aufsatzes übeı
Resonanzen von Kapitän Möckel, der manche
zum weiteren Siudium dieses wichtigen Gebietes
anregen wird, Der 3. Teil, Gemäßigte Zone, ist
als entbehrlich fortgefallen.
Kapitän Schubart ist es gelungen, aus den
grundlegenden Veröffentlichungen von Scherhag,
Rodewald und Seilkopf über die Entstehung
der Orkane das Wesentliche in Kürze und Klarheit
herauszuheben. Man ersieht aus diesen Zusätzen
sowie aus der Auswahl der neuen Beispiele und
Abbildungen, daß der Verf, trotz seines hohen
Alters, ohne daß ihm etwas enteing, ganz bei deı
Sache geblieben ist, die ihn lange Jahre beschäftigte.
Die 2. Auflage wurde im Auftrage des Ober-
kommandos der Kriegsmarine beschleunigt heraus-
gegeben, woraus hervorgeht, daß man in maß-
gebenden Stellen den hohen Wert und die Wichtig-
keit des Werkes erkannt hat, so daß weitere
Empfehlungen überflüssig sind, Anerkennung ge-
bührt auch dem altbewährten Verlag für die
echnelle und trotzdem sorgfältige Herstellung und
das ansprechende Außere des Buches,
Wenn der von einigen Nautikern begrüßte
Vorschlag von Kapitän Luensee in der Be
eprechung der 1. Auflage .(Seewart 34, 8. 129)
eine gekürzte Fassung zum Gebrauch an Bord
herauszugeben, jetzt noch bei fahrenden Nautikern
Widerhall findet, so wird sich das wohl noch
einmal verwirklichen lassen,
Gustav Schröder.
Nauticuss. Jahrbuch für Deutschlands Seeinter-
essen. Hrsg. auf Veranlassung des Oberkom-
mandos der Kriegsmarine von Admiral z, V.
Gottfried Hansen, 26, Jahrg. 1913, Verlag
E. S. Mittler & Soho, Berlin, 395 S., 88 Abb.,
1 Übersichtskarte,
Der Band gewährt, wie in jedem Jahre, wieder
eine Schau über das Geschehen unserer Zeit mit
besonderer Blickrichtung auf den Stand der Schiff-
fahrt und der Luftfahrt, Nicht nur ein Überblick
über die milıtärischen Vorgänge des gegenwärtigen
Krieges und die Leistungen Deutschlands und
seiner Verbündeten wird gegeben /Konteradmiral
Gadow: Marinepolitische Umschau und
Überblick über den Verlauf des Seekrieges
von Olet, 1941 bis Ende Sept. 1942; Vizeadmiral
Fioravanzo: Die italienische Marine im
zweiten Kriegsjahre; Konteradmiral Yokoi:
Geschichte des Kampfes der japanischen
Kriegsmarine im Groß-Ostasiatischen Krieg]
— wir werden zu tieferem Verständnis der Krieg-
jührung an sich gebracht, Im Vergleich zum
Weltkrieg 1914/18 wird die heutige seestrategische
Lage beleuchtet. Der ausgedehnteste Serkrieg seit
Menschengedenken erfüllt unsere Zeit, Die füh-
tenden_ Völker der Erde trachten nach Sicherung
Ihrer Lebens- und Versorgungsräume und der
See-) Verbindungswege zwischen ihnen. Die
Interessen überschneiden sich zum Teil; alte See-
mächte werden von jungen, aufstrebenden, ab-
gelöst. Der Krieg wird zum reinen Wirtschafts-
krieg: es handelt sich nicht so sehr darum, des
Gegners Streitmacht außer Gefecht zu setzen als
darum, ihm seine Lebensgrundlagen zu nehmen
(Vizeadmiral Assmann: Wandlungen der
Seekriegführung]. Die Machtgebiete werden
blockartig erweitert. Überseeische Positionen
sind angreifbarer geworden; neue Waffen er-
möglichen das Überwinden größerer KEntfer-
aungen (Seemacht ohns Luftwaffe ist nicht
mehr denkbar!); die englische Stützpunktpolitik
ıst am Ende /Konteradmiral z. V. Donner:
Die Veränderung der Stützpunktpolitik
und -strategie durch die neuzeitlichen See-
und Luftkampfmittel], Ein Staat wirkt von
seinem geschlossenen Raum aus jedoch über die
Seegrenze hinaus. Dem Auftreten zur See ent-
spricht das Ansehen unter den Völkern, Wo
Schiffbau und Luftfahrzeugbau am besten ent-
wickelt sind (den Hochstand deutscher Technik
bezengte das Schlachtschiff „Bismarck“), erwirbt
sich ein Volk den Vorrang vor anderen, Zwei
Arbeiten unterrichten über Kriegs- und Handels-
schiffbau /Marine-Ministerialrat Evers: Be-
merkungen zum neuzeitlichen Kriegsschiflbau;
Prof. Dr.-Ing. Schnadel: Die Entwicklung
des Handelsschitfbaus im Auslande während
des Krieges]. Dem Flugzeug sind allerdings, wie
dem Schiff, Grenzen in der Größe gesetzt, Hier
die Möglichkeiten noch zu untersuchen und zu
entwickeln, ist eine Aufgabe der Zukunft /Dr.-Zng.
Petzold: Probleme des Verkehrstlugzeuges
mit wachsender Größe], ebenso wie die Erkun-
dung großer Höhen, deren atmosphärische Ver-
hältnisse dem Reiseflug am günstigsten sind
[Prof. Dr.-Ing. Hansen: Der, Flug in der
Stratosphäre]. Ja, Physik und Technik werden
zu ursächlichen Gestalterinnen im Weltgeschehen!
Und ist nicht dieser zweite Weltkrieg vor allem
auch ein Forschungskrieg, in welchem den Gewinn
daronträgt, wer sich ihrer am besten zu bedienen