Neuere Veröffentlichungen.
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warte und auf seine eigenen wertvollen Beobach-
tungen mit neuzeitlichen Apparaturen wie z. B.
dem Koronographen und zugleich wohl bewander!t
in den modernen theoretischen Erklärungen der
beobachteten Sonnenphänomene, e8 in dem vor-
liegenden Buche unternommen hat, eine bis in die
Gegenwart reichende Zusammenstellung der Beob-
achtungsergebnisse der Sonnenforschung und ihreı
Deutung zu geben. Das Buch ist in knapper,
räziser Form und dabei so flüssig geschrieben,
daß es nicht nur von Fachgenossen oftmals zur
Hand genommen, sondern auch von weiteren,
naturwissenschaftlich interessierten Kreisen gern
und mit Nutzen gelesen werden wird. Als be-
sonders wertvoll erscheint es, daß die für die
theoretische Deutung der Phänomene erforderlichen
Formeln kurz und doch von ihren Grundlagen
beginnend zusammengestellt sind, so daß auch dem
noch nicht näher mit dem Gegenstand Vertrauten
leicht ein klarer Einblick in die bereits geleistete
Arbeit wie in die bestehenden ungelösten Probleme
der Sonnenforschung gewährt wird, 80 z. B, bei
der Behandlung unseres jetzigen Wissens über den
inneren Aufbau der Sonne, ihre Energieerzeugung
auf Grund von Kernreaktionen im Innern der
Sonne — Aufbau schwererer Kerne aus Wasserstoff,
dem nach gegenwärtiger Meinung Hauptbaustoff
der Sonne —, das Strahlungsgleichgewicht der
Sonnenphotosphäre, die Anwendung der Ionisations-
theorie auf die Entstehung der Spektrallinien (Ge-
samtintensität und Intensitätsverlauf innerhalb der-
selben), besonders auch der dunklen Linien im
Spektrum der Sonnenflecke, in dem jetzt Molekül-
banden nachgewiesen sind, und_ der hellen Linien
der Chromosphäre bei ihrem Übergang von Ab-
sorption zu Emission an der Photosphärengrenze,
der auch bildlich durch eine Campbellsche
Finsternisaufnahme aus dem Jahre 1905 besonders
anschaulich dargestellt ist (Abb. 1), wie denn
überhaupt alle Wiedergaben photographischer
Sonnenanfnahmen ebenso wie die Textfiguren als
wohl gelungen bezeichnet werden können, Dies
gilt namentlich auch von den moönochromatisch,
im Lichte einer bestimmten Spektrallinie oder
eines bestimmten Teiles derselben aufgenommenen
Bildern der verschiedenen Schichten der Chromo-
sphäre mit den in ihr aufragenden Protuberanzen,
Von ganz besonderem Interesse aber ist das
Schlußkapitel über die Sonnenkorona, Diese bis
vor kurzem nur bei den immerhin seltenen Ge-
legenheiten totaler Sonnenfinsternisse sichtbare,
dann aber äußerst eindrucksvolle Lichterscheinung
einer bis zu mehreren Sonnenradien den dabei
abgeblendeten Sonnenkörper umgebenden Aureole
Jäßt sich seit kurzem wenigstens in ihren inneren
Teilen jederzeit bei hellem Tage durch photo-
graphische Aufnahmen mit Farbfiltern oder auch
im monochromatischen Lichte der Emissionslinien
der Korona, namentlich der grünen und der roten
{4 5303 und 6375 A), verfolgen, nachdem es ge-
lungen ist, das störende Streulicht durch eine
geeignete Apparatur zu beseitigen !)., Die aus den
wechselnden Konturen der Korona schon lange
vermutete und im Jahre 1928 von Ludendorff
zahlenmäßig nachgewiesene, periodische Ver-
') Die erste Koronaaufnahme „außerhalb einer
Finsternis“ gelang dem französisehen Astrophysiker
Bernard Lyot im Juli 1931 mit dem von ihm
konstruierten Koronographen auf dem besonders
hierfür errichteten Observatorium auf dem Pic du
Midi in den Pyrenäen.
änderung ihrer Gestalt im Gleichtakt mit der
Ab- und Zunahme der Fleckenhäufigkeit wird
durch diese neuen Beobachtungen außerhalb der
Finsterniszeiten vollauf bestätigt. Waldmeier
hat aus seinen Aufnahmen der grünen und roten
Koronalinie sogar zeigen können, daß die mittlere
Lage der Koronastrahlen sich in den Jahren von
1939 zu 1940 fast genau wie die Fleckenzone von
15° zu 10° Sonnenbreite verschoben hat. Auch
die Teilnahme des Gebildes der Korona an der
Abb. 1. Spektrum des Sonnenrandes,
Ubergang von Photosphäre zu Chromosphäre. In der
Mitte die Wasserstofilinie H,, die reichlich 10000 km
über die Photosphäre hinauf reicht.
Rotation des Sonnenkörpers ist erwiesen, ebenso
die Geschwindigkeit ihrer Ausstrahlungen fest-
stellbar, und selbst der bislang immer rätselhaft
zebliebene, atomare Ursprung der Emissionslinien
Jer Korona, von denen man zurzeit 25 (A zwischen
3328 und 10798 A) kennt, ist seit 1939 durch die
Untersuchungen voo Grotian und Edien auf-
gedeckt, Es handelt . sich zumeist um stark
jonisierte Eisen- bzw. Nickel- oder auch Kalzium-
linien, Die Korona sendet außerdem weißes,
polarisiertes Licht aus, das spektral betrachtet die
gleiche Energieverteilung wie das Sonnenlicht und
zudem die gleichen : dunklen Fraunhoferschen
Linien wie dieses aufweist. Es ist anzunehmen,
daß dieser Teil des Koronalichtes an den Partikeln
der Korona (Elektronen, Ionen, Atomen) gestreutes
Sonnenlicht ist, Die Gesamthelligkeit der Korona
beträgt nach den bisberigen Finsternismessungen
chne große Schwankungen 0.5 Vollmondshellig-
keiten, also etwa 1 Millionstel der Sonnenhelligkeit,
Die vorliegende Monographie der Sonne um-
[aßt, wie aus dem Vorstehenden bereits zu er-
kennen. alle Gebilde dieses für unser irdisches
Leben so bedeutungsvollen und für die Astro-