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Full text: 71, 1943

Neuere Veröffentlichungen. 
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warte und auf seine eigenen wertvollen Beobach- 
tungen mit neuzeitlichen Apparaturen wie z. B. 
dem Koronographen und zugleich wohl bewander!t 
in den modernen theoretischen Erklärungen der 
beobachteten Sonnenphänomene, e8 in dem vor- 
liegenden Buche unternommen hat, eine bis in die 
Gegenwart reichende Zusammenstellung der Beob- 
achtungsergebnisse der Sonnenforschung und ihreı 
Deutung zu geben. Das Buch ist in knapper, 
räziser Form und dabei so flüssig geschrieben, 
daß es nicht nur von Fachgenossen oftmals zur 
Hand genommen, sondern auch von weiteren, 
naturwissenschaftlich interessierten Kreisen gern 
und mit Nutzen gelesen werden wird. Als be- 
sonders wertvoll erscheint es, daß die für die 
theoretische Deutung der Phänomene erforderlichen 
Formeln kurz und doch von ihren Grundlagen 
beginnend zusammengestellt sind, so daß auch dem 
noch nicht näher mit dem Gegenstand Vertrauten 
leicht ein klarer Einblick in die bereits geleistete 
Arbeit wie in die bestehenden ungelösten Probleme 
der Sonnenforschung gewährt wird, 80 z. B, bei 
der Behandlung unseres jetzigen Wissens über den 
inneren Aufbau der Sonne, ihre Energieerzeugung 
auf Grund von Kernreaktionen im Innern der 
Sonne — Aufbau schwererer Kerne aus Wasserstoff, 
dem nach gegenwärtiger Meinung Hauptbaustoff 
der Sonne —, das Strahlungsgleichgewicht der 
Sonnenphotosphäre, die Anwendung der Ionisations- 
theorie auf die Entstehung der Spektrallinien (Ge- 
samtintensität und Intensitätsverlauf innerhalb der- 
selben), besonders auch der dunklen Linien im 
Spektrum der Sonnenflecke, in dem jetzt Molekül- 
banden nachgewiesen sind, und_ der hellen Linien 
der Chromosphäre bei ihrem Übergang von Ab- 
sorption zu Emission an der Photosphärengrenze, 
der auch bildlich durch eine Campbellsche 
Finsternisaufnahme aus dem Jahre 1905 besonders 
anschaulich dargestellt ist (Abb. 1), wie denn 
überhaupt alle Wiedergaben photographischer 
Sonnenanfnahmen ebenso wie die Textfiguren als 
wohl gelungen bezeichnet werden können, Dies 
gilt namentlich auch von den moönochromatisch, 
im Lichte einer bestimmten Spektrallinie oder 
eines bestimmten Teiles derselben aufgenommenen 
Bildern der verschiedenen Schichten der Chromo- 
sphäre mit den in ihr aufragenden Protuberanzen, 
Von ganz besonderem Interesse aber ist das 
Schlußkapitel über die Sonnenkorona, Diese bis 
vor kurzem nur bei den immerhin seltenen Ge- 
legenheiten totaler Sonnenfinsternisse sichtbare, 
dann aber äußerst eindrucksvolle Lichterscheinung 
einer bis zu mehreren Sonnenradien den dabei 
abgeblendeten Sonnenkörper umgebenden Aureole 
Jäßt sich seit kurzem wenigstens in ihren inneren 
Teilen jederzeit bei hellem Tage durch photo- 
graphische Aufnahmen mit Farbfiltern oder auch 
im monochromatischen Lichte der Emissionslinien 
der Korona, namentlich der grünen und der roten 
{4 5303 und 6375 A), verfolgen, nachdem es ge- 
lungen ist, das störende Streulicht durch eine 
geeignete Apparatur zu beseitigen !)., Die aus den 
wechselnden Konturen der Korona schon lange 
vermutete und im Jahre 1928 von Ludendorff 
zahlenmäßig nachgewiesene, periodische Ver- 
') Die erste Koronaaufnahme „außerhalb einer 
Finsternis“ gelang dem französisehen Astrophysiker 
Bernard Lyot im Juli 1931 mit dem von ihm 
konstruierten Koronographen auf dem besonders 
hierfür errichteten Observatorium auf dem Pic du 
Midi in den Pyrenäen. 
änderung ihrer Gestalt im Gleichtakt mit der 
Ab- und Zunahme der Fleckenhäufigkeit wird 
durch diese neuen Beobachtungen außerhalb der 
Finsterniszeiten vollauf bestätigt. Waldmeier 
hat aus seinen Aufnahmen der grünen und roten 
Koronalinie sogar zeigen können, daß die mittlere 
Lage der Koronastrahlen sich in den Jahren von 
1939 zu 1940 fast genau wie die Fleckenzone von 
15° zu 10° Sonnenbreite verschoben hat. Auch 
die Teilnahme des Gebildes der Korona an der 
Abb. 1. Spektrum des Sonnenrandes, 
Ubergang von Photosphäre zu Chromosphäre. In der 
Mitte die Wasserstofilinie H,, die reichlich 10000 km 
über die Photosphäre hinauf reicht. 
Rotation des Sonnenkörpers ist erwiesen, ebenso 
die Geschwindigkeit ihrer Ausstrahlungen fest- 
stellbar, und selbst der bislang immer rätselhaft 
zebliebene, atomare Ursprung der Emissionslinien 
Jer Korona, von denen man zurzeit 25 (A zwischen 
3328 und 10798 A) kennt, ist seit 1939 durch die 
Untersuchungen voo Grotian und Edien auf- 
gedeckt, Es handelt . sich zumeist um stark 
jonisierte Eisen- bzw. Nickel- oder auch Kalzium- 
linien, Die Korona sendet außerdem weißes, 
polarisiertes Licht aus, das spektral betrachtet die 
gleiche Energieverteilung wie das Sonnenlicht und 
zudem die gleichen : dunklen Fraunhoferschen 
Linien wie dieses aufweist. Es ist anzunehmen, 
daß dieser Teil des Koronalichtes an den Partikeln 
der Korona (Elektronen, Ionen, Atomen) gestreutes 
Sonnenlicht ist, Die Gesamthelligkeit der Korona 
beträgt nach den bisberigen Finsternismessungen 
chne große Schwankungen 0.5 Vollmondshellig- 
keiten, also etwa 1 Millionstel der Sonnenhelligkeit, 
Die vorliegende Monographie der Sonne um- 
[aßt, wie aus dem Vorstehenden bereits zu er- 
kennen. alle Gebilde dieses für unser irdisches 
Leben so bedeutungsvollen und für die Astro-
	        
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