Dur
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1943,
Der Einfluß der Unterlage auf das boden-
nabe Klima
mögen kurz auf den Inhalt hinweisen. Dabei sei
erwähnt, daß außer den Hauptelementen Strahlung,
Temperatur, Feuchte und Wind auch optische
und akusti-che Erscheinungen behandelt werden.
So wird u, a. aich das Schallklima besprochen,
das allerdings nicht nur von den atmosphärischen
Bedingungen und Elementen abhängig ist, sondern
auf das sıch auch Gestalt, Bepflanzung und Be-
bauung des Geländes auswirken, Da die kurz:
welligen Lärmgeräusche, die den Menschen quälen,
recht wenig um Hindernisse herumgebeugt werden —
im Gegensatz zu den tiefen langwelligen Tönen
eines Geschützdonners z. B. — ergeben sich 80
auch wichtige Hinweise für die Auswahl Järmfreier
Baugrundstücke,
Diese Hinweise auf praktische Anwendungen
der gewonnenen Erkenntnisse findın sich aber
hauptsächlich im zweiten Teil: „Das Mikroklima
in seinen Beziehungen zur Geländegestaltung,
zu Pflanze, Tier und Mensch.‘ Kann mau den
ersten Teil als den theoretischen bezeichnen, 80
wäre der zweite Teil mit ‚Angewandte Mikro-
klimatologie‘‘ zu überschreiben. Dieser Teil ist
fast ganz neu hinzugekommen, und in ihm wird
gerade der Praktiker seine fruchtbarsten Anre
gungen erhalten. In vielfältiger Form finden sich
hier die Hinweise auf die praktischen Anwen-
dungen der Beobachtungstatsachen, Zum Teil
geschieht dies in abgeschlossenen Kapiteln wie:
„Vom Geltungsbereich meteorologischer Sta-
Hionen“ („An Stelle einer Erweiterung des
Stationsnetzes durch Errichtung neuer Stationen
tritt eine Erweiterung des Geltungsbereiches jeder
Station durch die Erkeontnis“) oder: „Die be-
wußte Beeinflussung des Mikroklimas durch
den Menschen“ oder endlich: „Die Bekämpfung
des Schadenfrostes.“ Zum Teil sind es abeı
auch nur vereinzelt eingestrente Hinweise, wie
z. B. auf S. 323, wo an Hand der Windverhältnisse
innerhalb ‚einer Baumgruppe auf äholiche Ver-
hältnisse eines Häuserblockes hingewiesen wird.
Hierbei wird dann erklärt, weshalb in einigen
Häusern die Kamine nicht richtig arbeiten können,
und daß durch Anpflanzen von Bäumen auf dem
Hof Abhilfe geschaffen werden könnte,
Gerade die Hinweise auf die praktischen An-
wendungen der gewonnenen Erkenntnisse, wenn
Hatürlich auch nur stichwortartig, echeinen mir
ein wesentliches Kennzeichen des vorliegenden
Buches zu sein, und dies ist wohl nicht zuletzt
darauf zurückzuführen, daß der Verfasser durch
seine Freilandversuche auf forstmeteorologischem
Gebiet gerade auch auf die Notwendigkeit der
praktischen Anwendungen der gewonnenen Beob-
achtungstatsachen hingewiesen wurde,
Das Mikroklima mit seinen extremen Unter-
schieden auf kürzeste Entfernungen, ja mit seinen
Extremen überhaupt — so wurde in einer Doline
{Gstettneralm}) in einer Nacht eines nicht einmal)
zehr kalten Winters — 51°C beobachtet! — ist
für das ganze organische Leben — Flora wie
Fauna — von 8sO ausschlaggebender Bedeutung,
daß man dem Verfasser dankbar sein muß, daß
er diesen wichtigen Wissenszweig lehrbuchartig
zusammengefaßt hat. Baustein für Baustein ist
zusammengetragen und sorgfältig zusammengefügt
zu einem Werk, das in der angewandten Klima.
tologie einzigartig dasteht, wobei auch gerade die
Vielfalt des Inhaltes hervorzuheben ist. Und wenn
sich z. B. in den beiden letzten Abschnitten au!
S. 276 bei der Besprechung der Verdunstung be-
deckten Bodens ein Widerspruch eingeschlichen
hat, ro kann dies dem Werk keinerlei Abbruch
(un, denn das sehr reichhaltige Schriftenverzeichnis
(821 Literaturangaben) gestattet, jederzeit auf die
Originalarbeiten zurückzugreifen, Auch durch
dieses Schriftenverzeichnis gewinnt das Buch an
Bedeutung, und wenn, wie anfangs erwähnt, „das
Buch als eın wissenschaftliches Rüstzeug zum
Dienste bereitstehen will“, so kann man nur fest-
stellen, daß dieses Ziel voll und ganz erreicht ist,
G. Pogade
R. Bock: Praxis der magnetischen Messungen. Mit
38 Fig., 37 Tab., 138 ©. Berlin-Zehlendorf 1942.
Verf, stellt sich die Aufgabe, dem Praktiker
zu zeigen, wie das erdmagnetische Feld gemessen
und das gewonnene Beobachtungsmaterial ausge-
wertet wird. Er hat dabei bis auf ganz wenige
Fälle auf eine methodische Begründung des Ver-
Jahrens werzichtet und im Gegensatz dazu be-
sonderen Wert auf die Aufstellung einer großen
Zahl von Tabellen gelegt, welche eine erhebliche
Mechanisierung der Arbeit zur Folge haben können.
Das Buch ist darin außero1dentlich inhaltsreich;
man merkt überall den erfahrenen Praktiker, Es
wird aber auch nur von dem nicht gerade Uner-
/ahrenen mit vollem Erfolg benutzt werden können,
da der Lernende vielfach Erklärungen oder auch
zur Hinweise auf erklärende Literatur vermissen
wird. Eine Neuauflage würde durch Beachtung
dieses Hinweises zweifellos an Wert noch ge-
winnen. Auch Anwendungsbeispiele wären hier
und da zu begrüßen,
Seit 60 Jahren hat sich in Deutschland
niemand an die Aufgabe gewagt, die seitdem
erworbenen Erfahrungen und die Neuerungen in
der erdmagnetischen Seßtechnik zu einem Vade-
mecum zusammenzufassen. Das von R. Bock
rorgelegte Buch füllt also eine fühlbare Lücke
AUS. ir sind davon überzeugt, daß es viel
Nutzen briogen wird. F. Errulat.
M. Waldmeier. Ergebnisse und Probleme der
Sonnenforschung. (Probl. d. Kosm. Phys., hrsg.
von Dr. Christian Jensen, Bd. XXI), Akad.
Verlges. Becker & Erler, Kom.-Ges., Leipzig 1941,
89° 264 85. 102 Abb., 55 Tab., geb. 20 RM.
Die Eidgenössische Sternwarte in Zürich hat
ihre Tätigkeit seit fast neun Jahrzehnten der Er-
Forschung der Zustände und Vorgänge auf der
Sonne und ihrer Beziehungen zu irdischen Er-
scheinungen gewidmet — es sei nur an die Namen
R. Wolf!) und A. Wolfer erinnert — und hat
ihr Beobachtungsprogramm in neuester Zeit unter
der Führung ihres jetzigen Leiters W, Brunner
durch die Errichtung eines Filialobservatoriums
auf dem 2050 m hohen 1schuggen bei Arosa in
wichtiger Weise erweitern können. Es ist daher
zu begrüßen, daß der Leiter der Arbeiten auf der
neuen Filialstation Dr. Max Waldmeier, gestützt
auf die langjährigen Ergebnisse der Züricher Stern-
1) Wolf leitete im Jahre 1852 mit seiner erstma-
ligen genauen Bestimmung der mittleren Perioden-
länge der Sonnenfleckentätigkeit zu 11.1 Jahren
und der Auffindung ihres parallelen Verlaufs mit
den irdischen Polarlichtern, später auch den
Schwankungen der erdmagnetischen Elemente, die
zanze Ara der modernen Sonnenforschung ein.
Auch das Maß der Stärke der Sonnentätigkeit,
die tägliche „Relativzahl“ der Sonnenflecken,
stammt von ihm.