Kleinere Mitteilungen,
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Kristalle um die Mittellage sind und je seltener sie eintreten. Mit zunehmender
Ungleichmäßigkeit in der Orientierung — und die müssen wir hier wohl annehmen
—, wird die Erscheinung verwaschener, der Ring breiter‘)*).
Besondere Erwähnung verdient noch der große Ring, der in außergewöhn-
licher Vollkommenheit wahrgenommen werden konnte, In der Regel sieht man
nur Teile von ihm. Er war breiter, doch bedeutend lichtschwächer als der ge-
wöhnliche Ring, zeigte aber auch die rotbraune Färbung am Innenrand. Der
Scheitel leuchtete weitaus stärker als die übrigen Teile des Ringes und von
ihm gingen nach beiden Seiten Äste aus, die in ihrer Form dem oberen Be-
rührungsbogen des gewöhnlichen Ringes sehr ähnlich, aber nicht so stark ge-
krümmt waren, Der Abstand Sonne-Helligkeitsmaximum im Scheitel wurde zu
49° gemessen, was mit dem Mittelwert für den Ringradius von 46° verglichen
zu hoch erscheint, Wahrscheinlich wurde hier nicht die Zone maximaler Licht-
stärke im großen Ring gemessen, sondern der heller leuchtende Schnittpunkt des
oberen Bogens mit dem Sonnenvertikal, Es ist namentlich bei Sonnenhöhen um
20° schwer zu entscheiden, ob wir es mit einem echten Berührungsbogen zu tun
haben, dessen Sonnenabstand konstant ist oder mit einem Teil des Zirkumzenital-
bogens, dessen Sonnenabstand mit der Sonnenhöhe etwas variiert, Es wäre
daher besser gewesen, auch noch den Radius des großen Ringes im Höhen-
parallel der Sonne zu messen... Theoretisch müßte der Abstand des Zirkumzeni-
talbogens von der Sonne bei 11° Sonnenhöhe 49.2° betragen, was mit unserer
Messung auch gut übereinstimmen würde. Ob die echten Berührungsbogen
wirklich vorkommen, ist eine Frage, die noch nicht endgültig entschieden ist,
Es stehen sich in dieser Hinsicht auch zwei Theorien (Galle und Bravais)
gegenüber, und es ist immerhin möglich, daß beide Arten von Bogen auftreten,
doch werden die Galleschen echten Berührungsbogen nur selten vorkommen.
Der Zirkumzenitalbogen scheint sich am häufigsten in Prismen mit verti-
kaler Hauptachse zu bilden, und zwar durch Strahlen, die an der oberen Basis-
fläche ein- und an einer Seitenfläche wieder austreten. Pendeln die Kristalle,
dann können nach Besson?) die sonst sehr satten Farben: abgeschwächt werden
und der Bogen’ erscheint blasser, was im vorliegenden Falle auch beobachtet
werden konnte.
Die Helligkeit der. Haloerscheinung war zu Beginn der Beobachtung am
größten und nahm mit tiefer sinkender Sonne mehr und mehr ab, wobei die
einzelnen Teile des Halos nacheinander ausfielen. Zuerst verschwanden die zum
Horizont hinabreichenden Bogen des großen Ringes und die seitlichen Be-
rührungsbogen des gewöhnlichen Ringes, dann auch der heller leuchtende
Scheitel des großen Ringes und Teile des gewöhnlichen Ringes. Bei tiefer
sinkender Sonne und höher aufziehendem a-str konnte das Verschwinden der
Nebensonnen nicht beobachtet werden. Dauer der Beobachtung etwa eine Stunde.
Gerhard Neumann.
2. Nachtrag zu dem Aufsatz „Die Grundlagen einer Weltkarte der
Meeresströmungen.“ (Hierzu Tafel 22.)
Im vorhergehenden Jahrgang 1942 dieser Zeitschrift ist auf S. 329 bis 340
unter dem oben stehenden Titel eine ziemlich ausführliche Begründung für Form
und Inhalt der in den zwei Blättern der Deutschen Admiralitätskarte Nr. 1947
neu niedergelegten Darstellung der Oberflächenströmungen der drei Weltmeere
gegeben worden, jedoch ohne Beifügung einer kartographischen Abbildung, Die
in dem Maßstab von 1:28000000 gedruckten Blätter haben infolge der Aus-
dehnung bis 73° S-Br. und wegen der am unteren Rande noch angefügten Sonder-
karten für die Strömungen der tropischen Meeresteile während des nördlichen
Sommers die beträchtliche Größe von 1.60 >x 1.30 m, wenn sie als eine Weltkarte
%) E. Barkow, Über eine ungewöhnliche Haloerscheinung. Meteorol, Zeitschr. XXX, 1916,
8. 545, — 7) L. Besson, Sur l'are circumzenithal, Annuaire de ]a Soc. Met, de France LV (1907).
*) Die ganze Erscheinung scheint außerdem darauf schließen zu lassen, daß es sich um kleinere
Eiskristalle in der Cirrusregion gehandelt hat, Kleine Kristalle sind im allgemeinen der Entstehung
einer Haloerscheinung günstiger, doch macht sich bei abnehmender Kristallgröße die Beugung stärker
geltend, Hierfür spricht auch die ziemlich große allyemeine Himmelshelligkeit,