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Full text: 71, 1943

SR 
J 
Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1943, 
Der Radius des gewöhnlichen Ringes wurde zu 22.5° gemessen, was gegen- 
über dem Mittelwert von rund 22° etwas zu groß erscheint. Solche Unterschiede 
können wohl zum Teil darauf zurückgeführt werden, daß durch die Beugung des 
Lichtes eine Verwaschung der inneren Ringgrenmze eintreten muß, die je nach 
der Größe der Eiskristalle verschieden ist, und durch die auch die Anordnung 
und Breite der Farben im Ringe beeinflußt wird®)., Der gewöhnliche Ring war 
an seinem Innenrande rötlich-braun gefärbt und ging nach außen in einen bläu- 
lich-weißen Farbton über, der sich nur wenig von der Farbe des Himmels abhob. 
Der obere Berührungsbogen strahlte im Berührungspunkt am Scheitel des ge- 
wöhnlichen Ringes mit einer Helligkeit, die der der Nebensonnen gleichkam. 
In gleicher Höhe mit der Sonne leuchteten auf dem gewöhnlichen Ring in 
besonders schönen Farben (rotbraun zur Sonne) die Nebensonnen, aber nicht 
scharf begrenzt, sondern etwas diffus, besonders in vertikaler Richtung. Be- 
kanntlich liegen nur bei tiefstehender Sonne die Nebensonnen auf dem gewöhn- 
lichen Ring oder so unmittelbar in seiner Nähe, daß sie nicht scharf von ihm 
getrennt werden «können. A, Wegener“) gibt für eine Sonnenhöhe von 10° 
einen Azimutabstand Nebensonne — wahre Sonne von 22.5° an. Unsere Beobach- 
tung bei tiefstehender Sonne steht mit dem theoretischen Ergebnis in bester 
Übereinstimmung, 
Das Bemerkenswerte an der Haloerscheinung sind die am Anfang des 
Berichtes bereits kurz erwähnten seitlichen Berührungsbogen des Ringes 
von 22°, die sehr viel Ahnlichkeit mit dem oberen Berührungsbogen des Ringes 
hatten, Die hell leuchtenden Schweife (Breite etwa 1 bis 2°) gingen von den 
Nebensonnen schräg nach oben, wie es in der Abbildung durch A und B dar- 
gestellt worden ist. Die Höhe der Bogen betrug etwa 5 bis 6°. Das obere 
Ende der Bogen ließ sich sehr schwer feststellen, da die Lichtschweife allmäh- 
lich in die milchige Färbung des Himmels übergingen. In der Nähe des Be- 
rührungspunktes mit dem gewöhnlichen Ring waren diese seitlichen Bogen deut- 
lich gefärbt, und zwar ebenso wie der Ring und die Nebensonnen an der der 
Sonne zugewandten Seite rötlich-braun. Mit zunehmender Entfernung vom Be- 
rührungspunkt nahm die Helligkeit ab, die Farben verblaßten und die Bogen 
Erschienen weiß, Die Fortsetzung der Bogen unterhalb der Nebensonnen konnte 
nicht so weit beobachtet werden, da der langsam aufziehende a-str den unteren 
Teil des Halos verdeckte, Doch schien eine untere Fortsetzung der Bogen etwas 
schräg nach außen angedeutet. 
Für diese seitlichen Berührungsbogen des Halos von 22° hat Pernter‘*) 
eine theoretische Erklärung gegeben. Man muß dabei voraussetzen, daß die im 
Fallen begriffenen Eiskristalle fortwährend kleine Ausweichungen aus ihrer Lage 
erhalten, und zwar sollen sie dabei um eine vertikal orientierte Hauptachse 
pendeln. Die schiefen Bogen von Lowitz werden dann durch jene Kristall- 
prismen zustandekommen, die zufällig in der Ebene des Sonnenvertikals ihre 
Pendelbewegungen ausführen. Nach Pernter müßte bei höherem Sonnenstand 
die Erscheinung auf das Stück der theoretisch berechneten Kurve beschränkt 
bleiben, welches zwischen dem Berührungspunkt mit dem Ringe und der Neben- 
sonne liegt. Bei niedrigem Sonnenstand kann os aber zur Ausbildung des mit 
der konvexen Seite der Sonne zugewandten Mittelstückes kommen, denn solange 
die Nebensonne noch nicht vom Ring abgetrennt ist, wird sie die Mitte des 
Bogens einzunehmen scheinen, der durch das Pendeln gebildet wird. 
Eine andere Erklärung der seitlichen Berührungsbogen des Ringes von 22° 
hat Ch. Hastings*) gegeben. Die Theorie dieser Bogen kann aber, wie auch 
R. Meyer hervorhebt, noch nicht als endgültig ausgearbeitet angesehen werden. 
Die Verwaschenheit der übrigen Einzelhalos, insbesondere des kleinen Ringes, 
scheint unter den gegebenen Bedingungen mit der theoretischen Vorstellung 
durchaus übereinzustimmen. Unter sonst gleichen Verhältnissen wird der Halo 
um so intensiver und schärfer begrenzt sein, je geringer die Pendelungen der 
2%) R. Meyer, loc. cit. 3.85. — % A, Wegener, Optik der Atmosphäre, Müller-Pouillets 
Lehrbuch der Physik, Bd. V, 1; 274, 1928. — *) J. Pernter und F. Exner, On Optik, 
2, Aufl. 1922. — 5 Ch. Hastings, A general theorie of halos, Monthly Weath, Rer, 48, 322, 1920.
	        
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