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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Maurer, H.: Zeigt der Kompaß nach den Magnetpolen der Erde? 259 
MiBweisungskarte und die Unterschiede 4 zwischen beiden, Nach wenigstens dem 
einen Magnetpol zeigt die Nadel also auch auf diesem Breitenkreis nur in zwei 
Punkten auf etwa 118° O und 110° W, von wo aus die 4-Werte sehr rasch auf 
Werte über 30° anwachsen und Höchstwerte von rund 45° O bzw. 39° W 
erreichen. 
Man sieht aus allem, daß für die Richtung des magnetischen Meridians 
in den einzelnen Erdorten die Lage der beiden sogenannten Magnet- 
pole der Erde keinerlei Bedeutung hat. Sie sind lediglich zwei Punkte, 
in denen die Inklinationsnadel senkrecht steht und die horizontale Feldstärke 
verschwindet. Wohl kann man für das von der Erde in größerer Entfernung 
von ihr ausgeübte Magnetfeld ihr magnetisches Moment durch zwei Magnetpole 
darstellen. Diese liegen aber nicht auf der Oberfläche der Erde und werden 
auch weder auf die Erdradien der sogenannten Magnetpole auf der Erdober- 
fläche noch auf die diese beiden Punkte verbindende Gerade fallen. Und das 
Magnetfeld der für die Fernwirkung gültigen Fernpole gilt nicht für die Erd- 
oberfläche. 
Zum Schluß noch ein Wort über die magnetischen Meridiane, insofern 
man darunter Linien versteht, die man beschreibt, wenn man von einem Erd- 
ort aus stets der Magnetnadel nach vorwärts geht. Es ist klar, daß jeder 
magnetische Meridan vom Magnetpol Sm- zum Magnetpol N. läuft wie jeder 
astronomische Meridian vom Südpol S zum Nordpol N. Irrig aber wäre es, 
wenn man etwa die Gesamtheit der Kugelkreise durch die Punkte Nm und Sy 
als die magnetischen Meridiane ansehen wollte. Auch die Richtungen dieser 
Kugelkreise weichen beträchtlich von den Kompaßrichtungen ab, wie wir für den 
einzigen Großkreis unter ihnen, den Großkreis G durch Nm und Sm, bereits dar- 
getan haben. Das Problem, solche magnetischen Meridiane nach den tatsächlichen 
Mißweisungen zu zeichnen, stößt auf eine gewisse Schwierigkeit. Da die Isogonen 
nur als empirische Kurven, nicht aber als mathematische Funktionen gegeben 
sind, kann man sich nur mit beschränkter Genauigkeit dem Verlauf der richtigen 
magnetischen Meridiane nähern, indem man z.B, auf einer Mißweisungskarte in 
winkeltreuer Projektion, die die Isogonen etwa von Grad zu Grad aufweist, je 
von einer Isogone zur nächsten durch eine kleine Strecke in der mittleren Miß- 
weisungsrichtung zwischen beiden vorwärtsgeht. Offenbar können sich dabei 
die Fehler allmählich zu größeren Beträgen addieren, Immerhin habe ich, um 
den ungefähren Verlauf solcher Linien zu kennzeichnen, dies Verfahren auf 
der großen Mißweisungskarte für 1940 [Äquatormaßstab etwa 1:28000000 in 
Merkator-Entwurf] für einige magnetische Meridiane durchgeführt und vier von 
ihnen in die beigefügte Karte als die vier punktierten Linien M,, M,, M,, M, 
übertragen, Von ihnen laufen die Linien M, und M, von Sy nach Nm, ohne den 
dazwischenliegenden Großkreisbogen Sm Nm zu schneiden. Die magnetischen 
Meridiane M, und M, aber [Äquatorschnittpunkte in 1° W bzw. 31° O0] schneiden 
diesen Bogen Sm Nm in je zwei Punkten. Der Großkreis Na Sm durch die 
Magnetpole stellt also keinerlei Scheidelinie zwischen den magne- 
tischen Meridianen auf seiner einen und seiner anderen Seite dar. 
Der magnetische Meridian M, kommt dabei von Osten her an den Magnetpol Nm 
heran, ohne den astronomischen Nordpol N zu umkreisen, während der magne- 
tische Meridian M, den Nordpol umkreist und auch alle Meridiane westlich vom 
Meridian des Magnetpols N. schneidet, 
Die sogenannten Magnetpole der Erde sind also weder für die 
Richtungen der magnetischen Meridiane in den einzelnen Erdorten 
noch auch für die Kurvenformen dieser Linien von irgendwelcher 
Bedeutung, abgesehen von der Tatsache, daß jeder magnetische 
Meridian eben beide Magnetpole miteinander verbindet, aber durch 
eine nur empirisch gegebene, nicht aus der Lage der Magnetpole ab- 
leitbaren Linie, 
Berlin, Februar 1943.
	        
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