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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Ann, d. Hydr. usw., LXXI. Jahrg. (1943), Heft VII. 
Dr 
der Kompaß nach den Magnetpolen der Erde? 
Von H. Maurer. 
(Hierzu Tafel 18.) 
Man begegnet häufig der Aussage, daß die Kompaßnadel nicht nach den 
astronomischen, wohl aber nach den magnetischen Polen der Erde zeige. Nun 
ist leicht einzusehen, daß dies unmöglich an jedem Erdort zutreffen kann, da 
die Magnetpole der Erde, der im Norden Nm auf 70.7° N, 96,3° W und jener im 
Süden Sy auf 72°S, 154° O gar nicht Antipodenpunkte voneinander sind. Die 
Richtungen von einem Erdort nach Na und Sm sind also nicht einander ent- 
gegengesetzt, und eine Nadel, die mit der einen Spitze nach N, mit der anderen 
nach S. zeigte, müßte geknickt sein, wobei der Knickwinkel sich von Ort zu 
Ort ändern müßte, Nur auf dem einzigen Großkreis der Erdkugel, der durch 
die beiden Punkte N und Sm läuft, könnte eine ungeknickte Magnetnadel nach 
beiden Magnetpolen der Erde zeigen. 
In der beigefügten Karte ist dieser Großkreis G durch Nm und Sy einge- 
zeichnet in einem allkreisig-querachsigen [stereographisch-transversalen] Entwurf 
mit dem Äquatorpunkt 30° O als Kartenmitte, Die Karte ist winkeltreu, bildet 
jeden Kugelkreis als Kreis ab und füllt die Ebene so aus, daß der Äquatorpunkt 
24=150°W die unendlich ferne Gerade der Bildebene darstellt. Auf der Karte 
fehlt deshalb die Mitte des Stillen Ozeans, ein etwa elliptisches Stück mit einer 
Achse auf dem Äquator zwischen 120° und 180° W und der andern Achse auf 
dem Meridian 150° W zwischen 37° N und 37° S. Die Kontinente sind nur ohne 
die Inseln, abgesehen von Grönland, eingezeichnet. 
Der Großkreis G durch Nm und S. geht als sehr flacher Kreisbogen auch 
durch ihre Antipodenpunkte A, und A,, und wäre eine Gerade geworden, wenn 
man die Kartenmitte auf 32° O . 
= abelle 1, Abweichu i 
statt auf 30° O gelegt hätte. AU Chlung des Großkreises durch die Mannetgale, 
Die Winkel, unter denen dieser 
Großkreis Nm Sm die Meridiane 
unserer winkeltreuen Karte 
schneidet, müßten die Mißwei- 
sungen in den betreffenden Erd- 
punkten darstellen, wenn die 
Magnetnadel dort nach beiden 
Magnetpolen wiese. Man kann 
nun leicht die Schnittwinkel des 
Großkreises mit den Meridianen 
als Sollwerte der Mißweisung 
berechnen und sie mit den Ist- 
Winkeln der Mißweisung nach 
einer Mißweisungskarte verglei- 
chen. Tab, 1 zeigt das Ergebnis 
eines solchen Vergleiches nach 
der Weltkarte der Linien gleicher 
Mißweisung für 1940, Da diese 
Karte nur bis 60° S reicht, 
konnten für das Erddrittel 
zwischen den Meridianen 60° 
bis 120° O0 keine Werte entnom- 
men werden. Die sicher auch 
im hohen Süden großen Ab- 
weichungen 4 zwischen den Sollwerten und Istwerten der Mißweisung konnten 
deshalb nicht zahlenmäßig angegeben werden. Die Tabelle zeigt, daß die wirk- 
lichen Mißweisungen bis zu mehr als 20° von der Azimutrichtung des Groß- 
kreises abweichen, und daß es auf der Erde nur zwei Punkte gibt, wo die 
Ann. d. Hyvdr. usw. 1943, Heft YIL
	        
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