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Full text: 71, 1943

Wüst, G.: Der subarktische Bodenstrom in der westatlantischen Mulde. 255 
Teilen scheint diese Schwelle Einsattelungen bis etwa 4200 m Tiefe zu besitzen; 
denn hier dringen noch geringe Quanten eigentlichen subarktischen Bodenwassers 
mit weniger als 1.7° nach Süden bis zum 50, Parallel vor, Südlich dieses Breiten- 
grades geht der stromartige Charakter dieser Ausbreitung verloren. Von da 
ab haben wir es offenbar nur mit allmählicher Vermischung subarktischen 
Bodenwassers mit wärmerem nordatlantischen zu tun. Wie also vom Verfasser 
bereits früher auf Grund spärlicheren Materials vermutet, liegt in der 
Tat in etwa 51°S die „Labradorschwelle“ die zwar morphologisch 
weniger bedeutend ist als ursprünglich angenommen, die aber trotz 
ihrer Flachheit für die Ablenkung und weitgehende Abriegelung des 
subarktischen Bodenstroms sowie für die Abgren ung des Labrador- 
beckens gegen das Neufundlandbecken von großer ozeanographischer 
Bedeutung ist. 
Die von der zweiten Bildungsstätte in der Irmingersee ausgehende Aus- 
breitung des subarktischen Bodenwassers (von weniger als 1.6°) ist offenbar 
sekundärer Natur, da sie nach Süden bereits in etwa 55° N infolge Vermischung 
mit wärmerem Tiefenwasser endet; ein um die Südspitze Grönlands nach NW 
setzender Ausläufer trägt offenbar indirekt zur Speisung des Hauptastes bei, 
Daß selbst dieser Hauptast — im Vergleich zum antarktischen — nur eine 
geringe Ergiebigkeit und eine geringe vertikale Mächtigkeit besitzt, lehrt der 
Längsschnitt der potentiellen Bodentemperatur, den wir in Abb, 3 für 
seine Achse, d, h, längs den ausgezogenen Pfeilen der Hauptkarte (Tafel), ent- 
worfen haben, Dieser Schnitt erstreckt sich über 2000 km und umfaßt die 
Breiten zwischen 49° N und 60!/,° N und die Tiefen zwischen 3000 und 4700 m. 
Wir erkennen aus iL-- "ar, wie am südwestgrönländischen Steilabfall im nord. 
östlichen Labradorbecken das kälteste Bodenwasser (von weniger als 1.2°) zur 
Tiefe absinkt und wie sich von diesem nördlichen Kältereservoir der subarktische 
Bodenstrom (mit weniger als 1,6°) in einer vertikalen Mächtigkeit von nur 
150 bis 200 m nach Süden ausbreitet, wo er in etwa 51° S an der etwa 300 m 
über den allgemeinen Tiefseeboden aufsteigenden Labradorschweille im wesent- 
lichen sein Ende findet. Nur noch relativ geringfügige Quanten subarktischen 
Bodenwassers treten gelegentlich über diese Schwelle in das Neufundlandbecken 
über, wo sie bald der Vermischung mit wärmerem Tiefenwasser unterliegen und 
den stromartigen Charakter der Ausbreitung verlieren. . 
Der Salzgehalt des subarktischen Bodenwassers ist mit 34.90 bis 34.94°%/ 04 
vergleichsweise hoch und weist gegenüber dem Tiefenwasser, wie die in den 
Längsschnitt eingetragenen Salzgehaltswerte lehren, keine: Unterschiede auf, so 
daß er nicht zur Abgrenzung des Bodenstroms verwertet werden kann. Auch 
diese hohen Salzgehaltswerte des Bodenwassers, die durchaus atlantischen 
Charakter haben, sind ein weiterer Grund, daß wir diese Wasserart nicht mehr 
als arktisch, sondern als subarktisch bezeichnen. 
Literatur, 
Bj. Helland-Hansen: Physical oceanography and meteorology. Rep. on the scient, results 
„Michael Sars““ North Atl, Deep-Sea Exp. 1910, Vol, I, Bergen, 
F, Nansen: Das Bodenwasser und die Abkühlung des Meeres. Int, Rev. d. ges. Hydrographie 
und Hydrobiologie, 1912, Bd. V, Heft 1, Leipzig. 
O. Pettersson: Über den Einfluß der Eisschmelzung auf die ozeanographische Zirkulation. 
Öfersigt Kgl. Vetenskaps Akad. Förhandl. No. 3, Stockholm, 
E. H. Smith, F. M. Soule u. 0. Mosby: Physical oceanography. Part 2. Seientifie results. 
The Marion and General Greene Expeditions to Davis Strait and Labrador Sea 1928—1935. 
U. S. Coast Guard Bull. No, 19. Washington. 
H. Wattenberg: Die Verteilung des Sauerstoffs und des Phosphats im Atlantischen Ozean. 
Wiss. Erg, d. Deutschen Atl, Exp. „Meteor“, Bd, IX, 1. Liefg. Berlin. 
G. Wüst: Das Bodenwasser und die Gliederung der Atlantischen Tiefsce. Wiss, Erg. d. 
Deutschen Atl. Exp. „Meteor“, Bd. VT, 1. Teil. Berlin. 
Derselbe: Die Stratosphäre des Atlantischen Ozeans. Ebenda Bd. VI. 2. Teil. Berlin. 
1930. 
‚Shrifltwalter Professor Dr. Gerhard Castens, Hamburg-Langenhorn, Dobenplatz
	        
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