Wüst, G.: Der subarktische Bodenstrom in der westatlantischen Mulde. 255
Teilen scheint diese Schwelle Einsattelungen bis etwa 4200 m Tiefe zu besitzen;
denn hier dringen noch geringe Quanten eigentlichen subarktischen Bodenwassers
mit weniger als 1.7° nach Süden bis zum 50, Parallel vor, Südlich dieses Breiten-
grades geht der stromartige Charakter dieser Ausbreitung verloren. Von da
ab haben wir es offenbar nur mit allmählicher Vermischung subarktischen
Bodenwassers mit wärmerem nordatlantischen zu tun. Wie also vom Verfasser
bereits früher auf Grund spärlicheren Materials vermutet, liegt in der
Tat in etwa 51°S die „Labradorschwelle“ die zwar morphologisch
weniger bedeutend ist als ursprünglich angenommen, die aber trotz
ihrer Flachheit für die Ablenkung und weitgehende Abriegelung des
subarktischen Bodenstroms sowie für die Abgren ung des Labrador-
beckens gegen das Neufundlandbecken von großer ozeanographischer
Bedeutung ist.
Die von der zweiten Bildungsstätte in der Irmingersee ausgehende Aus-
breitung des subarktischen Bodenwassers (von weniger als 1.6°) ist offenbar
sekundärer Natur, da sie nach Süden bereits in etwa 55° N infolge Vermischung
mit wärmerem Tiefenwasser endet; ein um die Südspitze Grönlands nach NW
setzender Ausläufer trägt offenbar indirekt zur Speisung des Hauptastes bei,
Daß selbst dieser Hauptast — im Vergleich zum antarktischen — nur eine
geringe Ergiebigkeit und eine geringe vertikale Mächtigkeit besitzt, lehrt der
Längsschnitt der potentiellen Bodentemperatur, den wir in Abb, 3 für
seine Achse, d, h, längs den ausgezogenen Pfeilen der Hauptkarte (Tafel), ent-
worfen haben, Dieser Schnitt erstreckt sich über 2000 km und umfaßt die
Breiten zwischen 49° N und 60!/,° N und die Tiefen zwischen 3000 und 4700 m.
Wir erkennen aus iL-- "ar, wie am südwestgrönländischen Steilabfall im nord.
östlichen Labradorbecken das kälteste Bodenwasser (von weniger als 1.2°) zur
Tiefe absinkt und wie sich von diesem nördlichen Kältereservoir der subarktische
Bodenstrom (mit weniger als 1,6°) in einer vertikalen Mächtigkeit von nur
150 bis 200 m nach Süden ausbreitet, wo er in etwa 51° S an der etwa 300 m
über den allgemeinen Tiefseeboden aufsteigenden Labradorschweille im wesent-
lichen sein Ende findet. Nur noch relativ geringfügige Quanten subarktischen
Bodenwassers treten gelegentlich über diese Schwelle in das Neufundlandbecken
über, wo sie bald der Vermischung mit wärmerem Tiefenwasser unterliegen und
den stromartigen Charakter der Ausbreitung verlieren. .
Der Salzgehalt des subarktischen Bodenwassers ist mit 34.90 bis 34.94°%/ 04
vergleichsweise hoch und weist gegenüber dem Tiefenwasser, wie die in den
Längsschnitt eingetragenen Salzgehaltswerte lehren, keine: Unterschiede auf, so
daß er nicht zur Abgrenzung des Bodenstroms verwertet werden kann. Auch
diese hohen Salzgehaltswerte des Bodenwassers, die durchaus atlantischen
Charakter haben, sind ein weiterer Grund, daß wir diese Wasserart nicht mehr
als arktisch, sondern als subarktisch bezeichnen.
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1930.
‚Shrifltwalter Professor Dr. Gerhard Castens, Hamburg-Langenhorn, Dobenplatz