252 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Aprıl/Juni 1943,
mußte der Verfasser damals annehmen, daß am „Boden des Labradorbeckens
potentielle Temperaturen von 1.4° bis 1.5° herrschen“, und daß dieses „nach
Süden durch einen Querrücken abgeschlossen wird, der eine unterseeische Verbindung
zwischen der Neufundlandbank und dem Nordatlantischen Rücken darstellt“.
Diesen Rücken nannten wir 1933 „Neufundlandrücken“. Jedoch aus den
vorläufigen Ergebnissen der „Meteor“. Fahrt 1935 kam der Verfasser (1936, S. 179
Fußnote) zu dem Schluß: „1. daß die über 4000 m tiefe Senke des Labradorbeckens
wesentlich begrenzter ist, als man bisher annahm, und 2, daß der
bisher in 50° N vermutete »Neufundlandrücken« morphologisch ziemlich unbedeutend
ist, da er wahrscheinlich nur durch die 4200 m-Tiefenlinie völlig eingeschlossen
wird.,..“ „Man kann daher nur von einer »Labradorschwelle«
sprechen, die aber trotz ihrer Flachheit für das Verständnis der Bodentemperaturen
und für die Gliederung des Tiefseebodens von Bedeutung ist. Denn
bis zu dieser flachen Schwelle dringen am Boden von Norden her die subarktischen
Wassermassen von weniger als 1.8° (tp), zwar nur in geringer vertikaler
Mächtigkeit und vielleicht gelegentlich vor; ja die oben genannten Temperaturen
von 1.5° bis 1,7° älterer Expeditionen sind anscheinend durch die Reihenmessungen
des »Meteor« nicht widerlegt.“ Bei ihrer Bearbeitung einer neuen Tiefenkarte
des nordwestlichen Nordatlantischen Ozeans, bei der jedoch nicht die Boden.
temperaturen herangezogen und offenbar nicht sämtliche veröffentlichten
Lotungen!) benutzt wurden, kamen Smith-Soule-Mosby (1937, 8.3) hinsichtlich
der vermuteten Abriegelung des subarktischen Bodenwassers zu folgendem
Ergebnis: „As a result of the »General Greene’s« survey it now can be definitely
stated that there is no Newfoundland Ridge in the vicinity of the fiftieth parallel,
but Reykjanes Ridge and Flemish Cap are separated by a tortuous channel deeper
than 4500 meters. Although there is no bar to the deeper circulation of the Labrador
Sea, as formerly suspected, the winding and narrow features of the entering channel,
however, may considerably restrict the freer movement of the bottom water and
partially explain the temperature gradient recorded (»Cambria« in 51° 34‘ N, 41°
431/,/ W tp=1.46, unnamed ship in 49° 49’ N, 38° 00’ W tp = 1.85° C).“
Die inzwischen veröffentlichten Reihenmessungen der „Meteor“- Fahrten
1930/35 und der Eispatrouillenfahrten von „General Greene“ 1931/39 gestatten
in Verbindung mit allen übrigen veröffentlichten Temperaturbeobachtungen von
Forschungsschiffen (insbesondere „Godthaab“ 1928, „Marion“ 1928, „Altair“ 1935)
und älteren Kabeldampfern, diese Frage der „Labradorschwelle“ erneut zu prüfen
und eine neue detailliertere Karte der Bodentemperatur zu konstruieren, die uns
nunmehr ein klareres Bild von der Ausbreitung des subarktischen Bodenwassers
in der westatlantischen Mulde vermittelt?). Im Anhang sind sämtliche Temperaturbeobachtungen
aus 3000 und mehr Metern Tiefe zusammengestellt, die in
dem Zeitraum 1895 bis 1939 im Bodenwasser des Labrador- und des Neufundlandbeckens
sowie der Irmingersee zwischen 40° und 65° N-Br. und zwischen
30° und 60° W-Lg. gewonnen und veröffentlicht wurden. Für alle Reihenmessungen,
bei denen der Meeresboden nicht erreicht wurde, wurden die Vertikalkurven der
Temperatur konstruiert und in all den Fällen, wo ein nicht zu großer Abstand
zwischen unterstem Beobachtungshorizont und Boden es gestattete, unter Annahme
einer gleichbleibenden Temperaturabnahme zum Boden hin geradlinig
verlängert. Die so für den Boden extrapolierten Werte, die in der Tabelle besonders
gekennzeichnet sind, stellen naturgemäß nur Näherungswerte dar, Jedoch
kommen wir auf diese Weise den wahren Verhältnissen — besonders im Hinblick
auf die Berechnung der potentiellen Bodentemperaturen — näher, als wenn
wir die Beobachtungen aus den oberhalb des Grundes gelegenen Horizonten
unserer neuen Karte der potentiellen Bodentemperatur zugrunde gelegt hätten,
“ Gerade in dem fraglichen Gebiet der „Labradorschwelle“ sind die Lotungen von weniger als
4000 m unberücksichtigt geblieben, wie der Vergleich der D. Adm.K, Nr.379 bzw. unserer Bodentemperaturkarte
mit der Tiefenkarte des U.S.-Cosst Guard (1937) lehrt. — % Auch in der ostatlantischen
Mulde treten, wie der Verfasser (1936, S. 179} gezeigt hat, geringe Mengen subarktischen Bodenwassers
auf, die sich durch potentielle Bodentemperaturen von weniger als 2.0° (bzw. 1.8°?) bis etwa 40° N
bemerkbar machen. Jedoch gestattet das spärliche Material nicht, für dieses Gebiet eine neue Bodentemperaturkarte
zu entwerfen.