250 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/JYuni 1943.
die durch positive Temperaturen von + 1° bis + 2° (potentiell) gekennzeichnet
ist, als subarktisches Bodenwasser und den von ihm im Labradorbecken
gespeisten Bodenstrom als den „subarktischen Bodenstrom“. In seiner grund-
legenden Studie über „Das Bodenwasser und die Abkühlung des Meeres“ hat
Nansen (1912) klargestellt, daß nicht, wie Pettersson (1899) annahm, die
Eisschmelze einen merklichen abkühlenden Einfluß auf die Tiefenschichten
hat, sondern, daß die nahezu homogenen kalten Bodenwasserschichten des
Nordatlantischen Ozeans im Winter am Rande der eisbedeckten Zonen infolge
starker Abkühlung der Meeresober-
fläche, begünstigt durch den Ssalzaus-
scheidenden Einfluß der Eisbildungys
durch Vertikalkonvektion gebildet wer-
den, Auf Grund eines spärlichen Ma-
terials hat Nansen (1912) die kühne
Vermutung ausgesprochen, daß südlich
und südöstlich Grönlands die Gebiete
liegen, die im Winter durch ihren thermo-
halinen Aufbau und durch ihre Lage
inmitten zyklonischer Strombewegung ein
solches konvektives Absinken bis in die
großen Tiefen ermöglichen (Abb. 2). Hier-
bei stützte er sich vor allem auf Ober-
Nächen und Bodenbeobachtungen, dieihm
zeigten, „daß das Oberflächenwasser des
Meeres südöstlich von Grönland am Ende
des Winters eine Dichte haben kann, die
beinahe dieselbe wie die des Boden-
wassers ist“. Tiefreichende aus dem
Winter stammende Reihenmessungen der
Temperatur, des Salz- und des Sauerstoff-
gehalts standen ihm damals zur Prüfung
seiner Hypothese nicht zur Verfügung.
Die große Bedeutung der Winter-
fahrten des „Meteor“ 1933 und 1935
in den südgrönländischen Gewässern liegt
darin, daß es bei ihnen auf den März-
Stationen 79 und besonders 121 und 122
zum ersten Male gelungen ist, Vertikalverteilungen dieser drei Faktoren zu beob-
achten, die dem Zustand einer fast vollständigen Homogenität von der Oberfläche
bis zu den größten Tiefen außerordentlich nahe kommen. Ein schärferes Kriterium
als die Temperatur- und Sauerstoffkurven?) bietet zur Beurteilung der Reichweite
der Vertikalkonvektion die vertikale Dichteverteilung. Die Dichtekurven der
„Meteor“-Stationen 121 und 122 in Abb. 1 lehren, daß hier im Spätwinter die Wasser-
teilchen von der Oberfläche bis 2000 und mehr Meter Tiefe praktisch die gleiche
Dichte besitzen; nur ein geringfügiges Schwererwerden der obersten Deckschicht
dureh Abkühlung (infolge Ausstrahlung) oder Salzkonzentration (infolge Eisbil-
dung) genügt, um hier die Wasserteilchen konvektiv von der Oberfläche bis zur
Bodenwasserschicht absinken zu lassen. Hiermit ist der Beweis für die Richtigkeit
der Nansenschen Hypothese erbracht und zugleich gezeigt, daß sich in der Tat
südlich und südöstlich der Südspitze Grönlands zwischen 55° und 60° N-Br. eine
Bildungsstätte des subarktischen Bodenwassers befindet. In ihrer eingehenden
Analyse der ozeanographischen Verhältnisse der Davisstraße und des Labrador-
beckens, die sich vornehmlich auf die Reihenmessungen von, „Marion“ und
„General Greene“ 1928/39, von „Godthaab“ 1928 und „Meteor“ 1935 stützt, kommen
Smith-Soule-Mosby (1937) zu der Auffassung, daß eine zweite Bildungs-
stätte und nach ihrer Ansicht die hauptsächlichste südlich der Davisschwelle
a
-) Die Vertikalkurven des Sauerstoffs und der Temperatur dieser „Meteor“-Stationen hat Watten-
berg (1938, 8. 30) veröffentlicht und in ähnlicher Weise gedeutet.