D44 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943.
umständlich und nahm viel Zeit in Anspruch. Wir benutzten nach dem Vorgang
von Ender eine Pipettenform, die einfach durch Aufsaugen gefüllt wird (Fig. 3).
Diese Leitfähigkeitspipetten lassen sich einfacher und schneller füllen als die
Knudsen-Pipette, da es auf die Menge der aufgesaugten Flüssigkeit nicht ankommt,
wenn nur das Mittelstück voll Meerwasser ist. Zur Füllung sind etwa 10 ccm
erforderlich. Dieser Pipettenform ist zum großen Teil die bequeme und zeit-
sparende Handhabung unseres Verfahrens zuzuschreiben.
Um die Verwendbarkeit der Methode an Bord: zu erreichen, wurde als Null-
indikator noch eine Abstimmröhe („Magisches Auge“) eingebaut, für den Fall,
daß das Telephon für diesen Zweck infolge der lauten
Maschinengeräusche usw, unbrauchbar war. Diese
Vorsorge war jedoch unnötig, da sich selbst in Nähe
des Maschinen- und Dieselraumes ausgezeichnet mit
dem Telephon arbeiten ließ. Das Ohr stellt sich bald
auf die bestimmte Tonfrequenz ein und trennt sie von
anderen Geräuschen, Gegen Seegang ist die Appa-
ratur unempfindlich, wenn der Thermostat mit einem
Deckel verschlossen wird, der mit Bohrungen für die
Pipetten, Thermometer usw. versehen ist,
Die Zeitersparnis gegenüber der Titriermethode
wurde durch längere Versuchsreihen an Bord fest-
gestellt. Es werden am besten zehn Pipetten benutzt,
die nacheinander mit den Wasserproben gefüllt werden.
Das dauert insgesamt acht bis zehn Minuten, wenn
man mit jeder Probe zweimal vorspült. Die Wasser-
flaschen werden schon längere Zeit vorher in den
betreffenden Raum gebracht, damit sie vorgewärmt
sind, Dann hat sich nach Abschluß des Füllens die
erste Pipette bereits der Temperatur des Wasserbades
angepaßt, und es kann mit der Messung begonnen
werden. Das Aufsuchen des ausgleichenden Wider-
standes dauert bei Proben ähnlichen Salzgehaltes
höchstens eine Minute, überschreitet aber auch bei
sehr verschiedenen Proben kaum zwei Minuten. Bei
einer mittleren Zeitdauer von 15 Minuten für zehn
Proben, kann man etwa 25 Proben in der Stunde,
also an einem Tag mit Vorbereitungszeit mindestens
150 Proben bearbeiten. Das ist ein Vielfaches von
der Probenzahl, deren Salzgehalt durch Titrieren in
dem gleichen Zeitraum bestimmt werden kann.
I. Die Leitfähigkeitsmethode für Temperatur- und Salzgehaltsmessungen in situ.
Der bereits oben erwähnte große Temperaturkoeffizient des Widerstandes
von Meerwasser kann umgekehrt nun dazu benutzt werden, Temperaturdifferenzen
mit großer Genauigkeit zu messen. Dazu schaltet man an die beiden Brücken-
zweigoe am besten zwei Standard-Wasser mit gleichem, bekannten Salzgehalt.
Werden die beiden Meßgefäße dann in verschiedene Wasserbäder (z. B. eines in
See) gebracht, so kann zunächst die Temperaturdifferenz auf mindestens 0.005°
genau und bei bekannter Temperatur des einen Standard-Wassers, die des anderen
mit entsprechender Genauigkeit bestimmt werden. Daß diese Art der Temperatur-
messung in situ bedeutend genauer als die bisherige mittels eines elekrischen
Widerstandsthermometers ist, ist schon aus dem Vergleich der beiden Temperatur-
koeffizienten des Widerstandes von Meerwasser (2° pro Grad) und Rein-Nickel
(0.67%, pro Grad) ersichtlich, außerdem dadurch bedingt, daß man einen Wider-
stand nach unserem Verfahren mit wesentlich größerer prozentualer Genauigkeit
messen kann als nach der bisher für t°-Messung üblichen Methode. Für die
üblichen Temperaturmessungen ist damit. die höchste erforderliche Genauigkeit
überschritten, da die zeitlichen Schwankungen der Temperatur infolge von Strom