Wattenberg. H. n. Joseph, J.: Neue Wege zur Messung des Salzgehaltes usw. 9243
Endpunktsbestimmung ermitteln, wobei reinstes Silber als Standard dient. Es sei an dieser Stelle er-
wähnt, daß neuerding* auch für die Ozeanographie reinstes Silber als Urnormal gewählt worden ist. In
einer „Urnormal 1937“ betitelten Arbeit von J,P. Jacobsen und Martin Knudsen wird diese
Frage eingehend behandelt, Wir zitieren daraus die folgenden (aus dem Englischen übersetzten) Sätze,
die einem von uns freundlicherweise durch Herrn Prof. Knudsen zugänglich gemacht wurden: „Der
Chlorgehalt eines Seewassers in Promille wird definiert als identisch mit der Anzahl Gramm Atom-
gewichtssilber, die gerade notwendig sind, um die Halogene im 0.3285234 Kilogramm der See-
wasserprobe zu fällen. Durch diese Definition haben wir erreicht, daß auch bei Verlust sämtlicher
Seewasserstandards die Kontinuität der Chlorbestimmungen nicht unterbrochen wird. Auch wenn
der in Kopenhagen aufbewahrte Vorrat von Atomgewichtssilber verschwinden würde, würde die
Kontinuität nicht unterbrochen sein, da man sich jederzeit einen frischen Vorrat dieses Silbers nach
den in der Literatur gegebenen Vorschriften herstellen kann.“
Eine der größten Schwierigkeiten in der praktischen Anwendung der Leit-
fähigkeitsmethode bestand bisher in der sehr großen Temperaturabhängig-
keit des Widerstandes des Meerwassers (2°, pro Grad). Um die geforderte
Meßgenauigkeit!) von 0.01 °/,, zu erhalten, müßte die Temperatur bei Absolut-
messungen mindestens auf 0.005° konstant bleiben.
Wenn dies auch grundsätzlich im Labor erreicht
werden kann, so ist doch ein beträchtlicher Auf-
wand dazu nötig, Hier macht sich nun der
Grundsatz der Vergleichsmessung außerordentlich
vorteilhaft bemerkbar. Die zu untersuchende
Wasserprobe und das Standardwasser werden in
das gleiche Wasserbad gehängt, und durch einen
veränderlichen Widerstand wird die Leitfähigkeits-
differenz kompensiert, Da beide Proben gleiche
Temperaturkoeffizienten haben, ist bei gleichem
Salzgehalt die Temperatur, bei der gemessen wird,
bedeutungslos. Je mehr der Salzgehalt der Probe
von der des Standardwassers abweicht, um 50
genauer muß die Temperatur bekannt sein, da für
die Widerstandsdifferenz der Temperaturkoeffizient
voll eingeht. Eine einfache Rechnung zeigt jedoch,
daß selbst eine Salzgehaltsdifferenz von mehreren
Promille zwischen Probe und Standardwasser nur
eine Temperaturkonstanz von einigen Zehntel Grad
erfordert. Temperaturschwankungen innerhalb
dieser Grenze bleiben ohne Einfluß. Vorausgesetzt
ist natürlich, daß beide Meßzellen sehr genau die
gleiche Temperatur haben, was aber bei gleichen
geometrischen Abmessungen der Meßzellen, also
gleicher Wärmeleitung, sicher der Fall ist. Bei
den Versuchen wurde ein großes, gut isoliertes
Wasserbad mit den einfachsten Mitteln (Thermo-
regulator) auf ein Zehntel Grad genau auf Meß-
temperatur gehalten. Eine neu eingesetzte Wasser-
probe hatte sich bereits nach fünf Minuten
angeglichen. ig. 3. Leitfähigkeitspinette,
Für die praktische Handhabung der Methode Ay rag
ist ein scheinbar nebensächlicher Umstand von !ührungen;K Kork; Th Thermostatendeckel,
großer Bedeutung, nämlich die Form der Leit- Die untere Öffnung wird mit einer Gummi-
fähigkeitsgefäße, Die bisher verwendeten Ge-
fäße wurden durch Heberwirkung aus den Vorratsflaschen gefüllt. Das war
ar
‘) Die Meßgenauigkeit kann entweder in S%09) (g Salz/kg Seewasser) angegeben werden; so
bedeutet unsere obige Angabe, daß der Salzgehalt auf + 0.01 g Salz pro kg Seewasser genau be-
stimmt werden kann, Man kann aber auch den Fehler in Bruchteilen {oder Prozenten) des Salz-
gehalts anführen; in dem genannten Fall würde die Genauigkeit dann 0.01/35.00 (bei normalem Salz-
gehalt von 35%0g) oder 1:3500 betragen oder in Prozenten 0.029%, oder 0,29% 9. Diese Art der
Genauigkeitsbezeichnung hat gewisse Vorteile und wurde z. B. auf S. 242 verwendet. Es erschien
notwendig, auf diese Ünterseiiede hinzuweisen, da in beiden Fällen daz %,- bzw. %/a-Zeichen auf-
treten kann.