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1. Die Bedeutung, welche die Flensburger Werft für eiserne Schilfe in den letzten Jahren gewonnen,
sowie auch die Zunahme des Dampferverkehrs nach der dortigen Föhrde lassen es als sehr wünschenswerth
erscheinen, dass daselbst eine Deviationsboje nach dem Muster jener, in der Kieler Bucht für die Zwecke
der Marine bestimmten, ausgelegt werde. Die Direktion hat es sich besonders angelegen sein lassen, den
Vorsteher der Agentur, Herrn Navigationslehrer Pheiffer, der einen besonderen Eifer in Sachen der De
viation zeigte, mit Allem an Instrumenten u. s. w. auszustatten, was zur Hülfeleistung bei Aufstellung und
Kompensation der Kompasse erforderlich ist. Die bisher zu Deviationsbestimmungen benutzten Hafenbojen
werden so häufig verlegt, wodurch die Unsicherheit der erforderlichen Azimute so erheblich wird, dass im
Interesse der praktischen Schifffahrt das Auslegen einer Deviationsboje in der Flensburger Föhrde dringend
befürwortet werden muss,
2. Die Direktion hat schon vor 5 Jahren das Auslegen einer Deviationsboje bei Danzig-Neufahr
wasser empfohlen und die Nützlichkeit, um nicht zu sagen Nothwendigkeit einer solchen Vorrichtung ein
gehend motivirt. Nach einer Prüfung der einschlägigen Verhältnisse auf der Weichsel wurde als eine für
diese Zwecke höchst passende Stelle die sogenannte Todte Weichsel bei Weichselmünde bezeichnet. Da
sich bisher den häufig an die Hauptagentur in Neufahrwasser gerichteten Ersuchen um Hülfeleistung in der
Deviationsbestimmung erhebliche Schwierigkeiten entgegenstellten, die allein in dem Mangel einer passenden
Vorrichtung ihren Grund hatten, so muss abermals auf das Entschiedenste für die Beschaffung einer solchen
eingetreten werden. Da auch die Kaiserliche Marine wegen der Nähe ihrer Schiffswerft und der daselbst
gebauten oder ausgerüsteten Schiffe an der Durchführung des Vorschlages ein Interesse hat, so steht zu
erwarten, dass dieses Desiderat endlich erfüllt werde.
3. Zur Zeit, als die Seewarte ihre Thätigkeit auf dem Gebiete der Kompass-Aufstellung und Deviations
pflege überhaupt aufnahm, bezeichnete es die Direktion als unerlässlich, dass im Hamburger Hafen
selbst eine Stelle geschaffen werde, an welcher zu allen Zeiten die Fundamental-Untersuchungen ausgeführt
werden könnten. Es ist ihr nicht gelungen, diesen Vorschlag zur Durchführung gebracht zu sehen und es
wurde schon darauf hingewiesen (Seite 59), dass der dadurch bedingte Ausfall in den Einrichtungen zu
Zwecken einer streugen Deviationsbestimmung eine ganz erhebliche Mehrbelastung des Personales des In
stitutes zur Folge hatte. Wie früher ausgeführt wurde, bedingte eine ununterbrochene und zu allen Zeiten
zur Verfügung des Schifffahrt treibenden Publikums stehende Thätigkeit die Nothwendigkeit, dass einzelne
Beamte für ganze Tage auf Reisen, die Elbe hinab, begriffen, von der Zentralstelle abwesend sein mussten.
Während einerseits abermals betont wird, dass diese Unzuträglichkeiten für die Zukunft in Wegfall zu kommen
haben, wird andererseits darauf hingewiesen, wie die Zunahme des Eisenschiffsbaus auf den Werften Ham
burgs für alles, was Kompass-Aufstellung, Kompensation und Deviationsbestimmungen anlangt, eine ganz
besondere Beachtung heischt. Im Interesse der Schiffswerften in der Nähe von Hamburg, sowie jenem der
praktischen Navigation steht zu hoffen, dass die genannten Gesichtspunkte endlich eine Beachtung finden und,
so bald als thunlich, die erforderlichen Einrichtungen von Seiten des Hamburger Staates getroffen werden.
4. Die Seewarto war bemüht, und zwar vorzugsweise dazu veranlasst durch eine diesbezügliche An
regung von Seiten des Direktoriums der Schiffsbau-Gesellschaft Vulkan in Bredow, dafür Sorge zu tragen,
dass auch auf der Oder in Dingen der Kompass-Aufstellung und Kompensation und durch Anstellung zu
verlässiger Fundamental-Untersuchungen durch deren Zweigorgane jede thunliche Hülfe geleistet werden
konnte. Bei der erheblichen Entfernung der Hauptagentur Swinemünde schlug die Direktion die Erricht
ung einer Agentur zweiten Ranges in Stettin vor, und es wurden auch in dem Etat pro 1878/79 die Mittel
dafür vorgesehen. Da es bis jetzt nicht gelang, eine mit der Lehre der Deviation genügend vertraute Per
sönlichkeit für jene Agentur zu gewinnen, so konnte Abhülfe noch nicht erzielt werden. Uebrigens wird
die Sache im Auge behalten werden, damit bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit den Wünschen der
betheiligten Kreise gebührend Rechnung getragen werden kann.
Beobachtungen über den Werth der Elemente des Erdmagnetismus.
In dem Jahresbericht 1875—1878, Seite 105 und folgende, wurden alle Einzelheiten gegeben, welche
sich auf die bei der Bestimmung der magnetischen Elemente benutzte Methode der Beobachtungen und
auf die Instrumente beziehen. Da Aenderungen mit Rücksicht darauf nicht eintraten, so ist es nicht erforder
lich, zum vollen Verständnisse der in diesem Abschnitte mitgetheilten Werthe weitere Bemerkungen voranzu
schicken. Es wird hier einfach auf die an den angeführten Stellen gegebenen Erläuterungen verwiesen.