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Full text: 71, 1943

222 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943. 
aus je zwei beobachteten Standlinien die kimmfreie Standlinie zu gewinnen und 
dann alle kimmfreien Standlinien der Ausgleichung nach (8) zu unterwerfen, 
Auch dafür lassen sich allgemeine Formeln aufstellen, die allerdings sehr 
unbequem werden schon deswegen, weil die Anzahl der kimmfreien Standlinien 
so groß ist, nämlich !/,n (n — 1), wenn n Standlinien beobachtet worden sind. 
Jedoch besteht ein grundsätzlicher Unterschied zwischen diesem und dem oben 
entwickelten neuen Verfahren. Nach (7) findet man einen allen beobachteten 
Standlinien gemeinsamen konstanten Fehler, Eine kimmfreie Standlinie dagegen 
trägt einen Ort, der von den zwei zugehörigen beobachteten Standlinien gleich 
weit entfernt ist. Dieser Abstand enthält auch gleiche Anteile der zufälligen 
Fehler jener zwei Standlinien. Hinzu kommt, daß kimmfreie Standlinien nicht 
in ihrer ganzen Länge Träger des wahren Schiffsortes sein können (IV S. 268). 
Die bei Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate stets wichtige 
Frage des Fehlergesetzes dürfte bei dem neuen Verfahren zu Bedenken nicht 
Anlaß geben, im Gegensatz zu dem Verfahren nach (8): Übrigens könnte das 
Fehlergesetz empirisch nachgeprüft werden, wenn von einem festen Beob- 
achtungsort mit genau bekannten Koordinaten aus Kimmabstände möglichst 
vieler Sterne von der gleichen Anzahl von Beobachtern, gleichzeitig gemessen, 
und die aus ihnen berechneten Standlinien der Ausgleichung unterworfen werden 
würden. 
Die Bedeutung des Ozons und der Kohlensäure in der Atmosphäre 
für die nächtliche effektive Ausstrahlung am Erdboden. 
Von Erich Süßenberger, Meteorologische Versuchsgruppe des Marinewetterdienstes 
Der nächtliche Wärmeumsatz der Atmosphäre ist gekennzeichnet durch die 
Ausstrahlung der Erdoberfläche (A) und die Gegenstrahlung der über ihr liegenden 
Atmosphäre (G). Entsprechend den wirksamen Temperaturen bewegen sich diese 
Strahlungen im langwelligen Teil des Spektrums, also im Ultrarot. Die tatsächlich 
in den kalten Weltenraum austretende Strahlung, die sogenannte „effektive“ 
Ausstrahlung (R), ist instrumentell meßbar, als die Differenz der Temperatur- 
ausstrahlung der Erdoberfläche und der langwelligen Gegenstrahlung der Atmo- 
sphäre (R = A—G). Über diese Strahlungsverhältnisse liegen zahlreiche instru- 
mentelle und theoretische Untersuchungen vor. Am reinsten treten sie in klaren 
wolkenlosen Nächten auf, Dann sind sie rechnerisch erfaßbar, während sie durch 
die Anwesenheit von Wolkenfeldern mit ihren unkontrollierbaren Strahlungseigen- 
schaften übermäßig kompliziert und im einzelnen nicht mehr übersehbar werden. 
Auf eine bestimmte Temperatur der strahlenden Fläche reduziert zeigt die 
effektive Ausstrahlung eine starke Abhängigkeit vom Feuchtigkeitsgehalt der dar- 
überliegenden Atmosphäre. Denn die langwellige Gegenstrahlung der Atmosphäre 
ist überwiegend abhängig vom Absorptionsvermögen der atmosphärischen Gase — 
d. h. von der Fähigkeit dieser Gase, wieder zurückzustrahlen —, von denen dem 
Wasserdampf mit seinen starken Absorptionsbanden im Ultraroten eine über- 
ragende Rolle zukommt. Die effektive Ausstrahlung ist daher bei Unter- 
suchungen immer zum Wasserdampfgehalt der Atmosphäre in Beziehung gesetzt 
worden, beispielsweise in den Formeln von A. Ängström und F. Linke (s. Linke, 
Meteorol. Taschenbuch, Ausgabe V, S. 200). In einer früheren Arbeit (ı) wurde 
darauf hingewiesen, daß die Temperatur und der Dampfdruck am Boden nur 
näherungsweise eine Rolle spielen, daß vielmehr die Temperatur- und Dampf- 
druckverteilung in der gesamten Atmosphäre maßgeblich sind. Denn die Boden- 
werte zeigen je nach Wetterlage eine sehr unterschiedliche Abhängigkeit von 
den Zuständen in der freien Atmosphäre, Ein wesentlich günstigeres Maß für 
den Wasserdampfgehalt, das ihn für die gesamte Atmosphäre erfaßt, ist daher 
das von Fowle eingeführte „precipitable water“, das Mügge und Möller in 
ihren Arbeiten als „Niederschlagswasser“ übernommen haben. 
In. der 1929 erschienenen Arbeit „Über Variationen der atmosphärischen 
Temperaturstrahlung und ihren Zusammenhang mit der Zusammensetzung der
	        
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