Schumacher, A.: Monatskarten d. Oberflächenströmungen im äquatorialen u. südl, Atl. Ozean. 219
Vereinigung der beiden Gegenströme erfolgt. Im August ist zwar der Gegenstrom
gerade über dem breiten Teil des Rückens zwischen 8° und 5° N gut ausgebildet;
aber die Juni- und Julikarte begründen doch m. E. die Vermutung, daß für das
erste Zustandekommen der Verbindung der Sattel unter 8° N mit von Einfluß
ist. Auch von September bis November hält sich hier die Westostströmung am
ausgeprägtesten. Hierauf sei gegenüber den Bedenken, die A. Defant!) zu der
vom Verfasser vermuteten Beeinflussung des Gegenstromes durch die Boden-
formen geäußert hat, nochmals hingewiesen. — Jedenfalls wird Übereinstimmung
darüber herrschen, daß der Gegenstrom wie überhaupt das äquatoriale Strömungs-
gebiet ein überaus dankbarer Gegenstand intensiver simultaner ozeanographischer
Untersuchung wäre, die sich möglichst über ein ganzes Jahr zu erstrecken hätte.
Auch diese Karten können, wie die nordatlantischen von 1940, keineswegs
als „abschließend“ gelten?). Wenn sie auch hinsichtlich der Menge des zugrunde
liegenden Materials frühere Arbeiten übertreffen, so werden bei weiterer Steige-
rung desselben noch zum mindesten verschiedene Abwandlungen in bezug auf
die eingetragenen Beständigkeits- und Geschwindigkeitstufen zu gewärtigen sein.
Die Verfeinerungen, die in der Darstellung der äquatorialen Strömungen gegen-
über 1940 erzielt werden konnten, zeigen, daß das Ziel bleiben muß — gerade
für eine „endgültige“ Arbeit im Dienste der Praxis — alles erreichbare Beob-
achtungsmaterial heranzuziehen, und daß man nicht etwa, wie das früher mit Rück-
sicht auf die ohne Maschinenhilfe zu leistende Aufbereitungsarbeit wohl geschehen
ist, bei einer willkürlich festgesetzten Grenze die Materialsammlung abschließen
sollte. Wahrscheinlich wird es dann über die Ausarbeitung möglichst zuverlässiger
Monatskarten hinaus einmal möglich sein, wenigstens für begrenzte Gebiete z, B,
das etwaige Wandern von Strömungsgrenzen von Jahr zu Jahr zu verfolgen,
oder auch Probleme einer Art „synoptischer“ Strömungskunde in Angriff zu
nehmen, wie das andeutend z. B. schon einmal in einer kurzen Golfstrombetrach-
tung aus dem Jahre 1905 versucht worden ist3).
Ausgleichung astronomischer Standlinien auf See.
Von Otto Steppes, Hamburg, Reichs-Seefahrtschule,
I. Villarceau und de Magnac, Nouvelle navigation astronomique, Paris 1877.
Il. Weyer. Astronomische Nachrichten, Bd, 110, S. 18, 1884.
III. Rottok, Ann. d. Hydr., Jahrg. 13, 1855. S. 605 und 661.
IV. Lehrbuch der Navigation, herausgeg. vom Reichsmarineamt 1906, 2, Bd,
V Veröff, des Marineobserratoriums ın Wilhelmshaven. 1933. Conrad: Astron, Ortsbest,
und Kimmtiefenmessung auf See.
M. W. sind bislang drei Verfahren angegeben worden, die wahrscheinlichste
Lage eines Ortes zu errechnen oder auch zu zeichnen, der durch mehr als zwei
gleichzeitige oder auf denselben Ort reduzierte astronomische Standlinien über-
bestimmt ist: die Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate für
vermittelnde Beobachtungen (I, II, III), die Verwendung der sogenannten kimm-
freien Standlinien (IV) und ein Mittelweg zwischen diesen beiden Verfahren
(IV, S. 275 8 208 Abs. 2). Als viertes Verfahren wäre das nach Conrad zu nennen
(V, S. 83); es dient allerdings weniger der Ausgleichung im eigentlichen Sinn
als der Nachprüfung der Beobachtungen auf ihre Güte hin. Das erste Verfahren
läßt die konstanten (regelmäßigen) Fehler außer acht, das zweite berücksichtigt
nur diese und leidet an dem Mangel, im allgemeinen nur bei drei Standlinien
zu einem Ergebnis zu führen, das dritte läßt sich wohl nicht streng begründen
und im allgemeinen auch nur bei drei Standlinien anwenden,
Wäre es möglich, aus gleichzeitig gemessenen Kimmabständen verschiedener
Gestirne fehlerfreie Standlinien zu gewinnen, so müßten diese alle durch einen
1) Ann, d. Hydr, 69, 1941, S. 260. — %) Verf, hofft in absehbarer Zeit für einige charakteristische
Monate Strömungskarten des ganzen Atlantischen Ozeans geben zu können unter Verwertung einiger
z. Z. noch unveröffentlichter Teilarbeiten für den Nordatlantischen Ozean. — 3%) Der Golfstrom vom
10. Mai bis zum 10. Juni 1904. Mit 8 Kärtchen. Ann. d. Hydr. 33, 1905, S. 314f£,
Literatur: