204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943,
und salzärmerem Wasser entstanden ist, Dann würde sich also der Sauerstoff-
gehalt in der untersten Schicht des Gotland-Tiefs im Laufe von rund zwei
Jahren von etwa 30 auf 4% vermindert haben,
Das 1922 westlich von Gotland in der Unterschicht festgestellte Wasser läßt
keine Beziehung zu dem 1924 vorgefundenen erkennen, die T-S-Beziehungen
weichen völlig voneinander ab, Die Gegenüberstellung der Stat, Alfh. 90 vom
15. 7. 1922 und Stat. 10 vom 23, 9. 1924 zeigt dies (Tabelle 3),
Tabelle 3.
Tiefe t So Op A
m 1 1 ecm/L | Ya
Tiefe | t | So
m
Op
ecm/L_| Ya
Stat. Alfh, 90. Stat. 10.
379 6.3 N, 17° 36.30 15.7, 1922, Tiefe 97 m 57°8.3 N, 17° 39.8 O 23, 9. 1924, Tiefe 116 m.
so 4.30 9,52 206 | 24 | ko 4.12 9,58 2.45 | 28
97 4.30 9,85 156 | 184 100 4.10 9.81 200 1:23
115 4.08 9.94 189 | 22
Nach den oben gegebenen Bemerkungen über die Bodengestalt ist dies nicht ver-
wunderlich, da in dem Niveau der geringsten Schwellentiefe, also bei etwa 110 m,
inzwischen eine häufigere Erneuerung des Wassers stattgefunden haben dürfte,
Daß im Juli 1922 in der Unterschicht östlich von Gotland, besonders auch
im Gotland-Tief, verhältnismäßig hohe Sauerstoffgehalte festgestellt wurden,
wird darauf zurückzuführen sein, daß nicht lange Zeit vorher, etwa im Früh-
jahr 1922 oder im vorhergehenden Winter, eine Erneuerung des Wassers der
bodennahen Schicht durch Einstrom hochsalzigen Wassers aus dem Bornholm-
Becken stattgefunden hat. Da derartige Einströme verhältnismäßig selten sind,
ist zu erwarten, daß die Durchlüftung des bodennahen Wassers im Gotland-Tief
im allgemeinen schlechter ist als westlich von Gotland, Die 1924 festgestellten
Verhältnisse entsprechen daher mehr der Regel als die 1922 beobachteten.
Im Anschluß an die 1922 durchgeführten Beobachtungen über die freie
Kohlensäure wurden solche auch auf der „Panther“ Fahrt durchgeführt und
außerdem von dem gleichen Wasser Proben in evakuierte Röhren gefüllt zur
späteren Bestimmung des Gesamtkohlensäuregehaltes, Von 16 Wasserproben
liegen nun neben den Werten des Sauerstoffgehaltes auch die der freien Kohlen-
säure und der Gesamtkohlensäure vor; sie sind in Tabelle 4 zusammengestellt.
Die Ableitung der Werte erfolgte in der gleichen Weise wie früher‘).
Ebenso wie bei den 1922 gewonnenen Beobachtungen wurde das Verhältnis
der Anomalien der freien Kohlensäure (4 CO,) und des Sauerstoffs (4 0O,) be-
trachtet. Die KEinzelwerte der Verhältniszahlen bewegen sich zwischen 0,46
und 0.55, das Mittel der 16 Wertepaare ist ES 2 = 0.51. Die Übereinstimmung
mit dem aus den 1922 gewonnenen 68 Beobachtungen abgeleiteten Wert von
0.50 ist gut, es ergibt sich damit eine Bestätigung des Satzes, daß die Anomalie
der freien Kohlensäure etwa halb so groß ist wie die Anomalie des Sauerstoff-
gehaltes. i
Außerdem wurde die Verhältniszahl zwischen der Anomalie der Gesamt-
kohlensäure und des Sauerstoffs untersucht, die früher als „Sauerstoffumwand-
lungsfaktor“ bezeichnet worden war®), Die in der Tabelle 4 — Spalte 9 — zu-
sammengestellten Werte bewegen sich zwischen 0.97 und 0.79, das Mittel aller
16 Werte ist 0.85. Im Anschluß an die 1922 gewonnenen Beobachtungen war
der Wert 0.93 abgeleitet worden, das Gesamtmittel aller Werte ist rund 0.9,
Aus früher angegebenen Gründen ist der Sauerstoffumwandlungsfaktor mit hin-
reichender Genauigkeit gleich dem mittleren „respiratorischen Quotienten“ der
gesamten in der Unterschicht vorhandenen Lebewelt, so daß nach den sämt-
lichen bis 1924 gesammelten Beobachtungen gilt: Der mittlere respiratorische
Quotient der in der Unterschicht der Ostsee vorhandenen Lebewelt ist rund 0,9,
1} Archiv der Dt, Seewarte, Bd, 41, Nr. 1, Hamburg 1923, 5. 35ff. — 7) Aa. O0. 8. 36