Schober, H.: Die Sichtbarkeit von Seezeichen von d. Seite d. physiologischen Optik usw. 185
Neben der Auflösung des Auges spielt die Dunkelanpassung eine der wich-
tigsten Rollen (Abb, 3). Das Auge hat bekanntlich die von keinem künstlichen
Meßinstrument erreichte Eigenschaft, sich dem jeweiligen Beleuchtungsniveau an-
passen zu können. Allerdings geht diese Anpassung, soweit es den Übergang
vom Hellen ins Dunkle betrifft, leider nur sehr langsam vor sich. Man benötigt
dazu etwa 20 bis 30 Minuten. Die Länge dieser Zeit wird zum Schaden des
Nachtsehens sehr oft nicht beachtet, Nach den zahlreichen übereinstimmenden
Messungen der verschiedensten Beobachter wird mach sechs Minuten Dunkel-
anpassung noch kaum 0,03 % und nach zehn Minuten erst 15 % des Bestwertes
erreicht. Die Abb, 3 zeigt die Kurven getrennt für Zäpfchen und Stäbchen.
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Ce
7
X
Abb. 4.
Verlauf der Zeitdauer
für die Wahrnehmung
von Empfindungen bei
verschiedenen Leucht-
dichten des Lichtreizes
in Abhängigkeit von
der Anpassungszeit,
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Gesichtsteldieuchtdichte der Totaladaptation in ash
Abb. 5, Verlauf der Wahrnehmungsschwelle und Erkennungsschwelle in
Abhängigkeit von der Gesichtsfeldleuchtdichte der Totalanpassung des Auges.
Die Dunkelanpassung wird schon durch Lichtreize von wenigen Sekundenbruch-
teilen Dauer empfindlich gestört. Sie ist individuell stark verschieden. Menschen
mit schlechter oder keiner Dunkelanpassung heißen nachtblind oder hemerallop.
Es ist bekannt, daß ein weitgehender Zusammenhang zwischen der Dunkel-
anpassung und dem Vitamin A-Gehalt des Körpers besteht, Bei reichlichem
Genuß von Vitamin A in natürlicher oder künstlicher Form, also etwa nach dem
Genuß von frischen Tomaten wird die Dunkelanpassung stark beschleunigt und
verbessert, ja es können sogar einfache Fälle von Nachtblindheit geheilt werden,
Auch die beiden Augen beeinflussen gegenseitig die Geschwindigkeit der Dunkel-
anpassung, was in der Praxis ausgenutzt werden kann. Wird man etwa durch
ein Licht in der Nacht geblendet, so genügt es, ein Auge zu schließen. Dann
geht die Wiederanpassung am geblendeten Auge rascher vor sich als wenn
beide Augen geblendet worden wären.
Der doppelte Sehapparat im Auge und das verschiedene Dunkelanpassungs-
vermögen für Stäbchen und Zäpfchen führen dazu, daß es labile Zustände gibt,
die sich unter Umständen sehr unangenehm auswirken können, Sie liegen meist
im Beleuchtungsgebiet, das etwa der Vollmondbeleuchtung entspricht. Hier
schalten die Zäpfchen ab, während die Stäbchen noch nicht voll eingeschaltet
sind. Es ist deshalb auch dieser Beleuchtungszustand für die Sehverhältnisse
am ungünstigsten. Jeder Praktiker weiß, daß das Ablesen von Skalen gerade
im Vollmondlicht oder bei gewisser Dämmerung, die der Vollmondbeleuchtung
entspricht, besonders schwierig wird. Sowohl darüber als darunter sind die Ver-
hältnisse wieder eindeutiger und geregelter. Dasselbe zeigt sich auch bei der
Dunkelanpassung. Abb. 4 zeigt die von Kovacz aufgenommene Funktion der
Mindestempfindungszeit für verschieden starke Lichtreize zur Dunkelanpassungszeit,
Ann. 0. Hydr. usw. 1948, Heft IV/VI. #