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Full text: 71, 1943

Schober, H.: Die Sichtbarkeit von Seezeichen von d. Seite d. physiologischen Optik usw. 185 
Neben der Auflösung des Auges spielt die Dunkelanpassung eine der wich- 
tigsten Rollen (Abb, 3). Das Auge hat bekanntlich die von keinem künstlichen 
Meßinstrument erreichte Eigenschaft, sich dem jeweiligen Beleuchtungsniveau an- 
passen zu können. Allerdings geht diese Anpassung, soweit es den Übergang 
vom Hellen ins Dunkle betrifft, leider nur sehr langsam vor sich. Man benötigt 
dazu etwa 20 bis 30 Minuten. Die Länge dieser Zeit wird zum Schaden des 
Nachtsehens sehr oft nicht beachtet, Nach den zahlreichen übereinstimmenden 
Messungen der verschiedensten Beobachter wird mach sechs Minuten Dunkel- 
anpassung noch kaum 0,03 % und nach zehn Minuten erst 15 % des Bestwertes 
erreicht. Die Abb, 3 zeigt die Kurven getrennt für Zäpfchen und Stäbchen. 
A 
Ce 
7 
X 
Abb. 4. 
Verlauf der Zeitdauer 
für die Wahrnehmung 
von Empfindungen bei 
verschiedenen Leucht- 
dichten des Lichtreizes 
in Abhängigkeit von 
der Anpassungszeit, 
3 8 
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dx 104 410° Absolule Wahrnehmungsschwlle 13 | 1 [11 
FEAT L) 
Gesichtsteldieuchtdichte der Totaladaptation in ash 
Abb. 5, Verlauf der Wahrnehmungsschwelle und Erkennungsschwelle in 
Abhängigkeit von der Gesichtsfeldleuchtdichte der Totalanpassung des Auges. 
Die Dunkelanpassung wird schon durch Lichtreize von wenigen Sekundenbruch- 
teilen Dauer empfindlich gestört. Sie ist individuell stark verschieden. Menschen 
mit schlechter oder keiner Dunkelanpassung heißen nachtblind oder hemerallop. 
Es ist bekannt, daß ein weitgehender Zusammenhang zwischen der Dunkel- 
anpassung und dem Vitamin A-Gehalt des Körpers besteht, Bei reichlichem 
Genuß von Vitamin A in natürlicher oder künstlicher Form, also etwa nach dem 
Genuß von frischen Tomaten wird die Dunkelanpassung stark beschleunigt und 
verbessert, ja es können sogar einfache Fälle von Nachtblindheit geheilt werden, 
Auch die beiden Augen beeinflussen gegenseitig die Geschwindigkeit der Dunkel- 
anpassung, was in der Praxis ausgenutzt werden kann. Wird man etwa durch 
ein Licht in der Nacht geblendet, so genügt es, ein Auge zu schließen. Dann 
geht die Wiederanpassung am geblendeten Auge rascher vor sich als wenn 
beide Augen geblendet worden wären. 
Der doppelte Sehapparat im Auge und das verschiedene Dunkelanpassungs- 
vermögen für Stäbchen und Zäpfchen führen dazu, daß es labile Zustände gibt, 
die sich unter Umständen sehr unangenehm auswirken können, Sie liegen meist 
im Beleuchtungsgebiet, das etwa der Vollmondbeleuchtung entspricht. Hier 
schalten die Zäpfchen ab, während die Stäbchen noch nicht voll eingeschaltet 
sind. Es ist deshalb auch dieser Beleuchtungszustand für die Sehverhältnisse 
am ungünstigsten. Jeder Praktiker weiß, daß das Ablesen von Skalen gerade 
im Vollmondlicht oder bei gewisser Dämmerung, die der Vollmondbeleuchtung 
entspricht, besonders schwierig wird. Sowohl darüber als darunter sind die Ver- 
hältnisse wieder eindeutiger und geregelter. Dasselbe zeigt sich auch bei der 
Dunkelanpassung. Abb. 4 zeigt die von Kovacz aufgenommene Funktion der 
Mindestempfindungszeit für verschieden starke Lichtreize zur Dunkelanpassungszeit, 
Ann. 0. Hydr. usw. 1948, Heft IV/VI. #
	        
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