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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943, 
Die lichttechnischen Eigenschaften des Seezeichens, 
Wenden wir uns zuerst zum Seezeichen selber. Soweit es sich dabei um 
Leuchtfeuer handelt, spielen für die Güte des Seezeichens die Leuchtdichte der 
Lichtquelle, gemessen in Stilb (Hefner Kerzen pro qem), der Lichtstrom gemessen 
in Lumen, der Winkel @, unter dem das Seezeichen gesehen wird, und der 
Kontrast gegen die Umgebung die Hauptrolle. Der Kontrast K wird bestimmt 
als Differenz der Leuchtdichte des Seezeichens B, minus der der Umgebung EB, ge- 
brochen durch die Leuchtdichte des Seezeichens 
B.—B, 
K=- Br 
Zu diesen Hauptumständen kommen noch in gewissem Ausmaß die Form 
des Zeichens und die Art seiner Umgebung, die Lichtfarbe und psychologische 
Merkmale, wie Erinnerungsvermögen usw. hinzu, Beim nichtleuchtenden See- 
zeichen kommen dieselben Umstände lediglich mit dem Unterschied zur Geltung, 
daß. an Stelle der Leuchtdichte des Zeichens das Reflexionsvermögen des Farben- 
anstriches gesetzt werden kann. 
Wir werden im folgenden sehen, daß nicht alle diese Umstände in gleicher 
Weise maßgebend sind, daß vielmehr je nach der Größe des Sehwinkels x entweder 
der Leuchtdichte (dem Reflexionsvermögen beim nicht selbstleuchtenden Seezeichen) 
oder dem vom Seezeichen ausgehenden Lichtstrom die wichtigere Rolle zukommt. 
Die Leuchtdichte selbstleuchtender Zeichen kann durch Wahl geeigneter 
Lichtquellen im weitesten Ausmaß geändert werden, Hier hat die neueste Ent- 
wicklung der Lichtquellen besondere Erfolge zu verzeichnen, indem es gelungen 
ist, einerseits durch Weiterentwicklung der Beck-Kohlen, andererseits durch 
Einführung der Quecksilberhöchstdrucklampen Leuchtdichten zu erzielen, die 
selbst die Leuchtdichte der Sonne übertreffen, Daß das Reflexionsvermögen 
durch geeignete Farbanstriche sehr hoch getrieben werden kann, ist ebenfalls 
verständlich. Der Lichtstrom wird durch die Wahl geeigneter Optik bzw. durch 
Leuchtmittel am nichtselbstleuchtenden Seezeichen ebenfalls in weitesten Grenzen 
beeinflußt. 
Der Einfluß der Lichtfarbe auf das Sehvermögen ist in den letzten Jahren 
überschätzt worden. So hat man lange Zeit geglaubt, daß gefärbtes Licht, ins- 
besondere das monochromatische gelbe Licht der Natriumlampe imstande sei, 
Dunstschichten leichter zu durchdringen als weißes Licht. Man ging dabei 
soweit, daß man gelbgefärbte Abschlußgläser vor die Scheinwerfer der Kraft- 
wagen und versuchsweise auch vor die Suchscheinwerfer an Bord anbrachte, 
Zahlreiche in fast allen Ländern durchgeführte Untersuchungen®*) haben gezeigt, 
daß dies ein Trugschluß ist und das gelbe, selbst das monochromatische gelbe 
Licht dem weißen Licht auch bei Nebel nicht überlegen erscheint. Die gelben 
Scheinwerfer sind in der Tat wieder überall verschwunden, in vielen Ländern 
sogar wegen ihrer Zwecklosigkeit und der Verwechslungsgefahr mit absichtlich 
gelb gefärbten Signal-Lichtquellen verboten worden. Damit darf natürlich 
nicht verwechselt werden, daß unter den gefärbten Lichtern, also den Signal- 
lichtern, die rötlichen und gelblichen den Nebel besser durchdringen können als 
die grünlichen und bläulichen. Allerdings ist auch dies nicht bei allen Nebel- 
arten der Fall. 
Daß die Polarisation des ausgesandten Lichts keinen Vorteil darstellt, er- 
scheint selbstverständlich, wenn man sich überlegt, daß Nebelbildung zu einer 
unkontrollierbaren Änderung der Polarisationsverhältnisse führt. 
Die Eigenschaften des Lichtempfängers (menschliches Auge), 
Das menschliche Auge besitzt in seiner Netzhaut zwei verschiedene Arten 
von lichtempfindlichen Organen, nämlich feine Stäbchen i(radij) und etwas 
2) R. G. Weigel, O0, H. Knoll u. W. Schramm: Zur Frage der Wirksamkeit des Lichtes, 
insbesondere von Scheinwerfern (Lichtsignalen, Leuchtfeuern u. &.) in Abhängigkeit von Lichtfarbe 
und atmosphärischer Durchlässigkeit, „Das Licht“ 11, 1941, S. 184—186, 201—202. — Luckiesh, 
Matthew and S. L. Holladay: Penetration of fog by light from sodium and tungsten lamps in 
Journ. Opt., Soc. Amer, 31, 1941, S, 528—530.
	        
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