164 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943,
von irgendeiner Niveaufläche berechnet werden, wenn jede Pegelstation eindeutig
an ein Höhennetz angeschlossen ist. Die ausführliche Diskussion wird ergeben,
daß die Voraussetzungen dazu aber bei weitem noch nicht überall erfüllt sind.
Selbst an der deutschen Ostseeküste „durchdringen“ sich drei Geoidflächen.
Noch größer werden die Schwierigkeiten, wenn verschiedene Ländernetze auf-
einander bezogen werden sollen, da die Bemühungen der Baltischen Geodätischen
Kommission, eine Nivellementsschleife um die Ostsee zu legen, noch nicht ver-
wirklicht werden konnten, :
Öber die Stabilität der Wasserschichtung im Schwarzen Meer.
Von Gerhard Neumann, Deutsche Seewarte,
(Hierzu Tafel 10 mit Abbildungen la, 1b, le.)
Zwei Hauptwasserkörper mit sehr verschiedenen physikalischen und chemisch-
biologischen Eigenschaften kennzeichnen in großen Zügen den Aufbau des
Schwarzen Meeres. So läßt sich in physikalischer Hinsicht der Gesamtwasser-
körper in eine obere „Troposphäre“ und in eine untere „Stratosphäre“ einteilen,
über deren charakteristische Eigenschaften im Aufbau kürzlich in dieser Zeit-
schrift!) berichtet wurde. Als Grenzschicht zwischen den beiden Hauptwasser-
arten kann die Schicht stärkster Krümmung der vertikalen Dichtekurve ange-
nommen werden, Diese Wasserschicht fällt angenähert mit der Obergrenze des
Schwefelwasserstoffgebietes, der dynamischen Bezugsfläche und der Untergrenze
des planktonischen Lebens zusammen.
Bei der Berechnung der Stabilität des Wassers im Schwarzen Meer ergaben
sich einige bezeichnende Merkmale in der vertikalen Stabilitätsverteilung, die
einen Zusammenhang mit den genannten Grenzflächen zwischen Troposphäre und
Stratosphäre vermuten lassen. In einem geschichteten Meer werden sich an der
Grenze verschieden schwerer Wasserarten Maxima, in den angenähert homogenen
Wasserkörpern selbst Minima der Stabilität ausbilden, Der Gedanke, auf Grund
der Stabilität der Wasserschichtung zu einer genaueren Festlegung der Grenzen
zwischen den einzelnen Wasserkörpern zu gelangen, liegt daher sehr nahe, Die
Erwartungen haben sich in dieser Hinsicht jedoch nicht in dem Maße erfüllt.
So ist O, v. Schubert?) bei der Bearbeitung der Stabilitätsverhältnisse des
Atlantischen Ozeans zu dem Ergebnis gekommen, daß eine schärfere Abgrenzung
der Wasserkörper auf Grund der Stabilitätsverteilung wegen der hohen Empfind-
lichkeit der Methode und des zu großen vertikalen Abstandes der Beobachtungen
nicht möglich ist, Die Hoffnung, auf diese Weise weitere Anhaltspunkte über
die Schichtungsverhältnisse dieses Ozeans zu gewinnen, mußte daher aufgegeben
werden, auch wenn sich in großen Zügen eine Übereinstimmung im Verhalten
des Zwischenstromes und der Stabilität erkennen ließ,
Die im Schwarzen Meer beobachteten Störungen in der vertikalen Stabili-
tätsverteilung geben nun Veranlassung, die Frage nach dem Zusammenhang
zwischen den Wasserkörpergrenzen und der Stabilität der Wasserschichtung
einmal gesondert für dieses Meer zu untersuchen. Günstig für eine solche Unter-
suchung ist der enge Abstand der Beobachtungen?) auf ‚einer Vertikalen (im
allgemeinen 25 m) bis 300 m Tiefe, Für die Berechnung der Stabilitäts-
verhältnisse tieferer Wasserschichten ist dagegen das Material weniger geeignet,
da ab 500 m Tiefe nur in Abständen von 500 m beobachtet wurde, Trotzdem
werden einige Hinweise, besonders über die Verteilung der potentiellen Tempe-
raturen in der Stratosphäre erlaubt sein. ohne dabei auf Einzelheiten einzugehen.
4, Neumann: Über den Aufbau und die Frage der Tiefenzirkulation des Schwarzen Meeres,
Ann. d. Hydr. usw. 1943, Heft 1. — % O. v,, Schubert: Die Stabilitätsverhältnisse. Quantitative
Untersuchungen zur Statik und Dynamik des Atlantischen Ozeans, Wiss, Ergebn, d. Deutschen Atl,
Exped, usw., Bd. VI, IT. Teil, Lief, 1, 1935, — % Hydrographische Hauptverwaltung, Abt. Hydro-
meteorologie. Hydro-Meteorologische Beobachtungen hydrographischer Expeditionen, Fasc. 3, 4; 5, 6.
Leningrad 1924/29,