accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 71, 1943

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943, 
Und damit kommt man zu der Überzeugung, daß hier viel Geist und Mühe 
an einem ungeeigneten Objekt vertan ist; allerdings nicht ganz nutzlos vertan 
ist, da die Suche nach dem Grunde des nahezu konstanten Exponenten Ah mehrere 
namhafte Meteorologen zu ganz ergebnisreichen Arbeiten verleitet hat. Aber was 
man eigentlich suchte, den „Strahlungskoeffizienten der Luft“, den hat man nicht 
gefunden und konnte man auch nicht finden. 
Inzwischen war das auch unnötig geworden, da A. Angström und andere 
bereits mit dem Pyrgeometer die Ausstrahlungsgröße der Erdoberfläche gegen 
eine ebenfalls strahlende Atmosphäre gemessen und ihre Abhängigkeit von Tem- 
peratur und Wasserdampfgehalt der Luft nachgewiesen hatten. R.Mügge und 
F. Möller haben die Abkühlung der Luftschichten verschiedenster Feuchte- und 
Temperaturverhältnisse durch Strahlung berechnet; Falkenberg hat die Ab- 
gsorption und Strahlung feuchter Luft sogar gemessen, 
Hiernach kann man zu dem Umweg, ausgerechnet aus dem Temperaturgang 
bei Nacht die Strahlungsfähigkeit der Luft berechnen zu wollen, nur sagen: 
Warum etwas einfach machen, wenn es auch kompliziert geht?! -— 
Und wie kam dieser Exponent } zu seinem Ruf, eine Art Naturkonstante zu sein ? 
Zunächst durch den Zufall, daß er für Bern für die einzelnen Monate nur gering- 
fügig schwankte, weil Weilenmann log & unglücklicherweise 0.935 — 1 schrieb 
statt — 0.065. Dann aber liegt es doch im Wesen dieser Exponentialfunktion, 
daß sie vom Anfangswert 1 (für £==0) während der Nacht, etwa für £=12, auf 
den Wert 0.1 oder dergleichen absinken muß, weil ja doch der Wert 0 beinahe, 
aber nicht ganz erreicht werden mußte, Rechnet man aus: ee" = 0.1, so kommt 
man zu A=0.19 und ist damit bereits in der Größenordnung der gefundenen 
Werte. 
So haben wir also ein Problem 70 Jahre hindurch verfolgt, an dem sich 
Meteorologen mehrerer Nationen versucht haben, unter denen die besten Namen 
der Meteorologie auftauchen, Aber sehen wir einmal zu, in welchem Lebensalter 
sich die Autoren bei Abfassung der besprochenen Arbeiten befanden: Mit Aus- 
nahme von Exner waren alle — soweit ich das feststellen konnte — unter 
30 Jahren alt. Es handelt sich also immer um Arbeiten der wissenschaftlichen 
Sturm- und Drangperiode, in der man glaubte, ein jedes Problem mit den ge- 
lernten mathematischen und physikalischen Methoden lösen zu können, in der 
man auch Wert darauf legte, das zu zeigen, Das eigentliche Problem hat aber 
doch niemand richtig lösen können, weil die Grundformel schon verfehlt war und weil 
ein so komplexes Problem nicht mit einer so einfachen Formel beschrieben werden 
kann. Junge Physiker und Meteorologen überschätzen häufig die mathematischen 
Möglichkeiten, Aus einer Formel kann nur das herauskommen, was man in sie 
hineingesteckt hat, als man sie aufstellte. Und wenn man etwas Falsches hinein- 
gesteckt hat, so kann auch nichts Richtiges herauskommen, In vorgeschrittenerem 
Alter würden wohl alle diese Mühe nicht darangewandt haben, 
Und so kommen wir dann zu einem bei der Feier eines 60. Geburtstages 
nicht ganz abseits liegenden Schluß, daß auch die reiferen Jahre ihre Vorzüge 
haben. 
56 
Literaturzusammenstellung. 
A. Weilenmann, Mittelwerte des täglichen Ganges der Lufttemperatur in Bern. Schweiz, Meteorolog. 
Beobachtungen, 9, S, 25, 1872, 
Jul. Maurer, Über die theoretische Darstellung des Temperaturganges während der Nachtstunden 
und die Größe der von der Atmosphäre ausgestrahliten Wärmemenge, Aunalen der Schweiz, 
Meteorolog. Zentralanstalt, Nr. 1885, 
W., Trabert, Der tägliche Gang der Temperatur und des Sonnenscheins auf dem Sonnblickgipfel. 
Denkschrift der Mathem.-phys. Klasse d. Akademie d. Wissensch, zu Wien, 69, 1892, 
F. Linke, Die meteorologischen Registrierungen der Jahre 1902 bis 1906 (am Samoa-Obser- 
vatorium). bla d, Göttinger Ges, f. Wissenschaften, mathem.-phys, Klasse, VII, Nr. 2. 
8. S0ff,, 1908. ; 
Tetsu Tamura, Mathem, Theory of the nocturnal cooling of the Atmosphere, Monthly Weather 
Review, S. 138, 1905. ; 
W. H. Jackson, The laws of the earth nocturnal cooling. Monthly Weather Review, S. 103, 1908, 
Wihelm Schmidt, Studien zum nächtlichen Temperaturgang. Wiener Berichte, Abt. IIsa, 118, 
S. 293, 1909,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.