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Full text: 71, 1943

Linke, F,: Der „Strahlungskoeffizient der Luft“, die Geschichte eines Problems. 153 
5. Schon im Jahre 1905 ging Tetsu Tamura — in Deutschland unbeachtet 
— gelegentlich einer großangelegten Arbeit über die nächtliche Abkühlung auch 
auf die soeben besprochenen Arbeiten ein, Er rügt dabei den Fehler Weilen- 
manns, denselben Koeffizienten für Strahlungen der Luft gegen den Erdboden 
und gegen die höheren Luftschichten zu verwenden und entwickelt eine neue 
Formel für den Wärmeaustausch zwischen Boden und Luft, wobei er die Diffe- 
rentialgleichung für Wärmeleitung verwendete, der er ein Strahlungsglied hinzu- 
fügt. Er schreibt also: 
ÖS k* #9 8 
ZA Od 
dt ec Oz 06 
Mit allen mathematischen Feinheiten wird diese Gleichung zur 
Diese ist aber, wie zu erwarten, für praktische Verwendung 
Seine Überlegungen führen noch zu einer anderen Gleichung 
dA OLE LO, 
Wegen der großen Zahl von „Konstanten“ ist auch sie unbrauchbar. 
Dabei erwähnt Tamura einen Vortrag von K. Nakamura, in dem folgende 
Erweiterung der Lambertschen Formel versucht wird: 
St = Ze (dd — 0, —p sin t—g cos 0). 
do wird also nicht als konstant behandelt, sondern als periodisch variabel. Ein 
praktisches Ergebnis ist nicht bekanntgeworden. Doch sei für diejenigen, die 
das allgemeine Problem des Wärmeaustausches zwischen Luft und Erdboden be- 
handeln wollen, auf die Arbeit von Tamura schon wegen der vollständigen 
Literaturangabe hingewiesen. Tamura vertritt schon die Ansicht, daß die Ab- 
kühlung des Erdbodens das primäre Moment sei, nicht die Strahlung der Luft. 
6. Angeregt durch die Arbeit Tamura’s äußert sich auch W. H. Jackson 
zu dem Thema, geht aber auf den angeblichen Charakter des Koeffizienten als 
Strahlungsgröße gar nicht ein, sondern interessiert sich nur für das übergeordnete 
Problem (das in dieser Studie nicht berührt wird, aber gleichfalls einer histo- 
rischen Behandlung würdig wäre), nämlich die nächtliche Abkühlung des Erd- 
bodens und der untersten Luftschichten überhaupt. Eine e-Funktion hält er zur 
mathematischen Darstellung des Vorganges für recht unpraktisch, zumal % sehr 
klein sei und f£ viel größere Werte annehmen könne. Dadurch gewännen die 
ersten und die letzten Stundenwerte der Nacht, die doch die unsichersten seien, 
einen zu großen Einfluß auf %. Jackson hält eine Parabeldarstellung für zweck- 
mäßiger. Etwa 
dal... 
Damit fiele die ganze Vorstellung vom Strahlungskoeffizienten. 
7. Nur wenig später, 1909, hat sich Wilhelm Schmidt mit der an ihm ge- 
wohnten Gründlichkeit des Problems angenommen, Er verbessert zunächst die 
Rechenmethode für die drei Formelkonstanten &,, C und h, wodurch sich die 
ursprünglichen Werte von Weilenmann nicht unerheblich erhöhen. Der Mittel- 
wert des Exponenten h wird statt 0.15 jetzt 0.17 mit Schwankungen zwischen 0.12 
und 0.24. Ein jährlicher Gang mit Minimalwerten im Sommer und Maximalwerten 
im Frühwinter wird gefunden. 
Der Hauptfortschritt der Arbeit von Wilhelm Schmidt ist aber der Nach- 
weis, daß der Temperaturablauf in der Nacht gar nicht nach einer einfachen 
e-Funktion geht, sondern daß zum mindesten zwei Teile zu unterscheiden sind: 
In den ersten 4—5 Stunden erfolgt der Abfall verhältnismäßig schnell, so daß 
der Exponent & mehr als doppelt so groß wird, wie ihn Trabert, Maurer und 
Weilenmann berechnet haben, Dann tritt ein Knick in der Kurve ein, der nach 
Ansicht von Schmidt auf Advektion kälterer Luft von benachbarten Bergen oder 
Hängen zurückzuführen ist und der oft an manchen Orten ganz streng periodisch 
auftritt. Der weitere Temperaturabfall geht dann bedeutend langsamer vor sich. 
Schmidt wirft auch die Frage auf, ob 4, konstant ist und macht es wahr- 
scheinlich, daß diese Formelgröße im Laufe der Nacht absinkt. 
Ann. d, Hydr. usw. 1948, Heft IY/VI.
	        
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