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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Lange, E.: Der Quarzuhr-Zeitdienst der Deutschen Seewarte zu Hamburg. 147 
Beobachtung gegeben ist, im allgemeinen hinter Washington, bezüglich der Zeit- 
bewahrung, definiert durch die Güte und Gangkonstanz der hierfür eingesetzten 
Uhren hinter Potsdam und endlich bezüglich der Genauigkeit der Zeitsignalauf- 
nahmen hinter Greenwich, Paris, Potsdam und Washington zurückstand. 
Die von der Deutschen Seewarte in den letzten Jahren in der Genauigkeit 
ihres Zeitdienstes aufzuweisenden Leistungen waren nur durch einen ungeheuren 
Arbeitseinsatz — tägliche astronomische Beobachtungen an teilweise zwei 
Instrumenten und eine bis ins einzelne gehende Kleinarbeit auf der Suche 
nach Fehlern und Fehlermöglichkeiten, spezielle Untersuchungen über die 
Abhängigkeiten der Uhren von äußeren Einflüssen, Entwicklung besonderer 
Methoden zur Standausgleichung der Quarzuhren (2), Einführung von Gewichten 
bei astronomischen Zeitbestimmungen zum Zwecke einer Genauigkeitssteige- 
rung (s) — zu erreichen. Ein Weiterschreiten auf diesem Wege erwies sich jedoch 
als nur wenig erfolgversprechend, da die vorhandenen Geräte — Instrumente, 
Uhren und Registrierapparate — eine größere Genauigkeit von sich aus herzu- 
geben nicht mehr in der Lage waren. 
Diese Feststellungen zeigten eindeutig, welche Wege der Zeitdienst der Deutschen 
Seewarte beschreiten mußte, um eine dem großdeutschen Reiche würdige Stelle im 
internationalen Funkzeitzeichendienst einzunehmen. Wir wollen dabei im folgenden 
von der anerkannt notwendigen Genauigkeitssteigerung der astronomischen Zeit- 
bestimmung absehen, deren praktische Verwirklichung aus verständlichen Gründen 
bis nach Beendigung des Krieges zurückgestellt werden muß. 
Anders dagegen liegen die Verhältnisse bei der geforderten Genauigkeits- 
steigerung der Zeitbewahrung, der Zeitkundgebung und der Registrierung. 
Gerade hier war es der augenblickliche Krieg, der dem Verfasser und seinen 
Mitarbeitern ein eingehendes Kennenlernen des ausgezeichneten französischen 
Zeitdienstes mit seinen vom deutschen Zeitdienst teilweise völlig abweichenden 
Methoden ‚und Geräten ermöglichte, Ohne nun diesen französischen Zeitdienst 
einfach nachzuahmen, wurde nach kritischer Prüfung seiner Vor- und Nachteile 
und in Anlehnung an die im deutschen Zeitdienst bereits bewährten Gegeben- 
heiten ein Plan entwickelt, der dank dem Verständnis, das Herr Admiral 
Dr. Conrad dem Ausbau des deutschen Zeitdienstes schon immer entgegen- 
gebracht hatte, bis zum heutigen Tage zu einem großen Teile bereits verwirk- 
licht werden konnte, und dessen Grundlagen und Durchführung nachstehend 
kurz erläutert werden sollen. 
Die Vorbedingung für eine präzise Zeitbewahrung über längere Zeiträume 
ist das Vorhandensein von erstklassigen Uhren, von denen jegliche von außen 
kommenden Störungen ferngehalten werden müssen. Im Gegensatz zu fast sämt- 
lichen ausländischen Zeitdienstinstituten, die sich weitestgehend störungsfrei 
aufgestellter Pendeluhren zur Zeitbewahrung bedienen, erkannte die Deutsche 
Seewarte schon frühzeitg die außerordentlichen Vorzüge der Quarzuhren, die 
wohl heute als die zur Zeitbewahrung einzig und allein geeigneten Uhren anzu- 
sehen sind, Die vielversprechende Entwicklung von Quarzuhren durch A. Scheibe 
und U, Adelsberger führte dazu, daß sich auch die Industrie mit der Fertigung 
von Quarzuhren befaßte, Eine vergleichende Untersuchung der physikalisch- 
Jaboratoriumsmäßigen Quarzuhren der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt 
und der technischen Quarzuhren der Industrie durch H. Dobberstein (4) zeigte, 
daß die letzteren bezüglich ihrer Gangleistungen durchaus mit den ersteren 
konkurrieren können. Der gegenüber den Pendeluhren naturgemäß wesentlich 
kompliziertere Aufbau der vom Starkstromnetz aus betriebenen Quarzuhren hat 
vielleicht eine etwas geringere Betriebssicherheit zur Folge, die aber bei Vor- 
handensein einer genügenden Anzahl von Quarzuhren durch die überragende 
Gangkonstanz derselben — die Gangschwankung ist um etwa zwei Größen: 
ordnungen kleiner als die der Pendeluhren — gern in Kauf genommen wird. 
Es war also naheliegend, daß sich die Deutsche Seewarte bei der Aufstellung 
ihres Planes für die Modernisierung des deutschen Zeitdienstes zur Bewahrung 
der durch die astronomischen Beobachtungen ermittelten Zeit nur auf Quarz- 
uhren festlegte.
	        
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