Lange, E.: Der Quarzuhr-Zeitdienst der Deutschen Seewarte zu Hamburg. 147
Beobachtung gegeben ist, im allgemeinen hinter Washington, bezüglich der Zeit-
bewahrung, definiert durch die Güte und Gangkonstanz der hierfür eingesetzten
Uhren hinter Potsdam und endlich bezüglich der Genauigkeit der Zeitsignalauf-
nahmen hinter Greenwich, Paris, Potsdam und Washington zurückstand.
Die von der Deutschen Seewarte in den letzten Jahren in der Genauigkeit
ihres Zeitdienstes aufzuweisenden Leistungen waren nur durch einen ungeheuren
Arbeitseinsatz — tägliche astronomische Beobachtungen an teilweise zwei
Instrumenten und eine bis ins einzelne gehende Kleinarbeit auf der Suche
nach Fehlern und Fehlermöglichkeiten, spezielle Untersuchungen über die
Abhängigkeiten der Uhren von äußeren Einflüssen, Entwicklung besonderer
Methoden zur Standausgleichung der Quarzuhren (2), Einführung von Gewichten
bei astronomischen Zeitbestimmungen zum Zwecke einer Genauigkeitssteige-
rung (s) — zu erreichen. Ein Weiterschreiten auf diesem Wege erwies sich jedoch
als nur wenig erfolgversprechend, da die vorhandenen Geräte — Instrumente,
Uhren und Registrierapparate — eine größere Genauigkeit von sich aus herzu-
geben nicht mehr in der Lage waren.
Diese Feststellungen zeigten eindeutig, welche Wege der Zeitdienst der Deutschen
Seewarte beschreiten mußte, um eine dem großdeutschen Reiche würdige Stelle im
internationalen Funkzeitzeichendienst einzunehmen. Wir wollen dabei im folgenden
von der anerkannt notwendigen Genauigkeitssteigerung der astronomischen Zeit-
bestimmung absehen, deren praktische Verwirklichung aus verständlichen Gründen
bis nach Beendigung des Krieges zurückgestellt werden muß.
Anders dagegen liegen die Verhältnisse bei der geforderten Genauigkeits-
steigerung der Zeitbewahrung, der Zeitkundgebung und der Registrierung.
Gerade hier war es der augenblickliche Krieg, der dem Verfasser und seinen
Mitarbeitern ein eingehendes Kennenlernen des ausgezeichneten französischen
Zeitdienstes mit seinen vom deutschen Zeitdienst teilweise völlig abweichenden
Methoden ‚und Geräten ermöglichte, Ohne nun diesen französischen Zeitdienst
einfach nachzuahmen, wurde nach kritischer Prüfung seiner Vor- und Nachteile
und in Anlehnung an die im deutschen Zeitdienst bereits bewährten Gegeben-
heiten ein Plan entwickelt, der dank dem Verständnis, das Herr Admiral
Dr. Conrad dem Ausbau des deutschen Zeitdienstes schon immer entgegen-
gebracht hatte, bis zum heutigen Tage zu einem großen Teile bereits verwirk-
licht werden konnte, und dessen Grundlagen und Durchführung nachstehend
kurz erläutert werden sollen.
Die Vorbedingung für eine präzise Zeitbewahrung über längere Zeiträume
ist das Vorhandensein von erstklassigen Uhren, von denen jegliche von außen
kommenden Störungen ferngehalten werden müssen. Im Gegensatz zu fast sämt-
lichen ausländischen Zeitdienstinstituten, die sich weitestgehend störungsfrei
aufgestellter Pendeluhren zur Zeitbewahrung bedienen, erkannte die Deutsche
Seewarte schon frühzeitg die außerordentlichen Vorzüge der Quarzuhren, die
wohl heute als die zur Zeitbewahrung einzig und allein geeigneten Uhren anzu-
sehen sind, Die vielversprechende Entwicklung von Quarzuhren durch A. Scheibe
und U, Adelsberger führte dazu, daß sich auch die Industrie mit der Fertigung
von Quarzuhren befaßte, Eine vergleichende Untersuchung der physikalisch-
Jaboratoriumsmäßigen Quarzuhren der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt
und der technischen Quarzuhren der Industrie durch H. Dobberstein (4) zeigte,
daß die letzteren bezüglich ihrer Gangleistungen durchaus mit den ersteren
konkurrieren können. Der gegenüber den Pendeluhren naturgemäß wesentlich
kompliziertere Aufbau der vom Starkstromnetz aus betriebenen Quarzuhren hat
vielleicht eine etwas geringere Betriebssicherheit zur Folge, die aber bei Vor-
handensein einer genügenden Anzahl von Quarzuhren durch die überragende
Gangkonstanz derselben — die Gangschwankung ist um etwa zwei Größen:
ordnungen kleiner als die der Pendeluhren — gern in Kauf genommen wird.
Es war also naheliegend, daß sich die Deutsche Seewarte bei der Aufstellung
ihres Planes für die Modernisierung des deutschen Zeitdienstes zur Bewahrung
der durch die astronomischen Beobachtungen ermittelten Zeit nur auf Quarz-
uhren festlegte.
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