Hahn, Heß u. Trittelvitz: Über die unmittelbare Gewinnung von Dygogrammen usw. 133
X’ = Querschiffskomponente des gesamten Feldes am Meßort.
/ = Hochschiffskomponente » # # »
= mißweisender Kurs (Winkel zwischen H und X).
= Kompaßkurs (Winkel zwischen H’ und X}
Längsschiffskomponente des festmagnetischen Schiffsfeldes am Meßort.
Querschiffskomponente „ ® .
Hochschiffskomponente „ “ » “
Koeffizienten des induzierten Feldes am Meßort,
Es soll eine anschauliche Methode der Darstellung und Auswertung von
magnetischen Feldmessungen auf Schilfen unter Zugrundelegung der Poisson-
schen Gleichungen gegeben werden, In erschöpfender Weise werden die magne-
tischen Verhältnisse des Horizontalfeldes am Kompaßort durch die Dygogramme
wiedergegeben. Während die Deviationskurve nur Aussagen über Winkel-
beziehungen macht und die Darstellung in Feldkomponenten (in Abhängigkeit
vom mißweisenden Kurs) zwar alle Daten der Poissonschen Gleichungen, aber
keine Deviationen wiedergibt, bringt das Dygogramm!) Winkel und Feldstärken
in sichtbare Beziehung. Man unterscheidet zwei Arten von Dygogrammen je
nach der Wahl des Bezugssystems, Wird es als raumfest angenommen, d.h. wird
für alle Kurse des Schiffes Richtung und Größe der magnetischen Richtkraft,
der Feldstärkevektor, in raumfesten Koordinaten aufgetragen, so ergibt sich als
Polardiagramm eine Pascalsche Schnecke. Bei schiffsfestem Bezugssystem ist
das Polardiagramm eine Ellipse. lm folgenden wird nur von diesem elliptischen
Dygogramm, hier kurz Feldellipse genannt, die Rede sein; es wird also ein schiffs-
festes Koordinatensystem zugrunde gelegt, ; ;
Das elliptische Dygogramm wird im allgemeinen aus den Deviationskoeffizienten
A, 3, EC, D, € und der mittleren Feldstärke AH nach magnetisch Nord konstruiert 2).
Die exakte Bestimmung der Deviationskoeffizienten %, 3, 6, ©, € erfordert jedoch
einen ziemlichen Rechenaufwand, wenn man nicht große Ungenauigkeiten in Kauf
nehmen will. Einfacher ist das Verfahren, unmittelbar aus magnetischen Feld-
messungen die Feldellipse bzw. die Koeffizienten der Poissonschen Gleichungen
und damit die Koeffizienten der exakten Deviationsformel zu gewinnen, Über-
dies kann der Ausgleich der Beobachtungsfehler in der Deviationskurve nur ge-
fühlsmäßig vorgenommen werden, während der Ausgleich der Beobachtungsfehler
von Feldmessungen einen Anhalt in der sinusförmigen Abhängigkeit der Feld-
stärkekomponenten vom mißweisenden Kurs findet.
Die drei Poissonschen Gleichungen
X=X-+HaX+bY+cZ+P=(1-+a)HcosZ7—bHsing+cZ2+P (3)
VYoY+dX+eY+1Z2+Q=dHceosXf-—(1+eHsinf+fZ2+Q (2)
ZYsZ+gX+bY+kZ+RBR=gHocos £--hHsiaf +(1+4}3)Z+R (3)
bestimmen den Vektor der magnetischen Feldstärke für einen Ort auf dem Schiff
in Abhängigkeit von Horizontalintensität H, Vertikalintensität Z und mißweisendem
Kurs %. Die Gleichungen (1) und (2) für das Horizontalfeld sind die Parameter-
darstellung einer Ellipse in allgemeiner Lage, nämlich der Feldellipse. Der Mittel-
punkt der Ellipse ist um die Komponenten der festmagnetischen Feldstärke
(cZ +P und fZ-+0Q) gegen den Koordinatenursprung verschoben.
Die Größen a,b, c, d, e, f, g, h, k und P, Q, R sollen also aus Feldmessungen
ermittelt werden. Durch Messungen ohne Änderung der magnetischen Breite
(4Z = 0) lassen sich nur die Koeffizienten a, b, d, e, g, h bestimmen. Die zu-
sammengesetzten Ausdrücke cZ + PP, fZ+Q, kZ+R lassen sich ihrer Größe
nach ermitteln, jedoch gelingt eine Aufspaltung erst durch Wiederholung der
Messungen bei geändertem Z. Bei konstantem Z stellen diese Ausdrücke die
Komponenten der festmagnetischen Feldstärke dar.
Prinzipiell lassen sich aus Feldmessungen auf den Hauptkursen die zum
Aufbau der Poissonschen Gleichungen notwendigen Größen nach folgenden
Formeln bestimmen:
1) Dygogramm == Polardiagramm der Richtkraft. — % Admiralty Manual for the deviations of
the compass, F. Lauffer: Graphische Lösungen der Deviationsprobleme, Pola 1908, M.E, Guyou:
Manuel des instruments nautiques, Paris 1907, F, Corbara:; Trattato sul magnetismo delle navi in
ferro e sulle bussole marine, Genova 1907,
BA