Dietrich, G.: Über ozeanische Gezeitenerscheinungen in geographischer Betrachtungsweise. 127
schiedenen natürlichen Voraussetzungen erfaßt, läßt sich das Wesen der morpho-
logischen Kräfte, die den Gezeitenvorgängen innewohnen, am ehesten heraus-
arbeiten, Den Weg zu diesen vergleichenden geographischen Betrachtungen der
Gezeiten zu ebnen, ist ein Ziel, das die Darstellung des Springtidenhubes an
den ozeanischen Küsten verfolgt.
Messung der Vertikalintensität des erdmagnetischen Feldes
auf See mit einem Tauchgerät,
Von F. Errulat und H. Podszus, Deutsche Seewarte,
Im Jahre 1941 konnte einer der Verfasser über Versuche berichten, die
Horizontalkomponente des erdmagnetischen Feldes auf See mittels eines Doppel-
kompasses zu messen, der in einer Tauchkugel aus unmagnetischem Material
von Bord eines Schiffes aus in gewünschte Tiefe versenkt und in so großer
Entfernung vom Schiff treibend gehalten wird, daß eine Störung durch das
Schiffsfeld ausgeschlossen ist!). Mit Verwendung dieser Tauchkugel kam ein
Vorschlag zur Ausführung, den J. Bartels bereits 1931 in Washington gemacht
hatte, als es sich darum handelte, Ersatz für die verlorengegangene „Carnegie“
zu schaffen. Die Ausführungen von Bartels kamen hier leider erst nach Ver-
öffentlichung unseres Berichtes zur Kenntnis. In einer späteren Formulierung
wurde dann ebenfalls durch Bartels als Meßgerät ein solches vom Induktor-
typ vorgeschlagen?. Eine Meßanordnung mit Fernablesung war bereits von
Schreiber für technische Zwecke entwickelt und erprobt, auf dessen Erfahrungen
sich die Verfasser bei ihren weiteren Entwicklungsarbeiten stützen konnten,
Ein ähnliches Meßgerät als Normal für Präzisionsmessungen im Observatorium
ist neuerdings auch von E, A. Johnson unter eingehender theoretischer Be-
handlung der Grenzempfindlichkeit angegeben worden?).
Bei den auf das Jahr 1937 zurückgehenden bei der Deutschen Seewarte an-
gestellten Versuchen war der Leitgedanke der, über die Vermessung von Punkt
zu Punkt hinaus zu fortlaufenden Messungen während der Fahrt fortzuschreiten,
um das Abstoppen des Schiffes und das jedesmalige Ausbringen und Einholen
des Gerätes unnötig zu machen. Es wurde also zur Messung in einem eisen-
freien Stromlinienkörper übergegangen, der in etwa 100 m Abstand in einer Tiefe
von 10 bis 20 m geschleppt und durch ein Otter-Gerät gesteuert wird, wie es
in den Kriegsmarinen bekannt ist und allseitig verwendet wird‘). Damit wurde
zwar auf absolute Ruhelage des Meßgerätes verzichtet, dafür aber der Weg ge-
wiesen, wie man bei der Großräumigkeit der See schneller zu einer Übersicht
über die magnetischen Verhältnisse gelangen kann, Das Meßgerät wurde zudem
so abgemessen, daß es jederzeit für genauere Punktvermessung im kugelförmigen
Tauchgerät Verwendung finden kann.
Das Gerät arbeitet nach dem Prinzip des Rotations-Induktors, Durch ein Vier-
Spulen-System nach Fanselau®) mit horizontalen Windungsflächen wird ein ver-
änderliches Vertikalfeld erzeugt und so abgestimmt, daß es das vertikale Erdfeld
gerade aufhebt und der Rotor keinen Indukıionsstrom gibt. Die Eichung des
Spulenfeldes kann aus den Abmessungen der Spule, besser noch durch Anschluß
an das genau bekannte Erdfeld in einem erdmagnetischen Observatorium erfolgen,
Der Gleichstrom-Generator (s. 1. Abb. 1 S. 128) hat einen Anker aus Phenolharz
(Trolon), um welchen neun Spulen mit je 215 Windungen von 0.3 mm starkem
Kupferdraht von je 120 Ohm Widerstand gewickelt sind. Auf eisenfreie Aus-
führung des Ankers wurde besonderer Wert gelegt, da Versuche mit Rotoren
mit Eisenkern starke azimutale Einflüsse zeigten, die nicht zu beseitigen waren.
‘) Errulat: Erdmagnetische Messungen auf See mit dem Doppelkompaß als Tauchgerät, Ann,
d, Hydr. 1941, S. 377 bis 385. — *) Fleming: Phys, of the Earth VIIL Terr. Magn. and Electr.
New York u. London 1939, S, 429, (Nach freundlicher brieflicher Mitteilung von Prof. Bartels.) —
*) E. A. Johnson: Terr, Magn. and Atmosph, Electr. 1939, S. 29. — 4%) Kreutzer: Physik in der
Kriegsmarine, Bd, 1, S, 23, Berlin 1942. -— 5) G. Fanselau: Zeitschrift für Physik, 54, 1921, S. 260.