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Full text: 71, 1943

126 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April/Juni 1943, 
Hubwerten an der Buchtmündung (Javaspitze mit 98 cm, Nordwestkap Australiens 
mit 146 cm) und Höchstwerten im Innern von nahezu 9 m. Im Pazifischen 
Ozean kann man zu diesen durch hohen Springtidenhub ausgezeichneten Buchten 
den ganzen westlichen Teil des Nordpazifischen Ozeans zählen, und zwar west- 
lich der Linie westliches Kaiser-Wilhelm-Land auf Neuguinea (46 cm} — östliche 
Karolinen (16 em} — Marianen (44 cm) — Bonin-Inseln (68 cm) — mittleres 
Hondo östlich Tokio (54 cm). Im Innern an der Ostküste der Philippinen steigen 
die Hubwerte auf 1.5 bis 2.0 m, Auffallender sind diese Erscheinungen im 
Golf von Alaska, wenn man ihn im erweiterten Sinne betrachtet, nämlich von 
den westlichen Aleuten mit Hubwerten von 45 cm bis zum mittleren Kalifornien 
südlich von San Francisco mit 94 cm. In dieser Bucht steigt der Springtiden- 
hub im Innern an der Südküste von Alaska auf über 6 m. Ferner gehört zu 
diesen Buchten der Golf von Panama im weiteren Sinne, wenn man ihn vom 
mittleren Mexiko mit Hubwerten von 72 cm bis zum nördlichen Peru rechnet 
mit 85 cm. Im innersten Teil des Golfes steigen die Hubwerte bis nahezu auf 
5m, Im Atlantischen Ozean kann man den ganzen nördlichen Teil des Nord- 
atlantischen Ozeans als eine große Bucht auffassen, deren südliche Begrenzungs- 
linie von Kap Race auf Neufundland mit einem Springtidenhub von 101 cm nach 
Kap Sao Vincente in Südportugal mit 273 cm verläuft. An den ozeanischen 
Küsten Grönlands, Islands und Westeuropas steigern sich die Hubwerte auf über 
3.5 m und nehmen auf dem Schelf in einzelnen Buchten zu den bekannten hohen 
Werten von über 11 m zu (Bristol-Kanal und Bucht von St. Malo). 
Die auffallenden Übergänge von geringen zu hohen Werten des Spring- 
tidenhubes, wie sie auf der Weltkarte zu erkennen sind, reizen zu einer ver- 
gleichenden Betrachtung der Zusammenhänge mit anderen geographischen Er- 
scheinungen. Es sei hier nur auf die morphologische Wirksamkeit der Gezeiten- 
vorgänge hingewiesen, Durch die periodischen Wasserstandsschwankungen im 
Ablauf der Gezeitenwellen wird nicht nur ein gewisser Küstenstreifen vom Meer- 
wasser bedeckt und wieder freigegeben, dessen Breite vom Gezeitenhub und 
dem Böschungswinkel des Bodens bestimmt wird, es bestehen außerdem Gezeiten- 
ströme, die u. a, vom Gezeitenhub abhängen und auf dem Schelf beachtliche 
Geschwindigkeiten erreichen können, Daneben bildet sich in allen tieferen Ein- 
schnitten des Küstenverlaufes (Fluß-, Fjord- und Buchtmündungen) ein periodisch 
wechselndes Gefälle des Wasserspiegels, das in Form einer Gezeitenwelle in den 
Wasserläufen gegen das Innere des Landes fortschreitet und ebenfalls Gezeiten- 
ströme nach sich zieht, Die Größe der Ströme hängt dabei sehr stark von dem 
Gezeitenhub und dem Querschnitt des Strombettes ab, Bei der starken ero- 
dierenden Wirkung des strömenden Wassers, besonders in den wenig wider- 
standsfähigen Ablagerungen der Festlandsflüsse, kommt die Verschiedenheit des 
Gezeitenhubes indirekt über den Gezeitenstrom besonders zur Geltung. Trichter- 
mündungen und Wattenküsten in Meeresgebieten mit großem Gezeitenhub stehen 
den Deltamündungen und Ausgleichsküsten in gezeitenarmen Meeren gegen- 
über. Man vergleiche z. B. die Flußmündungen von Mississippi, Magdalenen-Strom 
und Orinoco im gezeitenarmen Amerikanischen Mittelmeer und die Amazonas- 
mündung bei großen Hubwerten oder betrachte die patagonische Küste in ein- 
zelnen Zügen und die Lagunenbildungen an der Küste von Rio Grande do Sul. 
Wenn es infolge starker Sedimentierung der Flüsse auch bei großem Gezeiten- 
hub zur Deltabildung kommt, wie im Ganges- und Brahmaputra-Delta, nehmen 
wenigstens die einzelnen Mündungsarme Trichterform an. Eine Kette siedlungs- 
geographischer Folgerungen ließe sich an solche vergleichende Betrachtungen 
anschließen. . 
Verallgemeinerungen des Befundes sind aber Grenzen gesetzt. Die um- 
formenden Vorgänge bei den Küsten- und Bodenbildungen, die auf den Gezeiten 
und Gezeitenströmen fußen, sind nur eine Komponente im Wechselspiel ver- 
schiedenartiger morphologischer Kräfte. Der geologische Untergrund in seinem 
Aufbau und in seinen eustatischen Bewegungen, die Sedimentführung der Ströme 
u. a. Faktoren spielen mit. Aber gerade in einer weiträumigen vergleichenden 
Untersuchung, die die Wirksamkeit der Gezeiten und Gezeitenströme unter ver-
	        
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