accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 71 (1943)

Dietrich, G.: Über ozeanische Gezeitenerscheinungen in geographischer Betrachtungsweise, 125 
Durch Inselketten ist eine gerissene Linie den Projektionen zugrunde gelegt 
worden. Gegen die Seeseite wurden auf den einzelnen Projektionslinien der 
Springtidenhub 2 -(M, + 5.) des Ortes abgetragen, Dort, wo die Dichte der 
analysierten Pegelbeobachtungen nicht ausreichte, sind zusätzlich Orte mit ab- 
geleiteten harmonischen Konstanten nach den englischen Gezeitentafeln 19381!) 
herangezogen worden, und zwar insgesamt von 823 Küstenpunkten. In anderen 
Küstengebieten wiederum, die sehr dicht mit Orten mit analysierten Pegel- 
beobachtungen besetzt sind, wurde nur eine Auswahl an Projektionslinien wieder- 
gegeben. In die Verbindungslinie der abgetragenen Hubwerte sind sämtliche 
bekanntgewordenen Werte des Springtidenhubes hineingearbeitet, Mit Aus- 
nahme der antarktischen Küsten, von denen Hubwerte nur aus vier Gebieten 
(Graham-Archipel, Roßmeer, Adelie-Land und Kaiser-Wilhelm IL-Land) vorliegen 
und einer großen Zahl ozeanischer Inseln sind alle ozeanischen Küsten für den 
vorliegenden Zweck ausreichend mit Hubwerten besetzt, so daß die Verteilung 
des Springtidenhubes in Diagrammform auf der Weltkarte eine allgemeine 
Übersicht zuläßt. 
Die Verteilung der physikalischen Elemente, gleich ob sie der Lufthülle, 
den Ozeanen oder der festen Erde angehören, zeigen im großräumigen Vergleich 
eine bestimmte symmetrische Anordnung, der sich bekannte terrestrische Ein- 
flüsse als Störungen überlagern. Man braucht nur an die Verteilung der Luft- 
temperatur und des Windes, der Temperatur und des Salzgehaltes an der 
Meeresoberfläche oder der erdmagnetischen Komponenten zu denken, um einige 
physikalische Elemente zu nennen, Keine der bekannten Zusammenhänge, die 
vor allem mit der geographischen Breitenlage bestehen, kommt in der Verteilung 
des Springtidenhubes zum Ausdruck. Auf eine Erklärung der außerordentlichen 
Änderungen des Springtidenhubes, die selbst auf verhältnismäßig kurzen Ent- 
fernungen beobachtet werden, kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. 
Sie führt unmittelbar an das geophysikalische Problem der Gezeiten des Welt- 
meeres, das bis heute keine allgemein befriedigende Lösung gefunden hat, Hier 
muß es als Tatsache hingenommen werden, daß die Verteilung des Springtiden- 
hubes in den Schwingungssystemen der halbtägigen M,- und S,-Tiden im 
offenen Ozean begründet liegt. Das gilt z. B. im großen für den Springtiden- 
hub im Atlantischen Ozean, der im Durchschnitt höher als im Indischen und 
besonders im Pazifischen Ozean ist. Das trifft in gleicher Weise für regionale 
Unterschiede zu, wenn man u. a. den Springtidenhub an der patagonischen 
Küste und an der Küste des brasilianischen Staates Rio Grande do Sul ver- 
gleicht, an der ersten werden nahezu 10 m erreicht, an der letzten nur 16 cm, 
Selbst in ozeanischen Seegebieten finden sich beachtliche Unterschiede des 
Springtidenhubes auf engem Raume, So werden für die Faröer im zentralen 
Teil (Thorshavn) 32 cm angegeben, gegenüber 140 cm im Nordteil und 120 cm 
im Südteil der Inselgruppe. 
Eine weitere auffallende Verteilung im Springtidenhub zeigt die Mehrzahl 
der groBen ozeanischen Einbuchtungen gegen die Kontinente, Sie seien an 
dieser Stelle abgekürzt Buchten genannt, obwohl sie in der Mehrzahl der Fälle 
von dem eigentlichen geographischen Begriff nicht mehr erfaßt werden. Von 
einem Minimum des Springtidenhubes an den Außenkanten dieser Buchten 
steigen die Hubwerte gegen das Innere zu Höchstwerten an. Zu diesen Buchten 
gehört im Indischen Ozean der Arabische Golf mit geringen Hubwerten bei 
Kap Guardafui in Somaliland (140 em) und Kap Komorin an der Südspitze von 
Vorderindien (67 em) und mit hohen Werten im Innern (Bombay 346 cm), die 
sich in den Golfen von Kambay und Katsch zu Höchstwerten steigern (Golf 
von Katsch 630 em). Ähnlich verhält sich der Springtidenhub im Golf von 
Bengalen mit Minimalwerten von 43 cm an der Südspitze von Ceylon und von 
nur 18 cm an der Nordwestksüte von Sumatra gegenüber Höchstwerten im 
Innern des Golfes von über 4m an der Ganges- und Brahmaputra-Mündung. 
Eine weitere Bucht wird von Java und den Kleinen Sunda-Inseln auf der einen 
Seite und von Nordwestaustralien auf der anderen Seite gebildet mit kleinen 
Fhe Admiralty Tide Tables, Part II, 1938, London 1938.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.